Von Rainer Busch
Hamburg - Das Prinzip des Clubs "Energiefüchse Langenbek", so heißt die Einkaufsgemeinschaft aus Hamburg-Harburg inzwischen, ist zwar nicht ganz neu, aber bestechend: "Gemeinsam sind wir stark." Bei Hein Gas, dem örtlichen Gasversorger, biss die neue Großkundschaft noch auf Granit. Der Monopolist wies den Rabattantrag des Clubs brüsk ab.
War über die "Zusammenrottung ihrer Kunden" irritiert: die HEW-Verwaltung In Hamburg
Die "Energiefüchse" sind Vorreiter eines Trends, der durch die Liberalisierung der Telefon- und Strommärkte an Fahrt aufgenommen hat: der Bildung von Einkaufsgemeinschaften. In Niedersachsen schrieben - bundesweit einmalig - 170 Gemeinden gemeinsam ihre Stromversorgung aus. Die Ersparnis: rund 13 Millionen Mark oder 32 Prozent. Im Osten Deutschlands rief die Zeitschrift "Super Illu" ihre Leser auf, einen Strompool zu bilden. 4500 nahmen in den ersten vier Tagen an der Aktion teil. Mit Rabatten von 20 Prozent rechnet das Blatt.
"Kunden eines Produktes, vereinigt euch" - dieses Motto gilt auch im Internet. Nur dass es dort nicht Einkaufsgemeinschaft heißt, sondern Community-, Co- oder Power-Shopping. Das Prinzip ist dasselbe. Je mehr Käufer, je größer die Stückzahl, desto größer die Ersparnis. Virtuelle Kunden-Vereinigungen wie Powershopping.de, Cheap4you.de, Letsbuyit.com schlagen schon mal 25 Prozent bei Herstellern für ihre Mitglieder heraus. Die "Aldi-isierung des Marktes", nennt das Helmut Gamthau von der Hamburger Verbraucherzentrale.
Die Angebote bei den Web-Gemeinschaften sind zeitlich begrenzt, die Kunden können selber Produkte vorschlagen. 6000 Kunden haben sich bei Cheap4You registriert, die seit Anfang November im Netz sind. Bei Powershopping, seit dem 10. September auf dem Markt, schauen nach Angaben von Geschäftsführer Holger Twiehaus täglich 70.000 Nutzer virtuell vorbei. 1,2 Millionen Mark Umsatz hat Power-Shopping bereits gemacht - und sich den ersten Ärger eingehandelt. Philips wollte den Verkauf eines Fernsehers für 999 Mark statt für 1999 vom Landgericht Hamburg unterbinden lassen. Bislang vergeblich.
Auch den "Energiefüchsen" ist Ärger mit Unternehmen bekannt. Als 30 Vereinsmitglieder bei einer Klempner-Firma einen Preisnachlass für gemeinsame Heizungs-Wartungsverträge verlangten, zickten die zunächst herum - und gaben dann doch klein bei. Für Susanne Negratiuß-Fabian ein ermutigendes Signal zum Weitermachen.
Jetzt haben die "Energiefüchse" auch Hein Gas wieder im Visier: Der Gasmarkt soll ab Sommer 2000 liberalisiert werden.
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