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Krisengewinnler Rezessionsangst macht Obama und Edwards stark

Im US-Vorwahlkampf in New Hampshire rückt die Wirtschaft als Reizthema in den Vordergrund. Die schwelende Existenzangst der kleinen Leute spielt den Kandidaten der Mittelklasse in die Hände: John Edwards und Barack Obama.

Derry/New Hampshire - John Edwards ist in seinem Element. Bleich ist er zwar und heiser, doch er redet sich in Rage. Spricht vom "Überlebenskampf der Mittelklasse", von raffgierigen Krankenkassen, exorbitanten Spritpreisen, unbezahlbarem Heizöl. Und dann vom Konzern ExxonMobil, der 40 Milliarden Dollar Jahresprofit machte, und von den "reichsten Amerikanern, die immer reicher werden". Aus dem Publikum kommen zustimmende Rufe.

Die "zwei Amerikas" nennt der Demokrat seine reale Horrorvision. So was kommt immer an, erst recht aber hier und jetzt, in Derry, einer Arbeiterstadt im Südosten New Hampshires. In der Cafeteria der Gilbert H. Hood Middle School hocken an diesem Sonntagabend etwa 500 Menschen im Stühlerund, noch mal so viele drängeln sich auf den Stehplätzen. Meist sind es Vertreter der klassischen Edwards-Klientel: Mittelklasse-Amerikaner in Blue Jeans und Sweatshirts, auf denen "Schreiner für Edwards" steht. Bei ihnen rennt der Kandidat natürlich offene Türen ein.

Edwards wandert plaudernd in der Mitte auf und ab, Mikrofon in der Hand, erschöpft, doch unermüdlich. Sein Auftritt ist als "Working Families Forum" angekündigt. Die Botschaft ist nicht neu, und trotzdem wirkt sie prägnanter denn je. Denn seit dem Wochenende geht Rezessionsangst durchs Land - Bestätigung seiner lange missachteten Unkenrufe.

Maroder Arbeitsmarkt, Konjunktureinbruch, Kurssturz an der Börse: Die jüngsten Schreckensnachrichten aus Washington und New York waren auch in Derry gut zu hören. Die, die am meisten leiden, präsentieren sich hier nun im Neonlicht, manche auf Krücken, andere im Rollstuhl, Gesichter ausgemergelt, offene Ohren für ein verständnisvolles Wort. Der Kontrast zwischen Wall Street und Main Street, auf dem Edwards' Kandidatur fußt, könnte klarer kaum gezeichnet werden.

Stunden der Populisten

Die Stunde der Populisten ist angebrochen, kaum dass die erste Vorwahlrunde in Iowa vorüber ist. Selten war ein US-Wahlkampf so früh so dramatisch - und so klassenkämpferisch aufgeheizt. Der Doppel-Coup der Volkshelden Barack Obama und Mike Huckabee sorgte für eine Verschärfung der Wahlkampfrhetorik; die Konjunkturdaten taten ein Übriges, um ein Thema in den Mittelpunkt zu rücken - die wirtschaftlichen Sorgen der Amerikaner.

Das haben alle Kandidaten kapiert, nicht nur Edwards, und prompt reden Demokraten wie Republikaner in New Hampshire plötzlich kaum noch vom Irak-Krieg - und fast nur noch von der Wirtschaft, von armen Kranken und reichen Lobbyisten. Die Vorwahlen, die hier morgen in die zweite Runde gehen, sind längst nicht mehr ein Kampf zwischen rechts und links. Sie verengen sich auf die Kluft zwischen Arm und Reich – und zwar innerhalb beider Parteien.

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