Von Stefan Schultz
1972 prognostizierte der Wissenschaftler Dennis Meadows im Auftrag des Club of Rome das Ende allen Wirtschaftswachstums. Schuld daran, so Meadows, sei der Ressourcenmangel, besonders der Mangel an Öl. "Wenn die Zunahme der Weltbevölkerung, der Industrialisierung und der Ausbeutung von natürlichen Rohstoffen anhält, werden die Wachstumsgrenzen im Lauf der nächsten hundert Jahre erreicht", schrieb er in seiner legendären Studie "Die Grenzen des Wachstums".
Meadows' Werkzeuge waren das modernste, was Computer und Wissenschaft damals hergaben: 99 Regelkreise simulierten das Wachstum von Bevölkerung, Nahrungsmittelproduktion, Industrialisierung, Umweltverschmutzung und die Ausbeutung von Rohstoffen. Neben der Wirkung steigender Preise unterschätzte dieses Modell vor allem die Möglichkeiten zur Verbesserung der Technik.
Problematisch war, dass manche Experten Meadows' Vision vom leergepumpten Planeten schon Mitte der siebziger Jahre herbeizitierten - obwohl die Prognose bis 2072 reicht. Der Grund: Rohstoffe schienen damals knapp zu werden, die Ölpreise stiegen gen Himmel. An Sonntagen gab es in Deutschland Autofahrverbot zwecks Benzineinsparung.
Doch nicht die materielle Knappheit des Erdöls behinderte seinerzeit das Wachstum. Schuld war das Opec-Kartell, das durch die Begrenzung seiner Exporte den Preis hoch trieb.
Paradoxerweise wirkte dieser Preisanstieg einer Ressourcenknappheit aber gerade entgegen: Das teure Öl machte immer kompliziertere Förderverfahren wirtschaftlich - dadurch wurden nun auch abgelegene Rohstoffe erschlossen. Die Grenzen des Wachstums sind jedenfalls gut 40 Jahre später noch nicht erreicht.
Meadows' Studie genießt noch heute bei vielen Kultstatus. Immerhin läuft sie ja auch noch bis 2072. Zudem zeigt sie, dass zwar die Prognosemethoden inzwischen viel komplexer geworden sind - die Prognosen aber dadurch nicht unbedingt besser.
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