Berlin/Hamburg - Die deutsche Industrie hat an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) appelliert, für ein besseres Verhältnis zu China zu sorgen. "Nach den Verstimmungen der letzten Wochen benötigen wir einen konstruktiven Dialog", sagte Jürgen Thumann, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), der "Financial Times Deutschland". "Ich vertraue darauf, dass die Bundesregierung an einer auf Partnerschaft und gegenseitigem Respekt ausgerichteten China-Politik festhalten wird", sagte Thumann.
Das Verhältnis zwischen Deutschland und China war nach dem Empfang des tibetischen Religionsführers Dalai Lama durch Merkel im September merklich abgekühlt. Mehrere bilaterale Treffen auf hoher Ebene, darunter der Menschenrechtsdialog, wurden abgesetzt, Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) ausgeladen. Peking betrachtet Tibet als Bestandteil Chinas. Auch zwischen den USA und Peking kam es zu Verstimmungen, weil US-Präsident Bush das religiöse Oberhaupt der Tibeter ebenfalls getroffen hatte.
Auch aus der Finanzbranche kommt Kritik an Merkels China-Politik. "Es gibt natürlich das Menschenrechtsthema, aber auf der anderen Seite haben wir klare wirtschaftliche Interessen", sagte ein namentlich ungenannter ranghoher Vertreter einer großen deutschen Bank der "FTD": "Man muss aufpassen, dass man den Fuß in der Tür behält."
Allerdings gibt es auch Unterstützung für Merkels Kurs gegenüber Peking. "Gegenüber China darf man nicht nervös werden, sondern man muss Entschlossenheit zeigen", sagte Anton Börner, Präsident des Bundesverbands des Deutschen Groß- und Außenhandels, der Zeitung: "Es gibt keinen Grund für uns, einen Kotau vor China zu machen." Die wirtschaftlichen Beziehungen zu China seien langfristig ausgerichtet und stabil genug, um "kurzfristige politische Verstimmungen auszuhalten".
Die China-Politik der Kanzlerin hatte auch in der Großen Koalition für Streit gesorgt. SPD-Politiker sprachen angesichts des Empfangs des Dalai Lama von "Schaufensterpolitik".
phw/dpa/AFP
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