Berlin - Auf den ersten Blick scheint das Angebot verlockend: Beim Preis pro Kilowattstunde zählt das Unternehmen Flexstrom mit zu den günstigsten. Trotzdem kann die Stromrechnung ziemlich teuer werden. Grund: Wer Flexstrom will, muss das ganze Jahr im Voraus zahlen. Benötigt der Kunde weniger Strom als kalkuliert, gibt's nichts zurück - und verbraucht er mehr, dann kostet das bis zu zehn Cent je Kilowattstunde extra. Die Folge: Schon bei geringen Abweichungen des Stromverbrauchs ist Flexstrom deutlich teurer als gedacht.
Für die Experten von der Zeitschrift FINANZtest ist deshalb klar: Wer am Ende nicht draufzahlen will, muss die verschiedenen Tarife und Angebote genau prüfen, bevor er seinen Stromanbieter wechselt.
Als Faustregel gilt: Für Singles ohne besonderen Stromverbrauch - also ohne elektrische Heizung oder Durchlauferhitzer - sind Tarife mit geringer Grundgebühr günstiger. Große Familien mit Extra-Stromverbrauch durch reichlich Wäsche kommen in der Regel mit höherem Grund- und geringerem Arbeitspreis besser weg.
In jedem Fall gilt aber: Klarheit verschafft nur das Nachrechnen anhand der letzten Jahresstromrechnung. Dabei kommt es nicht so sehr auf den Betrag in Euro an, entscheidend ist vielmehr der Verbrauch in Kilowattstunden.
Im bundesweiten Durchschnitt ist beim Wechsel zum jeweils günstigsten Anbieter eine Ersparnis von rund 100 Euro je Haushalt und Jahr drin, wie Verbraucherschützer ausgerechnet haben. Ein weiterer Vorteil bei der freien Wahl des Versorgers: Die Verbraucher können die Art der Energieerzeugung selbst beeinflussen - zum Beispiel, indem sie sich für einen Ökostromanbieter entscheiden. Physikalisch ist der Strom aus der Steckdose zwar immer derselbe. Je nach Stromanbieter wird jedoch vom Geld der Kunden nur Strom aus bestimmten Energiequellen ins Netz eingespeist.
Auch volkswirtschaftlich tun Wechsler etwas Gutes: Denn noch läuft der Wettbewerb auf dem Energiemarkt äußerst schleppend; je mehr Bürger jedoch den etablierten Unternehmen den Rücken kehren, desto stärker geraten diese unter Preisdruck. Nur wenn genügend Verbraucher die Angebote vergleichen und danach den passenden Anbieter wählen, macht es für die Energiekonzerne Sinn, attraktive Angebote auf den Markt zu bringen.
Auch beim Gas kann sich ein Wechsel lohnen. Allerdings ist die Auswahl vielerorts noch gering. Nur "E wie Einfach" ist bundesweit zu haben. Das Versprechen des Unternehmens: Gas ist zwei Cent günstiger als der allgemeine Grundtarif des örtlichen Versorgers. Fachleute raten dennoch zur Vorsicht. Denn Alternativtarife des örtlichen Anbieters können günstiger sein. Auch hier gilt: Wer es genau wissen will, muss anhand der Gasrechnung fürs vergangene Jahr nachrechnen.
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