Hamburg - Die einen haben zum 1. Januar erhöht, die anderen ziehen am 1. Februar nach: Bundesweit erhöhen 437 Stromanbieter in den ersten zwei Monaten des Jahres ihre Preise, wie das unabhängige Verbraucherportal verivox.de mitteilte. Von den höheren Tarifen sind schätzungsweise rund ein Viertel aller Haushalte in Deutschland betroffen.
Laut verivox sind die Anbieter dieses Mal nicht zimperlich bei ihren Erhöhungen: Gemessen an einem Musterhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden betrage die Erhöhung durchschnittlich 7,2 Prozent. Damit müssten die Kunden im Jahr 876 statt 813 Euro für ihren Strom hinblättern.
Mit 138 Grundversorgern, die ihre Preise erhöhen, trifft es Bayern am härtesten, hier finden die meisten Strompreiserhöhungen statt. Spitzenreiter seien die bayerischen Gemeindewerke Cadolzburg, die ihre Preise in der Grundversorgung um 24,1 Prozent erhöhten. Glück haben dagegen die Verbraucher in Berlin, Hamburg und Bremen, die vorerst nicht stärker zur Kasse gebeten würden.
Von den größten Versorgern in Deutschland erhöhten laut verivox unter anderem die Süwag (4,6 Prozent), E.on Bayern (9,3 Prozent), E.on Mitte (8,8 Prozent), E.on Westfalen Weser (8,5 Prozent), E.on Thüringer Energie (8,3 Prozent), E.on Avacon (6,6 bis 7,9 Prozent), E.on edis (7,6 Prozent), entega (6,8 Prozent), RWE Rhein-Ruhr (6,3 Prozent), RWE Westfalen-Weser-Ems (6,3 Prozent), E.on Hanse (5,6 Prozent) und die RheinEnergie (5,0 Prozent) bereits zum Jahreswechsel ihre Preise.
Die beiden großen Stromkonzerne E.on
und RWE
hatten schon im Oktober Preiserhöhungen von bis zu zehn Prozent zum 1. Januar angekündigt. Bei der RWE-Tochter Süwag reicht die Erhöhung verivox zufolge sogar bis zu 11,5 Prozent.
Die Unternehmen begründen die höheren Tarife unter anderem mit höheren Beschaffungskosten. Große Konzerne wie E.on haben zudem den Staat als den eigentlichen Preistreiber ausgemacht. Von jedem Euro auf der Stromrechnung kassiere dieser über Steuern und Abgaben etwa 40 Cent.
Bei Politikern und Verbraucherschützern zieht dieser Vorwurf jedoch nicht. Sie werfen den großen Konzernen einen Missbrauch ihrer Marktmacht und Preisabsprachen vor, was die Unternehmen vehement zurückweisen. Das Bundeskartellamt hat angekündigt, die erneuten Strompreiserhöhungen zu überprüfen. In der Bonner Behörde ist dafür inzwischen extra eine eigene Abteilung eingerichtet worden, wie der Präsident des Bundeskartellamtes, Bernhard Heitzer, gestern in einem Interview sagte. Mit kurzfristigen Ergebnissen sei jedoch nicht zu rechnen.
Verbraucherschützer empfehlen deshalb, den eigenen Anbieter mit anderen zu vergleichen. "Der Anbieterwechsel selbst ist unkompliziert und vor allem risikofrei, da die Stromversorgung gesetzlich gesichert ist", sagte Thomas Stollberger von verivox. Das Sparpotenzial bei einem Anbieterwechsel betrage - abhängig vom Wohnort und Jahresverbrauch - 200 Euro pro Jahr und mehr.
sam/Reuters/AP/dpa
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