Von Hasnain Kazim
Auf der Nordseeinsel Spiekeroog traf er Stolberg, Gründer der Reederei Beluga Shipping. Stolberg mag unkonventionelle Projekte - die "MS Beluga Skysails" ist so eins.
Anfänglich war auch Stolberg skeptisch, diskutierte mehrmals mit Wrage darüber, wie sich die Idee, ein Schiff mit Flugdrachen anzutreiben, umsetzen ließe. "Bei den steigenden Kosten für Treibstoff war sie auf jeden Fall eine Überlegung wert", sagt Stolberg. Schließlich sagte er zu: Für 400.000 Euro bestellte er im Januar 2006 ein 160 Quadratmeter großes Segel aus einem neu entwickelten Stoff für die "MS Beluga Skysails", die er in den Niederlanden bauen ließ. Skysails war zu der Zeit mitten in der Erprobungsphase mit einem umfunktionierten alten Tonnenleger aus DDR-Zeiten, der "MS Beaufort".
Der Reeder hofft, dass sich die Investition lohnen wird. Drei bis fünf Jahre dauere es, bis sich das System amortisiert habe.
Womöglich könnte es noch etwas schneller gehen - wenn die Preise für Energie weiter steigen. "Als ich mit Skysails anfing, lag der Ölpreis noch bei 21 Dollar pro Barrel, erinnert sich Wrage. Jetzt geht er ja immer wieder mal auf die 100 Dollar zu." Entsprechend steigt auch der Preis für Schiffsdiesel. "Je teurer Kraftstoff wird, desto mehr lohnt sich ein Hilfsantrieb per Flugdrachen."
Wrage rechnet mit einem jährlichen Verschleiß von einem Drachen pro Schiff. "Da zerren schon gigantische Kräfte", sagt er - und hofft auf ein gutes Geschäft mit entsprechenden Ersatzteilen.
Wenn die Technik ausgereift ist, soll der Drachen vollautomatisch in 300 bis 500 Metern Höhe fliegen, und zwar Bahnen in Form einer Acht, "das bringt die größte Ausbeute an Energie", sagt Wrage. Ein Computer, der direkt unter dem Drachen hängt, soll das Gerät steuern.
Anfangs muss aber noch die Crew ran, bis alles reibungslos funktioniert. "Damit die Besatzung den Kite effektiv einsetzt, fließen 20 Prozent der Einsparungen an die Mitarbeiter an Bord", sagt Stolberg. "Bei bis zu 2000 Dollar weniger Ausgaben für Kraftstoff sind das insgesamt 400 Dollar täglich, die je nach Funktion an Bord verteilt werden könnten", sagt Stolberg. Bei einer mehrmonatigen Reise könne da eine hübsche Summe zusammenkommen.
Stefan Wrage und Niels Stolberg hoffen, dass die Jungfernfahrt ein durchschlagender Erfolg wird - immerhin schaut die ganze Branche auf Skysails und Beluga. "Das System wurde noch nie bei sieben oder acht Windstärken auf dem Nordatlantik eingesetzt", sagt Stolberg.
Gleichwohl ist die Branche noch skeptisch. Mehrere Reedereien teilten auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE mit, sie hielten das System für "nicht wirklich Erfolg versprechend". "Aber Stolberg hat schon Recht, wir Reeder müssen uns überlegen, wie wir den steigenden Kraftstoffpreisen begegnen wollen", sagt einer.
Wrage selbst räumt ein, dass sich das System beispielsweise für Containerschiffe nicht lohne, da diese zu schnell fahren würden. "Aber Containerschiffe machen nur einen geringen Anteil an der Welthandelsflotte aus", sagte er. Eine französische Werft will sogar eine Motorjacht mit dem Segel ausstatten. Wrage hofft, dass Skysails im kommenden Jahr "vier bis zehn Schiffe" mit dem Segel ausstatten darf.
"Am Ende", sagt Wrage in seinem Harburger Büro, "haben sich all die Mühen doch gelohnt." Auch, weil er, dank steigender Ölpreise und Klimadebatte, zur richtigen Zeit die richtige Idee hatte.
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