Frankfurt am Main – Zunächst dachte Heide Simonis, der anonyme Brief stamme von einer "frustrierten Seele", wie sie sagt. Der Absender wandte sich an die ehrenamtliche Unicef-Vorsitzende mit der Bitte, bestimmten Vorgänge im Haus einmal nachzugehen, wie die "Frankfurter Rundschau" berichtet. Doch inzwischen lägen dem Vorstand Fakten und Zahlen vor, "die wir nicht nachvollziehen können", so Simonis.
Unterlagen, die der "Frankfurter Rundschau" vorliegen, deuten offenbar auf einen großzügigen Umgang der spendenfinanzierten Unicef mit den eingenommenen Geldern hin. So leiste sich das Kinderhilfswerk etwa seit August 2005 einen "freien Mitarbeiter", der zeitweise mindestens 16.000 Euro monatlich verdiene. Bei dem Mitarbeiter handle es sich um einen früheren Bereichsleiter, der unmittelbar nach seiner Pensionierung mit verschiedenen Projekten beauftragt worden sei. Dadurch habe er bis Mai 2007 insgesamt 260.000 Euro plus Umsatzsteuer verdient. Danach habe er für die Koordinierung des Umbaus der Kölner Unicef-Zentrale weitere rund 20.000 Euro erhalten.
Spendabel habe sich die Geschäftsführung auch im Fall eines weiteren freien Mitarbeiters gezeigt, der von Februar 2004 bis Mai 2007 insgesamt 191.500 Euro Honorar von Geldern, die direkt von Spendern stammten, erhalten habe.
Auch der Umbau der Kölner Unicef-Zentrale mit Kosten in Höhe von 963.500 Euro sei offiziell nie beschlossen worden, heißt es weiter. Der langjährige Unicef-Geschäftsführer Dietrich Garlichs sagte der Zeitung: "Natürlich gab es dazu einen Vorstandsbeschluss." Simonis sagte dagegen: "Wir waren nicht informiert."
Die Vorgänge werden der "Frankfurter Rundschau" zufolge inzwischen intern geprüft. Garlichs stehe im Zentrum der Kritik. Der Geschäftsführer bezeichnete die Vorwürfe als "völligen Unsinn". Für ihn hätten die Ausgaben bisher aber keine Konsequenzen gehabt. Nach einer Sondersitzung Ende Juni habe der geschäftsführende Vorstand um Simonis den Geschäftsführer entlastet.
In einer Stellungnahme der Unicef-Pressestelle heißt es, das Kinderhilfswerk in Deutschland habe seit Jahrzehnten einen geringen Verwaltungskostenanteil. Dieser liege bei Spenden immer unter zehn Prozent. Unicef verwies zudem darauf, dass die Organisation gelegentlich mit externen Agenturen und freien Mitarbeitern zusammenarbeiteten. Die vereinbarten Honorarsätze lägen in der Regel unter den Marktpreisen. Das Kinderhilfswerk stehe auch künftig für einen sorgfältigen Umgang mit den anvertrauten Mitteln.
ase/ddp
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