Von Kai Lange
Wenn es richtig wackelt an der Börse und sich das Quartal dem Ende zuneigt, nutzen die Schaumschläger ihre Chance. Aktien, deren Kauf zum rechten Zeitpunkt sie verpasst haben und deren guter Kursentwicklung sie seit Monaten hinterherschauen, bieten sich zum Kauf in letzter Minute an. Mit etwas Glück sammeln sie Börsenlieblinge während einer kurzen Schwächephase ein und behaupten, sie wären schon immer dabei gewesen.
Dax-Anzeige im Börsensaal in Frankfurt am Main: Versteckspiel der Fondsmanager
Wer möchte schon gegen Jahresende, wenn die meisten Fonds ihre Positionen offenbaren, von Kunden oder, schlimmer noch, von seinem Chefstrategen gefragt werden: "Haben Sie Google
übersehen? Diese Aktie steigt seit Jahren – und Sie sind nicht dabei?" Oder: "Dies ist ein iPhone, mein Freund, die Leute sind verrückt danach. Ich verstehe nicht, wieso Sie Apple
nicht halten."
Jobsicherung durch Täuschung
Für viele Anlagestrategen bedeutet es nichts weniger als die Absicherung ihres Jobs, wenn sie kurz vor dem Bilanzstichtag Mitte Dezember noch einige Titel mit überdurchschnittlicher Performance aufnehmen und die Nieten noch rasch über Bord werfen.
Schließlich sind aktiv gemanagte Fonds nur dann ihre Gebühren wert, wenn es ihren gut bezahlten Managern gelingt, die richtigen Aktien auszuwählen und auf diese Weise den breiten Index zu schlagen – ein Kunststück, das sowieso nur wenigen gelingt. Aber am Bilanzstichtag tun viele Investmentstrategen so, als wären sie schon immer auf der richtigen Seite gewesen, da in der Regel lediglich die einzelnen Titel im Depot, nicht aber die Kaufdaten und Kaufkurse genannt werden.
Dieses sogenannte Windows Dressing führt noch in anderer hinsicht in die Irre. Er simuliert eine Depotzusammensetzung, die meist nur kurzfristig gilt und mit der langfristigen, realen Zusammensetzung eines Fonds nichts zu tun hat - und treibt obendrein noch die Transaktionskosten in die Höhe.
Die US-Finanzforscher Clemens Sialm und Marcin Kacperczyk von der British Columbia University haben eine Methode entwickelt, um dem Versteckspiel der Fondsmanager auf die Schliche zu kommen. Sie vergleichen den realen Ertrag eines Fonds mit dem hypothetischen Ertrag, den ein Fonds erzielen müsste, wenn er an den am letzten Stichtag offengelegten Werten langfristig festgehalten hätte.
Die Differenz zwischen hypothetischer und tatsächlicher Fondsperformance nennen die Experten Return Gap: Bleibt die reale Performance stark hinter der hypothetischen zurück, ist dies ein Anzeichen, dass die verantwortlichen Fondsmanager häufig Window Dressing betreiben und über ihr tatsächliches Portfolio hinwegtäuschen.
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