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Altenpflege Der Traum von der Demenz-GmbH

2. Teil: Der Traum vom Franchise-Unternehmen

Den Namen der Einrichtung haben sie schon als Marke eintragen und schützen lassen. "Laternenträger" nennen sie sich, weil Laternen nicht nur Licht spenden, sondern Wegweiser sind und Orientierung geben. Ihr Ziel ist es, den Namen der Einrichtung als Marke zu etablieren, ihn mit Merchandisingprodukten bekannt zu machen - und damit Geld für die Einrichtungen zu verdienen.

"Wenn wir ehrlich sind, würde man T-Shirts mit den Namen von sozialen Einrichtungen momentan höchstens zum Renovieren anziehen", sagt Reinert und lacht. "Wir wollen, dass unser Logo und unsere T-Shirts, Mützen und Taschen gerne gezeigt und getragen werden." Langfristig träumt er von einem Franchise-System, das in "Köln, Berlin und Hamburg genauso funktioniert wie in Koblenz".

Das Selbstbewusstsein kommt nicht von ungefähr: Denn tatsächlich haben sie für ihr Konzept schon massenweise Lob von Experten eingeheimst: Sie waren damit im Berliner Gesundheitsministerium eingeladen, derzeit prüft das rheinland-pfälzische Sozialministerium, ob es sich für ein Modellprojekt eignet. Seit Neuestem werden Bollinger und Reichert als Pflegeexperten in politische Talkshows eingeladen, ARD-Moderator Frank Plasberg lies sich spaßeshalber schon mal einen Platz reservieren, nachdem Bollinger in seiner Sendung war.

"Ich will nicht den Hampelmann spielen"

Auch ihr Finanzierungskonzept wurde von den Gutachtern eines Start-up-Wettbewerbs der Beratungsfirma McKinsey für gut befunden - mit einem Manko: Sie seien zu wenig am eigenen Gewinn orientiert. "Damit können wir leben, denn das ist ja genau der Grund, warum wir in den herkömmlichen Einrichtungen nicht arbeiten wollen", sagt Reinert. Und Bollinger ergänzt: "Ich will nicht den Hampelmann für jemanden spielen, der mir sagt, dass ich zu viele Windeln verbrauche und die Zahlen deshalb nicht stimmen."

So sehr sie mit ihrem Konzept auf das Interesse bei Experten stoßen, so klar ist auch: Sie rütteln damit an einigen Tabus. Nicht nur, weil sie weder in weißen Kitteln herumlaufen wollen noch Wert auf sterile Pflegeheim-Einrichtung legen. Sie verlangen auch von ihren künftigen Mitarbeitern viel, erwarten Einsatz, Kreativität und hohe Sozialkompetenz. "Das sollte gerade in dem Beruf selbstverständlich sein, ist aber bei der Bezahlung leider oft nicht der Fall", sagt Bollinger.

Trotz aller Begeisterung für das Konzept: Noch fehlen die für das erste Haus notwendigen 300.000 bis 400.000 Euro - deshalb fangen die beiden jetzt an, Stadträte, Landtags- und Bundestagsabgeordnete, lokale Unternehmen und Organisationen zu nerven. "Da kommen so zwei hergelaufene Jungs und wollen Geld für Altenpflege - das finden die schon erst mal komisch", sagt Reinert.

Dass es klappt, daran hat er trotzdem keinen Zweifel. Noch im Dezember wollen die beiden die notwendige GmbH gründen, spätestens Ende April ihre jetzigen Jobs kündigen und Vollzeit für ihr Alltagshaus arbeiten, das im Sommer 2008 eröffnen soll. Ein Zurück gibt es nicht, dafür sind sie zu überzeugt von ihrer Sache: "Bevor ich in einer anderen Einrichtung arbeite, in der mir das ganze Konzept und der Umgang mit den Patienten gegen den Stricht gehen, mache ich lieber was ganz anderes", sagt Bollinger - und Reinert nickt.

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