Wirtschaft



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09.12.2007
 

Einkommensdebatte

Hohe Manager-Gehälter erregen die Gemüter

Wie viel sollen Manager verdienen dürfen? Evangelische Kirche und EU-Kommission sprechen von "Obergrenzen", nach SPD-Chef Beck denkt nun auch Bundesinnenminister Schäuble über eine gesetzliche Lösung nach. Die allerdings soll die Einkommen nicht begrenzen, sondern transparenter machen.

Hamburg/Berlin - Der Ratsvorsitzende der EKD, Bischof Wolfgang Huber, fordert in der "Bild am Sonntag" eine Obergrenze für gerechte Löhne. "Wenn aus dem Gehalt eines Menschen mehr als 100 Arbeitsplätze finanziert werden könnten, und gleichzeitig in demselben Unternehmen aus Kostengründen Arbeitsplätze abgebaut werden, sprengt das jede Vorstellung von Gerechtigkeit", sagte er.

EU-Sozialkommissar Vladimir Spidla sagte dem Blatt, wenn ein Manager das Hundertfache eines Arbeiters verdiene, sei die moralische Obergrenze "sicherlich überschritten". Spidla erklärte, es gebe für ihn sowohl eine moralische Untergrenze als auch eine moralische Obergrenze.

Der Präsident des Sozialverbands VdK, Walter Hirrlinger, kritisierte die auseinanderdriftenden Lohnniveaus scharf. "Manager kassieren Millionengehälter, Arbeitnehmer werden klein gehalten, ältere Arbeitslose werden zwangsverrentet und drohen in Altersarmut abzusinken. Wo bleibt hier die Soziale Marktwirtschaft?", sagte er der Zeitung. "Wenn ein Manager das 50fache eines durchschnittlichen Arbeitnehmers seiner Firma verdiene, dann ist das nicht mehr zu rechtfertigen."

IG-Metall-Chef Berthold Huber sagte, seine Gewerkschaft akzeptiere "unverschämte Manager-Gehälter" nicht. "Die Beschäftigten erarbeiten die Unternehmenswerte. Konsequenz: Sie werden mit Recht ihre Ansprüche vertreten. Die nächsten Tarifrunden kommen ganz bestimmt!", sagte er.

Nach SPD-Chef Kurt Beck, der gestern erklärt hatte, die SPD plane ein Gesetz, mit dem Millionen-Abfindungen für Manager unterbunden werden könnten, äußerte sich auch Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) zum Thema Manager-Gehälter. Er wolle mit einem Gesetz nachhelfen, falls Unternehmen nicht freiwillig Manager-Vergütungen offenlegen. Der CDU-Politiker wandte sich zwar gegen gesetzliche Begrenzungen von Manager-Gehältern, rief aber die Wirtschaft auf, inakzeptabel hohe Vergütungen selbst zu unterbinden.

"Man kann schon viele Vorbehalte gegen einen Mindestlohn haben, aber ganz sicher kann man einen Höchstlohn nicht gesetzlich regeln. Das wäre völliger Unsinn", sagte Schäuble der "Welt am Sonntag". Nachdenkenswert seien jedoch "Transparenzregelungen, mit denen Aktienunternehmen vorgeschrieben würde, die tatsächlichen Bezüge ihrer Manager offenzulegen", sagte der Minister. Firmen, die sich hier verweigerten, "müssen gegebenenfalls durch entsprechende Gesetze dazu gezwungen werden".

Auch der CDU-Arbeitsmarktexperte Ralf Brauksiepe sprach sich für ein Gesetz zur Offenlegung der Bezüge von Managern börsennotierter Unternehmen aus. Es sei gut vorstellbar, dass der Gesetzgeber für mehr Transparenz bei den Managergehältern sorge.

Der Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandels, Anton Börner, lehnte dagegen jede Begrenzung ab. "Die Frage der Gehälter ist Sache der Eigentümer. Vor einer staatlichen Regelung kann ich nur warnen! Höchstlöhne oder Obergrenzen wären ebenso schlecht wie staatlich verordnete Mindestlöhne", sagte er der "Bild am Sonntag". Es gebe weder Defizite in den Strukturen der Unternehmen noch mangelnde Transparenz. Die Arbeitnehmervertreter säßen schließlich in den Aufsichtsräten mit am Tisch.

kaz/ddp/AFP/Reuters

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