Stuttgart - Rekordergebnisse bei Porsche
: Die Beteiligung an VW und Aktienoptionsgeschäfte haben den Gewinn des Sportwagenbauers im abgelaufenen Geschäftsjahr rasant hochgetrieben. Der Vorsteuergewinn stieg auf den Rekordwert von 5,9 Milliarden Euro - nach 2,1 Milliarden Euro im Vorjahr. Das teilte der Konzern heute mit. Und meldete in seinem Geschäftsbericht auch neue Höchstwerte bei den Vorstandsbezügen.
Die sechs Spitzenmanager des Konzerns verdienten im abgelaufenen Geschäftsjahr demnach insgesamt 112,7 Millionen Euro - im Jahr davor waren es 45,2 Millionen Euro.
Porsche-Chef Wendelin Wiedeking dürfte Insidern zufolge den größeren Anteil der Rekordbezüge erhalten, gefolgt von Finanzchef Holger Härter. Porsche weigert sich nach einem entsprechenden Beschluss der Hauptversammlung, die eigentlich vorgeschriebene individuelle Angabe der Vorstandsbezüge auszuweisen.
Der Umsatz stieg Porsche zufolge in den ersten vier Monaten um etwa 14,7 Prozent auf 2,36 Milliarden Euro. Der Absatz legte von August bis November den vorläufigen Zahlen zufolge um 18,4 Prozent auf 30.700 Sportwagen zu. Der Cayenne war die erfolgreichste der drei Baureihen: Der Absatz stieg um 76 Prozent auf 13.400 Fahrzeuge. Der 911er legte um mindestens drei Prozent auf 10.800 verkaufte Fahrzeuge zu, die Boxster-Baureihe verbuchte einschließlich der Cayman-Modelle einen Rückgang um rund 17 Prozent auf 6500 Autos.
In Nordamerika, dem wichtigsten Auslandsmarkt, erwartet Porsche ein Plus von 13,7 Prozent auf 10.750 verkaufte Sportwagen und in Deutschland einen leichten Zuwachs auf etwa 3.950 Fahrzeuge. In den anderen Weltregionen stieg der Absatz um mehr als 26 Prozent auf rund 16.000 Fahrzeuge.
"Fit für das globale Gefecht um die Futtertröge"
Wiedeking nutzte die Präsentation der Erfolgszahlen, um zum Streit mit dem VW-Betriebsrat über die Besetzung von Aufsichtsratssitzen Stellung zu nehmen. Er schlug moderate Töne an: "Es war und ist nicht unsere Absicht, Mitspieler zu demütigen. Wenn der letzte Schachzug ansteht, wollen wir uns mit ihnen auf Augenhöhe begegnen, ihnen die Hand reichen und gemeinsam ein Projekt stemmen." Am Ende werde es nicht Gewinner und Verlierer geben, sondern nur Gewinner.
Die Ängste und Sorgen der VW-Belegschaft nehme er ernst, sagte Wiedeking mit Blick auf die Kritik des VW-Betriebsrates an der neuen Holdingstruktur von Porsche. "Das darf aber nicht dazu führen, in uns den Gegner zu sehen, wie es derzeit der VW-Betriebsrat versucht." Porsche bekenne sich klar zur Sicherung von Arbeitsplätzen in Deutschland und stelle die Mitbestimmung der Arbeitnehmer nicht in Frage. Bei Volkswagen
war Kritik darüber laut geworden, weil der viel kleinere Stuttgarter Autobauer Porsche im Betriebsrat der Holding genauso viele Stimmen hat wie der viel größere Hersteller Volkswagen.
"Hinter dem Engagement bei Volkswagen steht für uns die industrielle Logik und nichts anderes. Und dieser Logik folgt die Vision, Porsche und Volkswagen im immer härter werdenden globalen Gefecht um die Futtertröge fit zu machen", sagte Wiedeking. Welche Schritte Porsche künftig plane, wollte er nicht sagen - "genauso wie wir nicht wissen, welche Züge unsere Konkurrenten planen".
Die Beteiligung an VW hat Porsche bisher 5,8 Milliarden Euro gekostet. Allein im Ende Juli abgelaufenen Geschäftsjahr 2006/07 habe Porsche 2,7 Milliarden Euro in die Aufstockung des Anteils von gut 21 auf knapp 31 Prozent gesteckt, sagte Finanzvorstand Härter. Im Gegenzug steuerte die VW-Beteiligung in dem Geschäftsjahr 4,8 Milliarden Euro zum Vorsteuergewinn des Konzerns bei, wie Porsche bereits Mitte November mitgeteilt hatte. Allein 3,6 Milliarden entfielen dabei auf Aktienoptionsgeschäfte mit VW-Aktien.
"Diese Optionsgeschäfte sind natürlich kein Selbstzweck", sagte Härter weiter. "Sie ermöglichen es uns, unsere Ziele eigenständig, ohne fremde Hilfe, zu erreichen, obwohl Porsche der kleinste unabhängige Autobauer der Welt ist. Unsere Kurssicherungsstrategie zielt darauf ab, verlässliche Planungsgrundlagen zu schaffen und den Mitspielern keine Möglichkeit zu geben, uns in unserer Entscheidungsfreiheit einzuengen." Sowohl beim Erwerb der VW-Beteiligung als auch bei der ergebnislosen Pflichtofferte vom Frühjahr habe sich Porsche mit Optionsgeschäften gegen Kursrisiken abgesichert. "Nichts sollte dem Zufall überlassen werden."
Wiedeking versuchte, Bedenken bei Volkswagen gegen Porsche mit der Betonung der sozialen Verantwortung bei Porsche auszuräumen. "Wir haben eine soziale Verantwortung für Deutschland", sagte er. "Uns ist nicht gleichgültig, wo und unter welchen Bedingungen unsere Fahrzeuge hergestellt werden." Das gelte im Übrigen schon seit den Gesprächen über eine Zusammenarbeit mit VW.
kaz/AP/dpa-AFX
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
| alles zum Thema Quartalsberichte | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH