Wirtschaft



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26.10.2007
 

Tarifstreit

Lufthansa-Stewardessen drohen mit Aufstand

Von Dinah Deckstein

Seit Monaten tobt bei der Bahn ein Tarifkonflikt, nun droht auch der Lufthansa Ärger: Die Flugbegleiter haben ein bislang unbekanntes Zusatzpapier im Tarifvertrag entdeckt. Die Vereinbarung verheißt nichts Gutes.

München - Von den drei Vorständen der Deutschen Lufthansa steht Stefan Lauer, 52, am wenigsten im Rampenlicht der Öffentlichkeit. Geht es darum, neue Allianzen oder Rekordzahlen zu verkünden, melden sich zumeist Konzernchef Wolfgang Mayrhuber oder Finanzmann Stephan Gemkow zu Wort. Dabei ist er es, der als ehemaliger Politikberater über die Gabe verfügt, heikle Themen elegant zu entschärfen.

Lufthansa-Stewardess mit Kapitän: Zusatzvereinbarung beim Kostensparprogramm sorgt für Aufregung
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DDP

Lufthansa-Stewardess mit Kapitän: Zusatzvereinbarung beim Kostensparprogramm sorgt für Aufregung

Ab dem 7. November hat der gelernte Jurist gute Chancen, sein rhetorisches Geschick wieder einmal unter Beweis zu stellen - wenn auch nur hinter verschlossenen Türen. Wenige Tage nachdem die Lufthansa den bislang höchsten Gewinn ihrer Geschichte angekündigt hat, beginnen im Konzern Gespräche mit Gewerkschaftsvertretern über die Arbeitsbedingungen der rund 15.000 Flugbegleiter des Unternehmens. Doch bereits im Vorfeld ist darüber ein heftiger Konflikt entbrannt, der die zweitgrößte europäische Fluglinie in ähnliche Turbulenzen stürzen könnte wie 2001 der Streit mit den Piloten um bis zu 30-prozentige Gehaltserhöhungen.

Hintergrund ist ein Kostensparprogramm, das die Lufthansa Chart zeigen von gut zwei Jahren mit der Kabinengewerkschaft UFO verabschiedet hatte - und das den Flugbegleitern empfindliche Einbußen abverlangt. In dem Anfang Mai 2005 geschlossenen Tarifvertrag wurde unter anderem vereinbart, die Einstiegsgehälter für neue Mitarbeiter abzusenken, die Flugzeit um zwei Stunden pro Monat zu erhöhen und die Gehaltszuschläge für Langstrecken wie zum Beispiel von Frankfurt nach Vancouver oder Denver zu kappen. Gleichzeitig wurden den fliegenden Dienstleistern vier freie Tage pro Jahr und zwei Urlaubstage gestrichen. Im Gegenzug verpflichete sich der Konzern, bis Ende 2008 auf betriebsbedingte Kündigungen beim Kabinen-Personal zu verzichten.

"Das erzielte Ergebnis ist ebenso beispielhaft wie fair", lobte Lauer als Verhandlungsführer damals seinen mit dem ehemaligen UFO-Chef Mirco Vorwerk eingefädelten Coup. Doch den betrachten viele Bordangestellte inzwischen eher als Mogelpackung.

Umstrittene Zusatzvereinbarung

Im Text der offiziellen Vereinbarung heißt es klar und deutlich, die Sparmaßnahmen sollten "ohne Nachwirkung" nur bis Ende dieses Jahres gelten. Doch zu ihrer Verblüffung müssen viele Lufthanseaten nun feststellen, daß es ein bislang offenbar nur Insidern bekanntes Zusatzprotokoll zum Tarifvertrag gibt. Danach darf der Vorstand das Gehalts- und Urlaubsopfer auch weiterhin einfordern.

Unterzeichnet wurde das obskure Papier mit Datum vom 3. Mai 2005 unter anderem von zwei Mitarbeitern Lauers und dem inzwischen zurückgetretenen UFO-Vorsitzenden Vorwerk. Der Chef-Steward gab sein Amt und seinen Sitz im Lufthansa-Aufsichtsrat unlängst auf, nachdem ein Gericht ihm Unkorrektheiten bei den Vorstandswahlen Ende 2003 bescheinigt hatte. Anfang März lief der umstrittene Funktionär im fliegenden Wechsel zur UFO-Konkurrenzgewerkschaft Ver.di über. Seither versucht er, zumindest einen Teil der 6000 UFO-Lufthanseaten in die Großorganisation zu lotsen, bislang allerdings mit eher mäßigem Erfolg.

Die Abwerbeversuche dürften ihm nach Bekanntwerden der umstrittenen Zusatzvereinbarung mit der Lufthansa künftig noch deutlich schwerer fallen. Das Papier, von wütenden Flugbegleitern schon "Hitler-Stalin-Pakt" getauft, hat unter den 15.000 Flugbegleitern im Konzern massive Empörung ausgelöst. Und die richtet sich nicht nur gegen den wendigen Vorwerk, sondern auch gegen Lauer. "Das Unternehmen verdient sich dumm und dusselig, aber uns wird in die Tasche gelangt", empört sich ein hoher UFO-Funktionär stellvertretend für seine Kolleginnen und Kollegen.

Verhandlungspartner gibt sich kleinlaut

Bereits im Juli hatte Lauer in einem Brief an die Bordmitarbeiter kurz und bündig angekündigt: "Es bleibt bei den bestehenden Arbeits- und Einsatzbedingungen". Änderungen, so der Personalchef weiter, könne es nur geben, wenn dadurch keine "Mehrkosten entstehen". Ähnlich argumentiert die Lufthansa auch heute noch. Beide Tarifpartner, so der Konzern, hätten 2005 die "dauerhafte Wirksamkeit der Einsparungen festgelegt". Dies sei den Bordangestellten unter anderem in der Mitarbeiterzeitung des Konzerns mitgeteilt worden.

Viele von ihnen müssen da wohl etwas missverstanden haben. Immerhin hieß es in einer internen Mitteilung der Lufthansa vom 9. Mai 2005 noch ganz harmlos: "Die produktivitätssteigernden Elemente sind bis Ende 2007 befristet und unterliegen dann einer Überprüfung."

Deutlich kleinlauter gibt sich inzwischen Lauers einstiger Verhandlungspartner Vorwerk. Er habe angenommen, so der heutige Ver.di-Funktionär, dass sich das Zusatzprotokoll "durch die gute wirtschaftliche Entwicklung der Deutschen Lufthansa von selbst erledigen" werde. Deshalb habe man "den Personalkörper" nicht unnötig "beunruhigen" wollen. Im Verein mit seinen alten UFO-Kollegen will nun auch er um eine Rücknahme der Gehalts-und Urlaubseinbußen kämpfen.

Flugbegleiter könnten Aufstand proben

Sollten Lauer und die Lufthansa hart bleiben, könnten die Flugbegleiter im Verein mit ihrer inzwischen neu gewählten UFO-Führung schon bald den Aufstand proben. Nach dem im Frühjahr 2005 ausgehandelten Tarifvertrag für das fliegende Kabinenpersonal herrscht zwar bis Ende 2008 Friedenspflicht, das heißt, es darf nicht gestreikt werden. Zur Zeit laufen jedoch Gespräche über die Höhe der Spesen und die Gewinnbeteiligung für die fliegenden Lufthansa-Service-Mitarbeiter.

Scheitern die Verhandlungen, könnten die UFO-Funktionäre ihre Kollegen doch noch zu Protestaktionen an Bord aufrufen – und nebenbei womöglich auch ihre alten Zulagen und freien Tage zurückerobern.

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