Hamburg - Die Sklaverei ist offiziell abgeschafft, doch die Bedingungen, unter denen teilweise erst zehn Jahre alte Kinder in einer Textilfabrik in Neu Delhi Kleidung für Auftragnehmer des US-Modekonzerns Gap Kleidung herstellen mussten, erinnern an längst vergangene Zeiten.
Gap-Filiale in San Francisco: Die mit Kinderarbeit hergestellten Kleidungsstücke wurden laut Konzern vom Markt genommen
Die Zeitung zitierte einen Jungen mit den Worten, wenn Kinder weinten, würden sie geschlagen oder man stopfe ihnen ölgetränkte Tücher in den Mund. Den Betrieb beschrieb die Zeitung als dreckig und verwahrlost. Ein Reporter des Blattes hatte die Geschichte zusammen mit einem Fernsehteam vom WDR aufgedeckt. Der Beitrag des Wirtschaftsmagazins "markt" wird am Montag, 29. Oktober, um 21 Uhr im WDR ausgestrahlt.
Gap sagte auf die Vorwürfe hin, man sei sich nicht bewusst gewesen, dass die Produkte, die für das Weihnachtsgeschäft gedacht waren, von einem Subunternehmen unter diesen Bedingungen angefertigt worden waren. Der Konzern versicherte, die zehntausenden Mädchenblusen vom Markt zu nehmen, die für knapp 30 Euro in den USA und Europa verkauft werden sollten. Gap ist eine der größten Bekleidungsketten und betreibt weltweit rund 3000 Filialen.
In einer vom Hauptsitz in San Francisco veröffentlichten Stellungnahme lehnte der Konzern Kinderarbeit auf das Schärfste ab. Unter keinen Umständen sei es akzeptabel, dass Kinder Kleidung herstellten. Die Vorwürfe seien zutiefst beunruhigend und würden sehr ernst genommen. Gap versicherte, dass alle Zulieferer und ihre Subunternehmer dazu verpflichtet würden zu garantieren, dass sie ohne Kinderarbeit produzieren. Es sei offensichtlich, dass einer der Anbieter diese Vereinbarung verletzt habe. Der Konzern versprach eine vollständige Untersuchung des Falles.
Bereits im Jahr 2004 hatte Gap zugegeben, Fälle von Kinderarbeit und unwürdigen Arbeitsbedingungen bei manchen seiner Zulieferer vorgefunden zu haben. Als Konsequenz habe Gap Verträge mit 136 Zulieferern gekündigt.
Nach Erkenntnissen der Vereinten Nationen ist Indien in Sachen Kinderarbeit weltweiter Spitzenreiter. Schätzungen zufolge sind mehr als 20 Prozent der indischen Wirtschaft abhängig von Kinderarbeit. Das entspricht einer Zahl von 55 Millionen Kindern unter 14 Jahren.
lub/AP
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
| alles zum Thema Wirtschaft in Indien | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH