New York - Die Citigroup bestätigte in der Nacht die Berufung von Sir Win Bischoff zum vorübergehenden Unternehmenschef. Der ehemalige US-Finanzminister Robert Rubin sei zudem zum neuen Vorsitzenden des Verwaltungsrates ernannt worden. Der scheidende Charles Prince, 57, hatte auch dieses Amt inne. Die Entscheidungen fielen bei einer Krisensitzung des Gremiums.
Die Bank muss nach eigenen Schätzungen weitere acht bis elf Milliarden US-Dollar (7,6 Milliarden Euro) wegen Problemen durch die Finanzkrise abschreiben. Vor wenigen Wochen hatte die Citigroup schon einmal Berichtigungen in Milliardenhöhe vorgenommen.
Die Turbulenzen um die Bank haben dazu geführt, dass eine Analystin um ihr Leben fürchtet: Nachdem sie die Citigroup-Aktien herabgestuft hatte, ist die Analystin Meredith Whitney von CIBC World Markets nach eigenen Angaben mit dem Tode bedroht worden.
"Die Kunden sind über meine Bewertung nicht glücklich und ich habe mehrere Morddrohungen erhalten", sagte sie der britischen "Times". Von ihrer Einstufung sei sie nach wie vor vollkommen überzeugt - es sei die eindeutigste, die sie in ihrer Karriere je gemacht habe. Aber Investoren könnten "bösartig und streitlustig" werden, wenn sie der Meinung seien, durch eine Bewertung Geld verloren zu haben.
Whitney hatte die Citigroup am Donnerstag auf "sector underperformer" herabgestuft und von einem dringenden Kapitalbedarf von 30 Milliarden Dollar gesprochen. Citigroup-Aktien fielen darauf hin um etwa sieben Prozent und zogen die US-Börsen ins Minus. Die Rufe nach dem Rücktritt von Charles Prince waren daraufhin noch lauter geworden.
Prince ist nach Stanley O'Neal von Merrill Lynch der zweite Chef eines großen amerikanischen Finanzinstituts, der wegen der Kreditkrise seinen Hut nehmen musste. Er stand allerdings bereits seit längerem in der Kritik. In den vier Jahren unter ihm hat der Citi-Aktienkurs mehr als 17 Prozent an Wert verloren, was den Manager bei Investoren besonders unbeliebt machte.
cis/rüdReuters/dpa
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