Von Kai Lange
Im Zweifel Indexfonds
Das sind jedoch aufwendige Rechenspiele. Anleger, die sich auf das berüchtigte Portfolio-Versteckspiel gar nicht erst einlassen wollen, sollten eher Indexfonds - zum Beispiel in der Form von Exchange Traded Funds (ETFs) - kaufen. Diese bilden stur den jeweiligen Index ab, sind deutlich günstiger zu haben und schlagen in der Performance obendrein noch die meisten aktiv gemanagten Fonds.
Window Dressing erhöht außerdem das Risiko eines Fonds, da es zu kurzfristigen, spekulativen Wetten einlädt. Bei Google zum Beispiel dürfte mancher Fondsmanager vielleicht gestern schon zugegriffen haben. Geht die Wette schief und setzen sich die Gewinnmitnahmen fort, kann man den betroffenen Wert immer noch kurz vor dem Offenlegungstermin im Dezember wieder rauswerfen.
"Wenn es gut geht, kann man es zeigen, und wenn es schiefgeht, kann man noch rasch verkaufen und keiner merkt es", fasst Hendrik Leber, Fondsmanager bei der Investmentgesellschaft Acatis, zusammen. Man könne mitwetten, so lange man sich mit einem Crash-Papier nicht am Bilanztag erwischen lässt: "Cover your ass" heißt es dazu wenig vornehm im Londoner und Frankfurter Investmentviertel.
Der Nebeneffekt: Auch ein Fonds, der im Anlageprospekt als eher konservativ verkauft wird, kann durch solch kurzfristige Wetten ein sehr spekulatives Profil bekommen.
In dem Versuch, die für das Image und den Gewinn künftiger Kunden so wichtige Extrarendite zu erzielen, begibt sich mancher Investmentstratege auf gefährliche Pfade. Mit solch einem "Stilwechsel" könnten Anleger sogar leben – wenn er denn für sie erkennbar wäre.
Eine besonders aggressive Variante des Window Dressing ist das sogenannte Portfolio Pumping. Ein Fondsmanager kauft unmittelbar vor dem Bewertungstag marktenge Werte in großer Zahl und löst auf diese Weise einen deutlichen Kursanstieg aus. Eben jene "Gewinnerwerte" kann er dann am Tag der Offenlegung zeigen und damit seine Performance aufbessern – doch die Chancen, dass diese Gewinne halten, sind gering.
Was läuft, läuft
Anleger, die mit Window Dressing rechnen und aktiv mitspekulieren, kalkulieren in der Regel mit der Formel: Was läuft, wird auch bis zum Stichtag gut laufen, und was nicht läuft, kommt auch bis zum Offenlegungstermin nicht auf die Beine.
Oder: Börsenlieblinge der vergangenen Monate bleiben auch kurz vor Jahresende gefragt, da sich viele Profianleger zum Offenlegungstermin mit ihnen schmücken wollen. Werte mit schlechter Performance dagegen werden herausgekehrt und erhalten höchstens nach dem Tag der Abrechnung wieder eine Chance.
Das bedeutet für Dax-Anleger: Es ist sehr riskant, schon jetzt auf eine rasche Erholung der geprügelten Finanzwerte wie Deutsche Bank
oder Commerzbank
zu wetten. Kaum ein Fondsmanager dürfte ein Interesse daran haben, allzu viele der bedrängten Finanzwerte in seinem Portfolio zu zeigen – notfalls werden kurz vor dem Stichtag noch Positionen abgebaut. Die Reihe der Banken, die bereits Milliardensummen abgeschrieben haben, ist lang - und dürfte noch
fortgeschrieben werden.
Dagegen dürften Anlegerlieblinge wie Volkswagen
oder MAN
in den kommenden vier Wochen noch ein paar Käufer finden – es sei denn, die Nachrichtenlage ändert sich dramatisch.
"Häufig ist es eine gute Idee, in den letzten Handelstagen im Dezember zum Beispiel einen Dax-Indexfonds zu kaufen", meint Fondsmanager Leber. Hintergrund: Viele Window-Dresser trennen sich bis Mitte Dezember von ihren Problemfällen. Das dürften in diesem Jahr in erster Linie einige US-Finanzwerte sein, doch auch Dax-Schwergewichte wie Deutsche Telekom
oder Deutsche Bank
könnten wegen ihrer unterdurchschnittlichen Jahresperformance kurzfristig herausgekehrt werden.
In den ersten Tagen des neuen Jahres würden eben diese Werte aber häufig wieder zugekauft, meint Leber. Wenn Fondsmanager auf eine Erholung etwa der Finanztitel im kommenden Geschäftsjahr setzen, dürfte sich der finanzlastige Dax
in den ersten Handelstagen des neuen Jahres einer regen Käufernachfrage erfreuen.
Ein gewisses Verständnis für Window Dressing bringt Leber sogar auf – obwohl er selbst eine andere Anlage- und Offenlegungsstrategie verfolgt. "Fondsmanager schützen sich durch Window Dressing vor Besserwissern", meint Leber: Ein Investmentprofi müsse jedoch die Souveränität aufbringen, solche Kritik auch auszuhalten, wenn er von der langfristig guten Performance seiner Titel überzeugt ist.
Sowohl Window Dressing als auch eine zu hohe Transparenz seien schädlich für die Performance eines Fonds, da sie kurzfristiges Kaufen und Verkaufen und damit den ständigen Depotumbau fördern. Hektisches, kurzatmiges Hin und Her zehre die Renditechancen auf: "Man sollte diejenigen, denen man Geld anvertraut, auch in Ruhe arbeiten lassen."
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