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Ritter-Sport-Eigentümerin Grüne Schokolade

2. Teil: "Die grüne Schokolade wird gesellschaftsfähig"

Der elterlichen Schokoladenfirma haben sich die Geschwister erst allmählich angenähert. Wenn sie sich engagierten, suchten sie sich spezielle Betätigungsfelder aus. Ende der achtziger Jahre kamen sie in Kontakt zu einem Deutschen, der in Nicaragua arbeitete: Hans W. Grebe, der später ihr Projektleiter wurde.

Nun stellte sich eine konkrete Frage: Kann man in Nicaragua Kakao kaufen? Die Geschäftsführung von Ritter Sport war strikt dagegen. Die Manager hatten kein Interesse an der komplizierten Kooperation mit den Campesinos in Mittelamerika - im Gegensatz zu den "Rittersleuten", wie Grebe die Eigentümer nennt. Alfred und Marli Hoppe-Ritter setzten sich durch. So begann 1990 das Entwicklungsprojekt Cacaonica in dem nicaraguanischen Dorf Waslala.

Mehr als drei Millionen Euro hat Ritter bislang in die Zusammenarbeit investiert. Die Firma stellte den Bauern Pflanzen, Werkzeuge und Ausrüstung zur Verfügung. 500 Bauernfamilien produzieren mittlerweile in Zusammenarbeit mit der Kooperative von Waslala. Trotzdem ist die Lieferung von Biokakao nach Deutschland bislang nicht über eine homöopathische Dosis hinausgekommen.

2006/2007 verkaufte die nicaraguanische Genossenschaft Ritter ungefähr so viel, wie die Schokoladenfabrik an einem Tag verbraucht. 99 Prozent des Rohstoffs stammen weiterhin aus der normalen Weltmarktproduktion, die nicht an besondere Sozial- oder Umweltstandards gebunden ist. Wie die anderen Unternehmen auch, bezieht Ritter einen wesentlichen Teil aus Westafrika. Aus Ländern wie Ghana und der Republik Elfenbeinküste berichten Menschenrechtsorganisationen immer wieder über Kinderarbeit, konkrete Vorwürfe gegen Ritter gibt es aber nicht.

Sicher ist es eine honorige Angelegenheit, arme lateinamerikanische Bauern zu unterstützen und ihnen den Kakao zu einem höheren Preis abzukaufen. Aber handelt es sich angesichts der Masse der normalen Importe nicht um Luxus, um Dritte-Welt-Schnickschnack zur Beruhigung des Gewissens der Eigentümer? Ist es nicht eine wohlfeile Maßnahme, um der Öffentlichkeit zu zeigen, dass man ein bisschen besser ist als die Konkurrenz?

"Die Ritters gehören zu den sozialeren Arbeitgebern"

Müsste die Firma Ritter mit ihrem Jahresumsatz von 280 Millionen Euro (2006) nicht etwas großzügiger sein, als innerhalb von zehn Jahren drei Millionen Euro zu stiften – aus der Portokasse gewissermaßen? "Dass die Lieferung aus Nicaragua so schwierig würde, haben wir nicht vorausgesehen", sagt Hoppe-Ritter. Im Jahr 2000, knapp zehn Jahre nach Beginn des Projektes, haben die ersten 82 Bauern das Zertifikat der Europäischen Union für Bioanbau erhalten.

Weitere zwei Jahre dauerte es, bis der erste Biokakao nach Waldenbuch geliefert wurde. Und heute kommt es immer wieder vor, dass die Bauern ihren Kakao direkt an einheimische Lkw-Fahrer verkaufen, anstatt ihn mühselig mit dem eigenen Maultier zur Annahmestelle der Kooperative nach Waslala zu bringen.

Die geringe Liefermenge habe also nicht nur mit der finanziellen Bereitschaft ihrer Firma zu tun, sagt Hoppe-Ritter. Aber ein Grund ist darin wohl schon zu suchen, denn Ritter Sport ist als Massenhersteller positioniert. Die Kapazität der Fabrik in Waldenbuch liegt bei knapp einer Milliarde Tafeln pro Jahr.

Der Verkaufspreis spielt eine wesentliche Rolle, die Konkurrenz zu den anderen Herstellern ist hart. 2007 schwankte der Preis um die 70 Eurocent pro 100-Gramm-Tafel – Discountniveau. Der Spielraum für außergewöhnliche Kosten, die den Preis in die Höhe treiben, hält sich deshalb in Grenzen.

Aber er ist doch vorhanden. Marli Hoppe-Ritter und ihr Bruder wollen die Strategie verändern – und haben jetzt auch bessere Möglichkeiten dafür. Denn seit Dezember 2005 ist Bruder Alfred selbst Geschäftsführer. Der Vorgänger Olaf Blank hat die Firma verlassen. Es gab Zerwürfnisse über die Expansionsstrategie. Auch über das Thema "Bioschokolade" herrschten unterschiedliche Einschätzungen.

Künftig wird die Firma viel mehr organisch hergestellten Kakao aus Nicaragua abnehmen als bisher. Um einen Anreiz für größere Liefermengen zu bieten, zahlt man den Kleinbauern neuerdings 3000 Euro pro Tonne – ein höherer Kaufpreis als zuvor. "Das ist ein attraktives Angebot", sagt Hans W. Grebe. Der Weltmarktpreis lag im Sommer 2007 bei lediglich 2000 Euro. Dieser Zuschlag von 50 Prozent ist Ausdruck einer Wertentscheidung im Unternehmen. Die Eigentümer sind bereit, sich ihre Ideale etwas kosten zu lassen – zumindest etwas mehr als früher.

Doch auch der Markt unterstützt diese Entscheidung. "Die grüne Schokolade wird gesellschaftsfähig", sagt Wolfgang Werth, der in der hauseigenen Marktforschung arbeitet. Er stellt einen Stimmungswandel unter der Bevölkerung fest. "Gesunde Ernährung, biologische Nahrungsmittel und fairer Handel spielen eine größere Rolle." Hoppe- Ritter sagt, dass das Unternehmen seit kurzem deutlich mehr E- Mails von Verbrauchern erhalte, die sich für die Bedingungen der Produktion interessierten.

Ist Marli Hoppe-Ritter nun eine konventionelle Unternehmerin, die sich ein bisschen Sozialpolitik für ihr gutes Gewissen leistet und per Kunstsponsoring ihren Namen überliefern will? Oder kann man sie als "Soziale Kapitalistin" bezeichnen?

"Ich würde sagen, die Ritters gehören zu den sozialeren Arbeitgebern", sagt Jürgen Reisig von der Gewerkschaft NGG.

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insgesamt 14 Beiträge
fisherman 23.11.2007
Das hört sich ja alles wunderschön an und ist doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Und diese Hersteller lernen ja nur die bittere Lektion des "Geiz ist geil"-Klimas. Vorreiter sind ja schon lange andere: Weinrich [...]
Das hört sich ja alles wunderschön an und ist doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Und diese Hersteller lernen ja nur die bittere Lektion des "Geiz ist geil"-Klimas. Vorreiter sind ja schon lange andere: Weinrich (Vivani) in Herford oder GEPA oder Zotter in Österreich. Und vielleicht hätte es diesem Artikel gut getan, hier fairer zu berichten. Sonst kommt man leicht den Gedanken, dass die Marketing-Abteilung von Ritter hier einen vollen Erfolg gelandet hat. Und das Reisen in die Erzeugerländer und die direkte Kooperation mit Erzeugern ist inzwischen zum beliebten Marketing-Event der Großen geworden (siehe Rausch Schokoladen etc.). Bleibt nur zu hoffen, dass Ritter seine Produktzusammensetzung bis ins kleinste offenlegt und den Weg der Reinheit des Produktes und der Fairness gegenüber den Erzeugern in größerem Stil weiter treibt. Ich glaube das nicht.
volkmargrombein 23.11.2007
[QUOTE=sysop;1693916]Für Bioprodukte wäre es ein Durchbruch: Ritter-Sport-Eigentümerin Marli Hoppe-Ritter will Schokolade aus organisch angebautem Kakao auf den Markt bringen. Damit will sie die Konkurrenz ärgern - und ein [...]
[QUOTE=sysop;1693916]Für Bioprodukte wäre es ein Durchbruch: Ritter-Sport-Eigentümerin Marli Hoppe-Ritter will Schokolade aus organisch angebautem Kakao auf den Markt bringen. Damit will sie die Konkurrenz ärgern - und ein bisschen die Welt verbessern. Porträt einer sozialen Managerin. Wenn es so ist, wie im Artikel beschrieben, kann man die Dame nur beglückwünschen und sie ermuntern weiter zu machen. Vorbilder werden immer gebraucht. Und wenn der Endgebraucher die Verantwortung für Mensch und Natur erkennt, ist er meistens auch bereit, etwas tiefer in die Tasche zu greifen. Damit haben dann alle gewonnen.
G. Whittome 23.11.2007
Das heißt auf Deutsch nicht "organisch angebaut", sondern "biologisch angebaut" oder "aus biologischem Anbau". Das Wort "organic" wird im Englischen so verwendet wie im Deutschen [...]
Das heißt auf Deutsch nicht "organisch angebaut", sondern "biologisch angebaut" oder "aus biologischem Anbau". Das Wort "organic" wird im Englischen so verwendet wie im Deutschen "biologisch" oder "ökologisch", z.B. "organic food" für "Bio-Lebensmittel" oder "ökologisch erzeugte Lebensmittel". Aber was soll's...Spiegel Online ist schon längst selber ein Fall für den Zwiebelfisch.
SirLiesalot 23.11.2007
Hm... gestern im Fernsehen noch der Werbespot: "Ritter Sport: Traube Nuss. Mit Jamaica Rum und Trauben aus Californien." Und heute Bio. Prima. Wer der Welt verbessern möchte, der könnte aber schon einmal damit [...]
Hm... gestern im Fernsehen noch der Werbespot: "Ritter Sport: Traube Nuss. Mit Jamaica Rum und Trauben aus Californien." Und heute Bio. Prima. Wer der Welt verbessern möchte, der könnte aber schon einmal damit anfangen, die Lieferwege kurz zu halten. Und schon gar nicht damit zu prahlen. Sind Trauben aus Deutschland zum Beispiel nicht für Schokolade geeignet? Bio-Schokolade ist ja ein guter Anfang. Okay. Aber nach diesem Fernsehspot klingt das in meinen Ohren doch etwas heuchlerisch.
sanders_berlin 23.11.2007
VON BONO BIS GATES: DIE RETTER DER WELT - Melinda und Bill Gates - Richard Branson - Angelina Jolie - Warren Buffet Liebe Redaktion, ich habe keine Ahnung von welcher Welt hier die Rede ist, aber kommen Sie doch mal [...]
VON BONO BIS GATES: DIE RETTER DER WELT - Melinda und Bill Gates - Richard Branson - Angelina Jolie - Warren Buffet Liebe Redaktion, ich habe keine Ahnung von welcher Welt hier die Rede ist, aber kommen Sie doch mal wieder auf den Boden zurück.
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