Wirtschaft



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03.11.2007
 

Kostenschub

Ölpreisschock - Gasversorger ziehen bald nach

Von Stefan Schultz

Energiepreise im Höhenflug: Das Hoch auf dem Ölmarkt schlägt auf die Gaspreise durch. Die Versorger prognostizieren nach den Preiserhöhungen im Januar 2008 einen baldigen weiteren Anstieg. Verbraucherschützer sprechen von Nepp.

Hamburg - Erst vor kurzem hatte Deutschlands größter Energiekonzern E.on Chart zeigen für Januar 2008 saftige Preiserhöhungen angekündigt. Die Aufschläge auf den Gaspreis liegen zwischen 3,4 Prozent bei E.on Thüringer Energie und 8,8 Prozent bei E.on Westfalen Weser. Der Endverbraucher zahlt dadurch monatlich zwischen 4,96 Euro und 11,40 Euro mehr.

Ratternder Gaszähler: Kostengrab für Endverbraucher
DPA

Ratternder Gaszähler: Kostengrab für Endverbraucher

Doch die Preisrallye ist damit noch lange nicht zu Ende. "Der Ölpreis ist derzeit auf einem Rekordhoch. Sollte dieses Niveau in den nächsten Wochen anhalten, kann man mit tendenziell steigenden Gaspreisen rechnen", sagt Helmut Roloff, Sprecher bei E.on Ruhrgas, SPIEGEL ONLINE. Über die Höhe des potentiellen Preisanstiegs könne man derzeit aber nur spekulieren.

Auch die Berliner Gasag rechnet damit, dass die Gaspreise 2008 wieder steigen werden. "Wir haben seit Mitte des Jahres einen kontinuierlich hohen Ölpreis - wenn das so bleibt, wird das Auswirkungen auf die Gaspreise haben", sagt Unternehmenssprecher Klaus Haschker.

Wingas, der zweitgrößte Gasimporteur Deutschlands, wollte hingegen keine Prognose abgeben. "Wingas schließt individuelle Verträge mit unterschiedlichen Vertragslaufzeiten und unterschiedlichen Mengen. Eine generelle Aussage über die Entwicklung der Gaspreise ist daher nicht möglich", sagt ein Sprecher.

Preistreiber Ölpreiskopplung

Grund für die Preis-Prognose ist die Kopplung des Gaspreises an den Ölpreis, auch Ölpreisbindung genannt. Förderer wie der russische Konzern Gasprom Chart zeigen bestehen noch immer auf dieser Regelung: Sie soll verhindern, dass die Verbraucher zwischen Öl und Gas das jeweils günstigere Angebot wählen können (siehe Kasten).

Steigt der Ölpreis, ziehen - mit einiger Verzögerung - also stets auch die Importpreise für Gas an. "Erfahrungsgemäß reagiert der Gaspreis mit einer Verzögerung von sechs Monaten auf den Ölpreis", erläutert Michael Bräuninger, Experte für Energie- und Rohstoffpolitik am Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI).

Öl kostete seit Juni fast konstant über 70-Dollar, seit mehreren Wochen über 80 Dollar, inzwischen nimmt der Ölpreis . Mittelfristig, so die Importeure, seien daher weitere Preiserhöhungen zu erwarten. Verbraucher müssten damit rechnen, dass zu den bereits angekündigten Preiserhöhungen zum Januar 2008 im Laufe des Jahres weitere hinzukommen.

Wenig Transparenz bei den Kosten

Allein: Viele Experten sind der Meinung, dass Importeure wie E.on allzu leicht dazu tendieren, Preisanhebungen pauschal mit der Ölpreisbindung zu begründen. Denn inwieweit sich der Rohölpreis auf den Gaspreis der Endverbraucher niederschlägt, bleibt weitgehend ihr Geheimnis.

Importeure und Versorgungsunternehmen geben an, die Importkosten lägen bei 40 bis 50 Prozent, entsprechend hoch sei die Auswirkung der Ölpreisbindung. Der Verband für Energieverbraucher rechnet anders: Zerlege man den Erdgaspreis der Verbraucher in seine einzelnen Bestandteile, ergebe sich ausgehend von einem durchschnittlichen Gaspreis von etwa 6,5 Cent pro Kilowattstunde folgendes Bild:

  • Einkaufspreis ab deutscher Grenze: 2 Cent
  • Transport durch Deutschland: 0,5 Cent
  • Gassteuer, Ökosteuer und Umsatzsteuer: 2 Cent
  • Verteilung an die Endabnehmer: 2 Cent

Die Importkosten betragen nach dieser Rechnung nur ein Drittel des Endverbraucherpreises, die Auswirkung des Öl-Preisanstiegs wäre demnach geringer zu bewerten, als es die Energieanbieter angeben. "Welchen Anteil der Anstieg des Ölpreises auf den Anstieg des Gaspreises hat, machen die Hersteller nicht transparent", moniert Bräuninger.

Das Märchen mit der Ölpreisbindung

Aribert Peters, der Vorsitzende und Gründer des Bundes der Energieverbraucher, geht noch weiter: Die Begründung, die Ölpreisbindung treibe den Gaspreis in die Höhe, sei schlicht ein "Märchen", sagte er SPIEGEL ONLINE. Leicht zu erkennen sie dies daran, dass der Verbraucherpreis in den letzten Jahren kontinuierlich schneller stieg als der Importpreis.

Ungeachtet dessen wird der Importpreis für Erdgas vermutlich anziehen. "Der Ölpreis wird über mehrere Monate gemessen, aus diesen Daten wird dann ein Durchschnittswert erzeugt, der den Gaspreis für mehrere Monate festlegt", erläutert Bräuninger.

Kurzzeitige Spitzenwerte macht der Gaspreis demnach nicht mit. "Wenn der Ölpreis für kurze Zeit auf ein Rekordhoch steigt und danach auf einen Normalwert zurückfällt, macht sich das bei der Ölpreisbindung zumindest nur marginal bemerkbar", sagt Bräuninger. Das Dauerhoch des Ölpreises seit Juni mache einen Anstieg der Gas-Importkosten jedoch wahrscheinlich.

Laut Verbraucherschützer Peters trotzdem kein Grund, die Verbraucherpreise erneut anzuheben. Die Aufschläge der letzten Jahre gingen seiner Meinung nach so stark über den Anstieg der Importpreise hinaus, dass den Versorgern eine Nullrunde nicht schaden würde. "In den Gaspreisen ist eine Menge Luft", sagt Peters. "Selbst wenn die Importpreise steigen, rechtfertigt das noch keinen erneuten Aufschlag auf die Endverbraucherpreise."

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