Greifswald - Niemals in den Osten: 44 Prozent der befragten Westdeutschen lehnen eine Anstellung in den neuen Bundesländern strikt ab. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Instituts Forsa, die im November im Auftrag der Wirtschaftsfördergesellschaft Vorpommern erstellt wurde. 1009 Menschen im Alter von 18 bis 65 Jahren wurden befragt.
Trotz der hohen Ablehnungsquote beurteilte Armin Debeolles, Geschäftsführer der Wirtschaftsfördergesellschaft Vorpommern, die Ergebnisse positiv: "Tatsächlich stellen wir fest, dass sich in vielen Köpfen etwas geändert hat und die Menschen ohne Vorurteile auf uns zukommen."
Für diejenigen, die in den Osten ziehen würden, wäre laut Forsa-Umfrage ein Job der größte Anreiz. Eine Arbeitsstelle würde 53 Prozent der Befragten zum Umzug bewegen - allerdings unter Vorbehalten: So wünschen sich 77 Prozent für den Fall eines Umzugs eine attraktive Region. 69 Prozent machen ihre Entscheidung zudem von einem angenehmen Arbeitsumfeld abhängig - und davon, ob ihre Partnerin ebenfalls einen Job bekäme.
Auch bei der Wahl ihres neuen Wohnorts zeigten sich die Befragten wählerisch: Etwa ein Drittel würde das Land Mecklenburg-Vorpommern favorisieren, gefolgt von Sachsen (26 Prozent), Thüringen (24 Prozent) sowie Brandenburg (23 Prozent). Absolutes Schlusslicht mit gerade mal acht Prozent Zustimmung ist Sachsen-Anhalt.
Westdeutsche schätzen Job-Chancen im Osten falsch ein
Wer erst einmal bereit ist, von West nach Ost zu ziehen, will dort meist auch bleiben. Nur 19 Prozent der Befragten sagten, ein Umzug käme nur für eine begrenzte Zeit in Frage. 24 Prozent sehen dagegen den Vorteil, etwas Neues aufzubauen und vielleicht den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen.
Zu ihren Chancen auf dem ostdeutschen Arbeitsmarkt hatten die Wessis eine recht klare Vorstellung: Eine Mehrheit der Befragten gab an, dass nach ihrer Meinung vor allem für Ingenieurs-, Gesundheits- und Pflegeberufe Personal gesucht würde. Auch Führungskräfte und IT-Experten räumten sie gute Möglichkeiten ein.
Damit schätzten sie die Arbeitsmarktlage jedoch nur zum Teil richtig ein, sagt Debeolles. In Vorpommern seien derzeit außer Ingenieuren vor allem Schiffs- und Metallbauer sowie Mitarbeiter für Call-Center, Tourismusfachkräfte und Handwerker gefragt.
Statistiken zufolge ziehen weiterhin deutlich mehr Menschen von Ost nach West als in umgekehrte Richtung: 2006 waren es nach Angaben des Statistischen Bundesamtes - ohne Berlin - knapp 136.000. Umgekehrt zogen nur gut 82.000 Menschen von West nach Ost - im Saldo verließen etwa 54.000 Bürger die neuen Bundesländer.
ssu/AFP/ddp/dpa
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