Frankfurt am Main – Da ist sie wieder: die Debatte über ein Comeback der Atomkraft. Dieses Mal ist es Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU), der sie anstößt. Deutschland müsse seinen "Energiemix möglichst breit anlegen", sagte er der "Frankfurter Rundschau".
"Dazu gehören für mich die erneuerbaren Energien, aber auch die Kernenergie, die uns beide weniger abhängig von teuren Energieimporten machen", sagte der CSU-Politiker. Angesichts der hohen Ölpreise sei es richtig, sich "weitere Gedanken über unseren Umgang mit Energie zu machen".
Auch Verbraucherschützer wollen Konsequenzen aus dem Anstieg des Ölpreises ziehen – allerdings andere. Vor allem müsse viel stärker als bisher in den öffentlichen Personenverkehr investiert werden, sagte der Energieexperte des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen (VZBV), Holger Krawinkel, der "Berliner Zeitung".
Es müsse sichergestellt werden, "dass die Menschen Mobilität auch in Zukunft bezahlen können". Das sei nur über ein stark ausgeweitetes Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Denn es sei nicht mehr wie früher zu erwarten, dass der Individualverkehr per Auto günstig genug bleibe.
DIW: Benzinpreis kann sich verdreifachen
Das DIW, das erst gestern einen Anstieg des Ölpreises auf 200 Dollar bis 2020 für wahrscheinlich erklärte, präsentiert bereits eine weitere Prognose – demnach droht in den kommenden zehn Jahren eine Verdreifachung des Benzinpreises. "Sollte sich der Ölpreis verdoppeln - was nicht unwahrscheinlich ist - und der Dollarkurs normalisieren, würde der Liter Super vier Euro kosten", sagte DIW-Energieexpertin Claudia Kemfert der "Bild"-Zeitung.
Für die Mieter von Wohnungen und Häusern hätte ein solcher Anstieg gravierende Kostensteigerungen zur Folge. Nach Schätzungen des Deutschen Mieterbunds ist in diesem Fall mit einem Anstieg der Heiz- und Warmwasserkosten sowohl bei Öl- als auch bei Gasheizungen um 75 bis 80 Prozent zu rechnen, schreibt die Zeitung.
Michael Bräuninger, Konjunkturexperte des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI), erwartet für 2008 dagegen wieder sinkende Ölpreise - trotz des aktuellen Rekordhochs. "Wenn sich die politische Situation in den Erdölförderregionen zum Beispiel in Nigeria schnell wieder entspannt und der Winter hier in Europa mild bleibt, können wir bereits kurzfristig wieder einen deutlichen Rückgang des Ölpreises erleben", sagte Bräuninger der "Passauer Neuen Presse".
Er erwartet, "dass der Ölpreis im Jahresdurchschnitt bei circa 80 Dollar liegen wird." Allerdings geht der Konjunkturexperte davon aus, dass sich der aktuell gestiegene Rohölpreis in relativ kurzer Zeit auf die Spritpreise auswirkt: "Literpreise von mehr als 1,50 Euro dürften dann an der Tagesordnung sein."
Die jetzige Preisentwicklung sieht Bräuninger in der weltweit deutlich gestiegenen Nachfrage begründet, "vor allem wegen des hohen Wachstums in Schwellenländern wie China, Indien oder Brasilien". "Jetzt zeigt sich, dass zu wenig Rohöl auf dem Markt ist. Das Angebot ist nicht im notwendigen Maß ausgeweitet worden."
itz/ddp/dpa/AFP/AP
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