Wirtschaft



ThemaÖlpreisRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
04.01.2008
 

Rohstoff-Vorräte

Opec rechnet die Ölkrise hoch

Von Christoph Rottwilm

2024 oder doch erst 2048? Eine Studie, nach der die Opec-Reserven zur Neige gehen, hat zum Ölpreisrekord beigetragen. Dabei lässt die Prognose wesentliche Fragen unbeantwortet. Quelle der Berechnungen ist die Organisation, die am meisten von hohen Preisen profitiert: die Opec selbst.

Hamburg - Die Frage klingt zunächst ganz harmlos, am Gemeinwohl ausgerichtet: Wie lange wird die Opec die weltweite Nachfrage nach Erdöl noch bedienen können? Die Antwort jedoch birgt gewaltigen Sprengstoff. Nicht zuletzt sie hat nach Einschätzung von Experten dazu beigetragen, dass der Ölpreis in den letzten Wochen so drastisch gestiegen ist - auf jetzt rund 100 Dollar pro Fass.

Ölsandabbau in Kanada: Entdeckung neuer Vorkommen nicht berücksichtigt
Zur Großansicht
AP

Ölsandabbau in Kanada: Entdeckung neuer Vorkommen nicht berücksichtigt

Denn die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass der Organisation im schlimmsten Fall schon 2024 das Öl ausgehen könnte. Andere Szenarien taxieren den Zeitpunkt, zu dem die Opec-Staaten ihren Beitrag zur Befriedigung der Weltnachfrage nicht mehr leisten können, auf 2037 oder 2048.

Für die Weltwirtschaft, deren Wachstum auch mit einem stetig steigenden Bedarf an Öl verbunden ist, sind das düstere Aussichten. Um ein bis zwei Prozent pro Jahr wird die Nachfrage Schätzungen zufolge in den kommenden Jahren zulegen. Spätestens im Jahr 2020 soll vor allem das starke Wirtschaftswachstum in China, Indien und anderen südostasiatischen Schwellenländern die Weltnachfrage auf 107 Millionen Barrel pro Tag geschraubt haben.

Opec muss mehr fördern

Die Opec-Staaten werden den größten Teil der Nachfrage befriedigen. Schon heute liefern sie rund 40 Prozent der Weltölförderung. Zudem verfügen sie über mehr als drei Viertel aller bekannten Reserven. Künftig wird der Anteil der Opec aber noch steigen, denn die Nicht-Opec-Länder haben in vielen Fällen nicht die Möglichkeit, die Produktion zu steigern.

Die Frage, wie die Opec auf ihre besorgniserregende Prognose kommt, erscheint daher umso drängender. Der Analyse liegen drei Szenarien zugrunde. Erstens: Alle Opec-Staaten steigern ihre Produktion künftig in dem Maße, in dem die Opec ihre Förderung im Schnitt auch in den vergangenen Jahren ausgeweitet hat. Die Rate lag bei 2,7 Prozent pro Jahr. Diese Annahme führt in der vorliegenden Betrachtung noch zum geringsten Übel, nämlich einem Auslaufen der Ölförderung im Jahr 2048.

Im zweiten Szenario reichen die Vorräte bis 2037. Die Voraussetzung: Die Förderung wird jährlich um fünf Prozent erhöht. Nach Einschätzung des Analysten Ayoub Kazim, Director der Dubai Technology and Media Free Zone Authority und Autor der Opec-Studie, ist dies die wahrscheinlichste Variante. "Die angenommene Entwicklung der Ölproduktion liegt sehr nahe an der Vorhersage der Energieinformationsagentur des amerikanischen Energieministeriums", schreibt Kazim. Für Saudi-Arabien, den Irak und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) beispielsweise werde demnach eine Produktionssteigerung um 102, 90 beziehungsweise 88 Prozent bis zum Jahr 2020 erwartet.

Kuweit und Irak haben den längsten Atem

Bleibt Szenario drei, die trübste Prognose, der zufolge schon 2024 die Vorräte der Opec-Staaten zur Neige gehen könnten. Dabei wird angenommen, dass jedes Mitglied seine Förderung in den kommenden Jahren im gleichen Maße steigert, wie es dies auch im Schnitt der vergangenen 25 Jahre getan hat.

Dass dies eher unwahrscheinlich ist, lässt sich allerdings schon am Beispiel Kuweit deutlich erkennen. Bedingt durch den Überfall durch den Irak Anfang der neunziger Jahre kam es in dem kleinen Emirat zu erheblichen Schwankungen in der Ölproduktion. So ging die Förderung in den Jahren 1990 und 1991 - während der Invasion und der darauffolgenden Zerstörung zahlreicher Ölfelder also - um schätzungsweise 32 beziehungsweise 78 Prozent zurück. Unmittelbar darauf starteten die Kuweitis jedoch eine enorme Aufholjagd mit Steigerungsraten von 457 und 78 Prozent in den Jahren 1992 und 1993.

Die Folge: Kuweit brachte es in den vergangenen 25 Jahren laut Kazim auf eine durchschnittliche jährliche Ausweitung der Ölförderung von 23,5 Prozent - würde das Land die Produktion im gleichen Tempo weiter steigern, so wäre es laut Opec-Studie, Szenario drei, bereits im Jahr 2017 regelrecht ausgepumpt.

Tatsächlich jedoch, auch das schreibt Kazim in seinem Bericht, gehört Kuweit zu jenen Ländern mit den am weitesten reichenden Reserven. Bei moderatem Tempo kann dort laut Opec noch mehr als 180 Jahre lang gefördert werden. Auch der Irak mit 192 Jahren und die VAE mit 148 Jahren verfügen - isoliert betrachtet - über ein komfortables Polster.

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
alles zum Thema Ölpreis

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP