Brüssel - Mit dem Vorstoß möchte die EU-Kommission den CO2-Ausstoß deutlich reduzieren. Deutsche Autobauer kritisieren allerdings, dass die Hersteller großer Wagen deutlich stärker in die Pflicht genommen werden als französische und italienische Konkurrenten, die vor allem Kleinwagen produzieren.
VW-Neuwagen in Wolfsburg: "Benachteiligung deutscher Hersteller"
Der Kommissionsvorschlag sieht vor, dass ein Fahrzeug mit dem doppelten Gewicht eines Kleinwagens nur 60 Prozent mehr CO2 ausstoßen darf. Ziel der EU ist es, dass Neuwagen bis 2012 in der EU 19 Prozent weniger CO2 ausstoßen als heute. Ab 2012 sieht die Kommission dann abgestufte Klimastrafen für Autobauer vor. Die Strafe soll von zunächst 20 Euro pro zu viel ausgestoßenem Gramm Kohlendioxid pro Neuwagen auf 95 Euro bis 2015 steigen. Laut EU-Kommission dürften Autos dadurch durchschnittlich für die Endkunden um rund 1300 Euro teurer werden.
Im Schnitt sollen Neuwagen ab 2012 nicht mehr als 120 Gramm Kohlendioxid (CO2) pro Kilometer erzeugen. Das ist rund ein Viertel weniger als bisher. Verstoßen die Hersteller gegen diese Vorgaben, sind die Strafen fällig. Hersteller großer Limousinen wie Daimler und BMW dürften hiervon besonders betroffen sein.
| So viel CO2 müssen die Autobauer einsparen | |||
| Hersteller | Emissionen 2006 (Gramm CO2 pro Kilometer) | Grenzwert 2012 (Gramm CO2 pro Kilometer) | Reduktion in Prozent |
| Porsche | 282 | 144 | -49 |
| Daimler | 184 | 138 | -25 |
| BMW | 182 | 137 | -25 |
| Volkswagen | 165 | 134 | -19 |
| Renault | 147 | 127 | -14 |
| Fiat | 144 | 122 | -15 |
| Peugeot | 142 | 126 | -11 |
| Ford | 162 | 132 | -19 |
| GM | 157 | 129 | -18 |
| Toyota | 152 | 127 | -16 |
| Nissan | 164 | 126 | -23 |
| Mitsubishi | 169 | 128 | -24 |
| Honda | 153 | 128 | -16 |
| Mazda | 173 | 130 | -25 |
| Suzuki | 164 | 123 | -25 |
| Subaru | 216 | 135 | -38 |
| Hyundai | 165 | 133 | -19 |
| Quelle: EU-Kommission | |||
Der Vorschlag muss nun von den EU-Mitgliedstaaten beraten und verabschiedet werden. Die Bundesregierung hat bereits Widerstand angekündigt. Sie fürchtet Wettbewerbsnachteile für deutsche Hersteller. Die Kommission hofft dagegen, dass das Gesetz dazu beiträgt, die ehrgeizigen Ziele der EU zum Klimaschutz zu erreichen. Von Kraftfahrzeugen gehen zwölf Prozent der gesamten Emissionen in der EU aus.
Schon im Vorfeld hatten EU-Kommission und Mitgliedsländer heftig über den Plan gestritten. Die EU hat sich einerseits mit ehrgeizigen Zielen an die Spitze der weltweiten Bewegung zum Klimaschutz gestellt, um die katastrophale Erderwärmung aufzuhalten. Andererseits stehen die wirtschaftlichen Interessen der Autoindustrie und damit Hunderttausende Arbeitsplätze auf dem Spiel.
| So berechnet die EU die Kosten eines Autos | |||
| Bus (1 Million Kilometer) |
Dieselauto (200.000 Kilometer) |
Benzinauto (200.000 Kilometer) |
|
| Kaufpreis in Euro | 150.000 | 17.000 | 15.000 |
| Kosten während der Betriebszeit in Euro | |||
| - Treibstoff | 313.500 | 5500 | 7700 |
| - CO2 | 30.210 | 530 | 669 |
| - Stickoxide | 87.780 | 220 | 70 |
| - Kohlenwasserstoffe ohne Methan | 2622 | 10 | 20 |
| - Feinstaub | 9918 | 435 | 87 |
| Gesamtkosten in Euro | 594.030 | 23.695 | 23.547 |
| Quelle: EU-Kommission | |||
Heftige Kritik kommt vom größten europäischen Autobauer Volkswagen. Der Konzern warnt vor einer Benachteiligung deutscher Hersteller. "Wir hätten uns eine faire Regelung gewünscht, in der die deutschen Hersteller im Vergleich mit der europäischen Konkurrenz nicht überproportional belastet würden", sagte ein VW-Sprecher.
Zuvor hatte sich schon Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) verärgert gezeigt. Die EU-Pläne zur Minderung des CO2-Ausstoßes von Autos benachteiligten die deutschen Hersteller. Gewinner des Richtlinien-Entwurfs seien französische und italienische Autobauer. Im ZDF sagte Gabriel heute Morgen, der Vorschlag habe nichts mit dem Klimaschutz zu tun. Er habe nur noch eines zum Ziel, nämlich "einen Wettbewerbskrieg zwischen der deutschen und der französischen und der italienischen Automobilindustrie zu führen". Der EU-Vorschlag würde nicht nur die Hersteller großer Limousinen treffen, sondern auch die von mittleren und kleineren Autos.
wal/AFP/dpa/ddp/Reuters
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH