Hamburg - Der DGB-Vorsitzende Michael Sommer verlangt deutliche Lohnerhöhungen im neuen Jahr - aus "mehreren guten Gründen", sagte er an Weihnachten. Die Inflation sei hoch, und "die Gewinne steigen rasch auf breiter Front". Daran müssten die Beschäftigten besser beteiligt werden. Hinzu kämen "die oft maßlosen Erhöhungen der sowieso üppigen Managergehälter und die gute Entwicklung der Produktivität".
Führende Wirtschaftsforschungsinstitute warnen dagegen vor zu hohen Tarifabschlüssen. Der Präsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen, Christoph M. Schmidt, forderte eine "beschäftigungsorientierte Lohnpolitik": Deutschland habe schließlich immer noch mehr als 3,5 Millionen Arbeitslose. Auch die beschleunigte Inflation erhöhe "nicht den Verteilungsspielraum", da sie in erster Linie auf steigende Weltmarktpreise zurückzuführen sei. Schmidt: "Vor diesem Hintergrund halten wir Tarifabschlüsse von im Durchschnitt um die zwei Prozent für beschäftigungsfördernd."
Auch der Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Ulrich Blum, riet zu moderaten Tarifabschlüssen zwischen zwei und drei Prozent. Die Lohnstückkosten seien wieder leicht gestiegen, nach Jahren des Rückgangs - gerade da müsse man auf Wettbewerbsfähigkeit achten. Blum kritisierte die Erhöhung der Abgeordneten-Diäten im Bundestag um insgesamt 9,4 Prozent bis 2009: Die Parlamentarier hätten "einen kräftigen Schluck aus der Pulle genommen" und damit ein "schwieriges Signal" ausgesandt: "Wenn sich nun der gesamte öffentliche Dienst in Richtung sieben bis neun Prozent aufmacht, haben wir ein Problem. Die Parlamentarier haben alles dafür getan, dass es so kommt."
Sorgen bereitet den Wirtschaftsforschern auch die prognostierte Konjunktur-Abkühlung im kommenden Jahr. IWH und RWI erwarten in Deutschland nur noch ein Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent.
DGB-Chef Sommer sagte, er erwarte 2008 eine positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt - "wenn uns die Energiepreise und die Bankenkrise durch die Immobilienspekulationen in den USA keinen Strich durch die Rechnung machen". Bisher habe sich die deutsche Konjunktur als erstaunlich stabil erwiesen. Ein zentrales Problem bleibe jedoch die anhaltende Konsumflaute.
plö/ddp
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH