Hamburg - Die Worte von BMW-Chef Norbert Reithofer waren eindeutig: Dem Autokonzern stehe ein milliardenschweres Sparprogramm bevor, sagte er vor knapp drei Monaten. Ein Stellenabbau, fügte er hinzu, sei aber nicht geplant.
Das war Ende September - doch jetzt will der Vorstandsvorsitzende sein Versprechen brechen. Nach SPIEGEL-Informationen streicht BMW im kommenden Jahr 8000 Stellen. Betroffen sind vor allem Zeitarbeiter, allerdings sollen auch in der Stammbelegschaft mehrere tausend Stellen wegfallen.
Die Mitarbeiter in den BMW-Werken sind entsetzt - vor allem, weil die Horrornachricht ausgerechnet drei Tage vor Weihnachten publik wurde. Die Berichterstattung habe zu einer "enormen Verunsicherung der Mitarbeiter" geführt, teilt der Betriebsrat des Werkes Regensburg mit.
Allerdings: So ganz überraschend kam die Nachricht nicht - zumindest nicht für die Arbeitnehmervertreter. "Im Rahmen der angekündigten Verbesserung der Effizienzziele wurde der Betriebsrat vom Unternehmen informiert, dass hierzu auch der Abbau von Arbeitsplätzen im Leiharbeitsbereich geplant sei", teilt Werner Zierer, der Vorsitzende des Regensburger Betriebsrats, mit. "Zudem sollen freiwerdende Stellen zum Beispiel aufgrund von Altersteilzeit nicht mehr besetzt werden. Ein moderater Aufbau der Arbeitszeitkonten wird derzeit verhandelt."
Was das heißt, ist klar: Die Öffentlichkeit und die Beschäftigten wurden über die wahren Pläne im Unklaren gelassen - während hinter den Kulissen schon mit den Arbeitnehmervertretern verhandelt wurde.
Dazu passt, dass sich die zuständige Gewerkschaft über den geplanten Stellenabbau kaum wundert. "Wir sind vollkommen unaufgeregt", sagt Matthias Jena, der Sprecher der IG Metall Bayern. "Wenn die Produktion umgebaut wird, werden weniger Leute gebraucht. Das ist völlig normal."
Die IG Metall sei schon seit Mai 2007 über einen möglichen Arbeitsplatzabbau informiert gewesen. Verwunderlich ist dann nur, dass Konzernchef Reithofer noch im September Stellenstreichungen ausgeschlossen hat.
Erst war die Rede von 3000 Stellen - jetzt sind es 8000
Was den Arbeiterfunktionären nicht gefällt, ist das Timing. "Die unsensible Ankündigung solcher Maßnahmen am letzten Arbeitstag des Jahres und die dadurch entstehenden Ängste überdecken die überaus erfolgreiche Arbeit des Jahres 2007", teilt der Regensburger Betriebsrat mit.
Immerhin: Betriebsbedingte Kündigungen hat BMW ausgeschlossen. Der Stellenabbau solle "einvernehmlich mit den Arbeitnehmern" vonstatten werden, sagt Personalvorstand Ernst Baumann im SPIEGEL.
Für Ärger sorgt allerdings die Zahl der Stellen, die wegfallen sollen. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE war in den internen Verhandlungen bisher die Rede von 3000 - deutlich weniger als die jetzt bekannt gewordenen 8000.
Und noch etwas passt den Arbeitnehmervertretern überhaupt nicht: In den Gesprächen hatte die Konzernführung die geplanten Maßnahmen stets damit begründet, dass die Produktion beim 7er BMW umgebaut werden müsse. Nun jedoch geht es auf einmal darum, die Rendite zu steigern. BMW müsse zu Mercedes aufschließen, heißt es im Konzern. "So haben wir nicht gewettet", sagt ein Arbeitnehmervertreter zu SPIEGEL ONLINE.
"Schamlose Renditejagd"
Deutliche Kritik kommt auch von der Partei Die Linke. Die Streichung Tausender Stellen bei BMW sei eine "schamlose Renditejagd auf Kosten der Beschäftigten", sagt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Werner Dreibus. Er verweist darauf, dass es BMW nach eigenem Bekunden wirtschaftlich sehr gut gehe. "Aber das reicht den Anlegern nicht, sie wollen ein noch größeres Stück vom Kuchen."
An der Börse sorgt die Nachricht vom Stellenabbau für Jubel. BMW-Aktien notieren kurz vor Handelsschluss mit mehr als fünf Prozent im Plus.
Der Großteil der Stellen wird in Deutschland wegfallen, sagt ein BMW-Sprecher. Der Stellenabbau sei Teil des milliardenschweren Sparprogramms, mit dem der Autobauer seinen jahrelangen Margenverfall stoppen will. Der Sprecher bestätigt, dass mehrere tausend Arbeitsplätze wegfallen, nimmt aber nicht Stellung zu der Zahl 8000.
BMW steuert in diesem Jahr auf einen Rekordabsatz zu. Bei der Umsatzrendite ist der Konzern aber hinter andere Premiumhersteller zurückgefallen. Daher hatte Konzernchef Reithofer angekündigt, dass in den nächsten Jahren insgesamt sechs Milliarden Euro eingespart werden sollen.
Ein Stellenabbau ist für BMW ungewöhnlich. Jahrelang hatte der Konzern die Zahl der Beschäftigten stabil gehalten oder sogar neue Stellen geschaffen. Erst kürzlich hatte BMW angekündigt, Leiharbeiter künftig nach dem viel höheren Metall-Tarifvertrag zu bezahlen. BMW arbeitet insgesamt mit rund 100 Zeitarbeitsfirmen zusammen.
wal/AP/ddp
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