Vergleichstabelle
Strompreisschock - wo die Energiekonzerne absahnen
Von Anselm Waldermann
Millionen Verbraucher werden nahezu flächendeckend abkassiert: Am 1. Januar erhöhen Hunderte Stromversorger ihre Tarife - zum Teil um 38 Prozent. Dabei gibt es enorme Unterschiede zwischen einzelnen Anbietern. Die SPIEGEL-ONLINE-Tabelle zeigt: Bei einem Wechsel kann man viel sparen.
Hamburg - Die Verlierer des Jahres leben in Wolfen in Sachsen-Anhalt. Nirgendwo in Deutschland ist Strom so teuer wie dort. Ein Vier-Personen-Haushalt, der seinen Strom von den Stadtwerken Wolfen bezieht, muss im nächsten Jahr 1034 Euro zahlen. Zum Vergleich: Die Gemeindewerke Stockstadt in Bayern verlangen nur 685 Euro. Damit sind sie der günstigste Lokalanbieter Deutschlands.
verivox.de
Strompreise in Deutschland: So viel zahlt ein Vier-Personen-Haushalt pro Jahr
Hart trifft es im nächsten Jahr auch die Kunden der Energie- und Wasserversorgung Rheine. Hier steigen die Strompreise im Vergleich zum 1. Januar 2007 um satte 38 Prozent - deutschlandweiter Rekord. Insgesamt erhöhen in den nächsten Wochen 326 Versorger ihre Preise, wie das unabhängige Verbraucherportal
Verivox ermittelt hat.
Im Bundesdurchschnitt zahlt eine Kleinfamilie im nächsten Jahr 855 Euro. Das sind 6,6 Prozent mehr als zum 1. Januar 2007. Zu den Preistreibern gehören auch Tochterunternehmen der großen Energiekonzerne wie E.on Avacon, E.on Bayern
oder RWE Westfalen-Weser-Ems.
Sind die Kunden den Konzernen also hilflos ausgeliefert? Nicht ganz, sagen Verbraucherschützer. Den Stromanbieter zu wechseln, kann die Haushaltskasse sogar ordentlich entlasten. "Wer diese Möglichkeit nicht nutzt, verschenkt viel Geld", sagt Thomas Stollberger von Verivox.
Verbraucher, die von den Stadtwerken Wolfen zu den Stadtwerken Ludwigsburg wechseln, sparen im nächsten Jahr 264 Euro. Damit lässt sich die Stromrechnung um 25 Prozent drücken. Allerdings lässt sich dieses Beispiel nicht auf alle Regionen Deutschlands übertragen - schließlich sind die Stadtwerke Ludwigsburg nicht überall der günstigste Anbieter.
Den bundesweit billigsten Strom gibt es im Gebiet Ismaning in Bayern. Hier verlangt der Anbieter Yello, eine Tochter des EnBW-Konzerns, von einem Vier-Personen-Haushalt nur 662 Euro. Doch auch in diesem Fall gilt: Andernorts kann Yello-Strom durchaus teurer sein.
Verbraucherschützer warnen deshalb, dass nicht jede Werbeofferte zum günstigsten Strom führt. Kunden sollten genau vergleichen, welche Anbieter in ihrem eigenen Versorgungsgebiet verfügbar sind (siehe Kasten).
Verivox wiederum rät zu Angeboten mit einer langen Preisgarantie, die vor weiteren Erhöhungen schützt. Außerdem empfehlen die Experten Vertragslaufzeiten von bis zu einem Jahr und eine Kündigungsfrist von maximal drei Monaten.
Anbieterwechsel - so funktioniert's
Der Wechsel des Stromanbieters ist sehr einfach. Für die Formalitäten braucht man nur wenige Minuten. Im Kern gilt das Gleiche auch für Gaskunden, wobei der Markt hier aber erst langsam in Bewegung kommt. Wechselwillige Kunden sollten Folgendes beachten.
Als Erstes sollte man seinen individuellen Jahresverbrauch ermitteln. Am einfachsten geht das über die letzte Rechnung. Wichtig: Es kommt nicht auf den Betrag in Euro an, sondern auf den Verbrauch in Kilowattstunden (kWh). Wer die letzte Rechnung nicht mehr findet, kann seinen jährlichen Strombedarf zur Not auch anhand des Verbrauchs der letzten Monate hochrechnen.
Nun beginnt die Suche nach dem günstigsten Anbieter. Eine wichtige Hilfestellung bieten dabei unabhängige Verbraucherportale wie www.toptarif.de, www.verivox.de, www.stromtarife.de, www.check24.de oder seit kurzem auch www.verbraucherzentrale.de. Auf diesen Seiten finden sich Tarifrechner, in die man nur zwei Werte eingeben muss: seine Postleitzahl und seinen jährlichen Stromverbrauch in Kilowattstunden. Der Tarifrechner bietet dann eine Übersicht sämtlicher Anbieter, die in dieser Region verfügbar sind.
Jetzt kommt der entscheidende Schritt - die Wahl des neuen Anbieters. Dabei sollte man Folgendes beachten: Der günstigste ist nicht automatisch der beste. So warnen Verbraucherschützer vor Unternehmen, die Vorkasse verlangen. Auch sollte man sich nicht zu lange an einen Anbieter binden - Vertragslaufzeiten von zwei Jahren also lieber meiden. Allen anderen Unternehmen darf man getrost Vertrauen entgegenbringen.
Wer möchte, kann sich an dieser Stelle auch für einen Ökostromanbieter entscheiden. Diese Unternehmen garantieren grünen Strom aus erneuerbaren Energien, ohne Kohle und Kernkraft. Nach Angaben der Verbraucherschützer sind Ökostromprodukte in zwei Dritteln der Städte sogar billiger als die der ortsüblichen Grundversorger.
Nun muss man mit dem neuen Anbieter nur noch Kontakt aufnehmen. Häufig ist das direkt über das Verbraucherportal möglich - entweder per Mausklick oder per Telefon. Der neue Anbieter klärt dann sämtliche Formalitäten. Eine Abmeldung beim alten Versorger ist nicht nötig, auch das übernimmt das neue Unternehmen automatisch. Nur eine Sache sollte man beachten: Die Vertragslaufzeit beim alten Anbieter muss eingehalten werden. Wer seit acht Monaten in einem Jahresvertrag ist, muss eben noch vier Monate warten.
Technisch ist der Anbieterwechsel überhaupt kein Problem. Das physikalische Produkt Strom bleibt in jedem Fall dasselbe, eine Unterbrechung der Versorgung ist ausgeschlossen. Dass man einen neuen Anbieter hat, merkt man nur daran, dass die Rechnung von einem anderen Unternehmen kommt als bisher. Übrigens: Selbst wenn der neue Anbieter pleitegehen sollte, bekommt man weiterhin Strom. In diesem Fall ist der örtliche Grundversorger gesetzlich verpflichtet einzuspringen.
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