Wirtschaft



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08.12.2007
 

Manager-Gehälter

SPD plant Gesetz gegen Millionen-Abfindungen

Harte Zeiten für Manager: Nach der Kritik von Bundespräsident Köhler an riesigen Einkommensunterschieden denkt die SPD über ein Gesetz gegen millionenschwere Abfindungen nach. Überraschende Argumentationshilfe bekommen die Sozialdemokraten von Siemens-Chef Peter Löscher.

Hamburg - Die SPD plant nach den Worten von Parteichef Kurt Beck ein Gesetz, mit dem Millionen-Abfindungen für Manager unterbunden werden können. "Wenn Manager selbst bei einer Riesenpleite noch mit Millionen-Abfindungen nach Hause geschickt werden, kann ich den Zorn der Leute verstehen", sagte Beck der "Bild"-Zeitung. "Wir prüfen derzeit, welche gesetzlichen Möglichkeiten bestehen, dies zu unterbinden."

SPD-Chef Beck: Kritik an "undurchsichtigen Bonus- und Aktienpaketen"
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AP

SPD-Chef Beck: Kritik an "undurchsichtigen Bonus- und Aktienpaketen"

Gleichzeitig räumte Beck Managern ein "Recht auf anständige Bezahlung" ein. "Aber das darf nicht ausarten." Für bedenklich halte Beck demnach vor allem die "undurchsichtigen Bonus- und Aktienpakete, die mittlerweile oft Bestandteil der Bezahlung geworden sind". Das berge die Gefahr, dass die Vorstände nur noch die Kurse im Auge haben, um die eigenen Aktienoptionen möglichst gewinnbringend in Bargeld umwandeln zu können. "Das kann nicht so bleiben. Sie müssen sämtliche Bezüge offenlegen", forderte Beck.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte zu hohe Manager-Gehälter kritisiert. Auf dem vergangenen CDU-Parteitag in Hannover hatte sie erklärt, gute Arbeit solle auch gut bezahlt werden. Sie fragte aber: "Warum soll jemand mit Geld überschüttet werden, der auf ganzer Linie versagt hat?"

Überraschende Argumentationshilfe bekam Beck von Siemens-Vorstandschef Peter Löscher: Auch Löscher kritisierte hohe Manager-Antrittsgelder und -Abfindungen ohne Gegenleistungen. Damit werde "nicht Erfolg belohnt, sondern Misserfolg bezahlt", sagte er der "Süddeutschen Zeitung". Dies seien Exzesse. "Manager dürfen die Bodenhaftung nicht verlieren", erklärte er wörtlich.

Gleichzeitig rechtfertigte Löscher die bei seinem Wechsel vom US-Pharmakonzern Merck zu Siemens gezahlte Summe von acht Millionen Euro: "Ich habe kein Antrittsgeld bekommen. Keinen Euro", sagte er. "Ich hatte Ansprüche im Rahmen meines Vertrags bei Merck, die Siemens abgelöst hat und die nun auf einem Sonderkonto bis zu meiner Pensionierung festliegen. Für dieses Geld habe ich gearbeitet", erklärte Löscher.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) wies Forderungen nach einer Obergrenze für Manager-Gehälter zurück. Er sei grundsätzlich gegen "jede staatliche Gängelung", sagte er der "Bild am Sonntag". Stattdessen wünsche er sich "Fingerspitzengefühl und Verantwortungsbewusstsein". Die Spitzengehälter seien in der Regel von Aufsichtsräten abgesegnet, die sich aus Kapitaleignern und Arbeitnehmervertretern zusammensetzten. Glos betonte, das richtige Maß sei entscheidend.

Kritik an zu hohen Manager-Gehältern kam dagegen auch vom früheren CDU-Generalsekretär Heiner Geißler. Er sagte im Interview mit SPIEGEL ONLINE, die Glaubwürdigkeit von Politik und Wirtschaft werde gefährdet, "wenn Löhne von Angestellten und Managern so exorbitant auseinandergehen, wie es in diesen Zeiten der Fall ist". Geißler sagte, die Politik bleibe untätig. Zusatzbezüge zu den Fixgehältern müssten transparent gemacht "und zum Teil abgeschafft werden", sagte Geißler. "Dazu gehören zum Beispiel Aktienoptionen." Bei dieser Form der Bezahlung verlören die Manager das eigentliche Ziel aus den Augen, nämlich "das langfristige Wohl der Firma". Aktienoptionen seien aber an ein kurzfristiges Ziel, den Aktienkurs, gekoppelt.

Bundespräsident Horst Köhler hatte kürzlich gesagt, er sei besorgt über die auseinanderklaffende Einkommensentwicklung und eine wachsende Entfremdung zwischen Unternehmen und Gesellschaft. "Die Führungspersönlichkeiten in der Wirtschaft müssen begreifen, dass ihr Verhalten Auswirkungen auf den Zusammenhalt der Gesellschaft hat." Aufsichtsräte und Aktionäre müssten dafür sorgen, dass Manager in ihren Einkommensvorstellungen nicht die Bodenhaftung verlören.

kaz/AFP/AP/ddp

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