Berlin - Mit einer überraschend versöhnlichen Geste ist am Abend die ARD-Talkshow "Anne Will" zum Thema Tarifkonflikt bei der Bahn zu Ende gegangen. Bahn-Personalvorstand Margret Suckale lud den Chef der Lokführergewerkschaft GDL, Manfred Schell, spontan zu Verhandlungen am morgigen Montag ein. Der Bahn-Vorstand sage dazu alle anderen Termine ab. Schell ging auf die Offerte nicht ein und ließ offen, ob er kommen werde.
Nur im Fernsehen nah beieinander: Margret Suckale, Streikführer Manfred Schell
Die jüngste Offerte der Bahn von Mitte Oktober enthält außer einer Einkommenserhöhung von 4,5 Prozent und 600 Euro Einmalzahlung zusätzliche Verdienstmöglichkeiten durch Mehrarbeit und günstigere Dienstpläne.
Am Wochenende hatte GDL-Chef Manfred Schell ein zumindest zweistelliges Tarifangebot als Voraussetzung für eine Rückkehr an den Verhandlungstisch verlangt. Im Laufe der Talkshow rückte Schell von der Ursprungsforderung von 31 Prozent mehr Lohn ab: Er sei bereit, über ein Angebot zwischen zehn und 15 Prozent zu verhandeln, sagte er in der Sendung: "Zweistellig muss es allemal sein." Ein solches Angebot würde er in die GDL-Tarifkommission tragen.
Der Bahn droht nun nach dem Ende des bislang längsten Streiks in ihrer Geschichte ein unbefristeter Arbeitskampf. Schell bekräftigte im ARD-Talk, die Bahn habe eine Frist bis morgen 24 Uhr, ein besseres Angebot vorzulegen. Davon werde die GDL ihre Entscheidung über erneute Streiks abhängig machen. Es stehe vorerst nicht fest, ob diese weiter befristet oder erstmals unbefristet wären.
Sollte die Deutsche Bahn (DB) kein höheres Lohnangebot vorlegen, könnte die GDL bereits am Dienstag zu einem unbefristeten Streik aufrufen. "Unsere Mitglieder stehen Gewehr bei Fuß", sagte eine GDL-Sprecherin. Der jüngste GDL-Streik war in der Nacht zum Samstag beendet worden.
An der teils heftig geführten Debatte nahmen auch der Transnet-Vorsitzende Norbert Hansen, Metallarbeitgeberpräsident Martin Kannegießer und der als Mediator in den Tarifstreit eingebundene frühere sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf teil.
Kannegießer erklärte, der Tarifkonflikt könnte bei weiterer Eskalation noch sehr gefährlich werden. "Das ist so, als wenn sie Artillerie einsetzen, wo Florett reichen würde." Wenn die ersten Betriebe Kurzarbeit anmelden müssten, sei das so, als würde die Schlagader getroffen. Die Frage sei, ob Streik beim Sonderfall Bahn eine Lösungsmöglichkeit biete. Wenn nicht, dann sei der Gesetzgeber gefordert.
amz/dpa/AP
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