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15.01.2008
 

Bahn-Tarifkonflikt

GDBA droht mit neuen Streiks

Zu früh gefreut: Der Streit um Lohn und Arbeitszeiten bei der Bahn ist noch nicht vorbei. Die Konkurrenzgewerkschaft GDBA ärgert sich über die Sonderlösung, die die Lokführer der GDL herausgehandelt haben - und warnt jetzt ihrerseits vor Streiks.

Frankfurt am Main - "Sollte es nötig sein, über die Klausel Druck auszuüben, werden wir das tun", sagte GDBA-Chef Dieter Hommel der "Neuen Presse". Sollte die Bahn bei den Verhandlungen über ein neues Tarifsystem die Forderungen der GDBA nicht berücksichtigen, könnte die Gewerkschaft den Tarifvertrag kündigen. Hommel wehrt sich mit den markigen Worten gegen den Vorwurf, schlecht verhandelt zu haben.

Reisende am Hamburger Hauptbahnhof: GDBA wehrt sich gegen Vorwurf, schlecht verhandelt zu haben
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DPA

Reisende am Hamburger Hauptbahnhof: GDBA wehrt sich gegen Vorwurf, schlecht verhandelt zu haben

Transnet und GDBA stehen in Konkurrenz zu der Lokführergewerkschaft GDL. Im Gegensatz zur GDL hatten sie sich schon im Sommer mit der Bahn geeinigt, allerdings nur eine Lohnerhöhung von 4,5 Prozent und eine Einmalzahlung von 600 Euro herausgehandelt. Die GDL erreichte dagegen nach monatelangen Verhandlungen und mehrtägigen Streiks einen eigenständigen Tarifvertrag, sieben bis 15 Prozent mehr Lohn und eine Einmalzahlung von 800 Euro. Der Vertrag von GDBA und Transnet enthält aber eine Klausel, wonach er gekündigt werden kann, wenn andere Berufsgruppen mehr herausschlagen.

Hommel erklärte zudem, er fürchte, dass die GDL 2009 "ihren Krawallkurs fortsetzt". Die Gewerkschaften ringen noch um die Zuständigkeit für Zugbegleiter. "Wir legen Wert darauf, dass wir Tarifverhandlungen zukünftig abgestimmt führen: die GDL für die Lokführer, wir für alle anderen Berufsgruppen", sagte Hommel. Es habe lediglich am "Eiertanz" der GDL gelegen, dass sich die Verhandlungen so lange hingezogen hätten, kritisierte Hommel.

Das sieht GDL-Chef Manfred Schell allerdings anders - und will sich nicht zu einer Kooperation mit den anderen Bahngewerkschaften verpflichten lassen. "Wir sind nicht an Abstimmungen mit anderen Bahngewerkschaften gebunden. Anders lautende Äußerungen entsprechen nicht den Tatsachen", sagte Schell der "Welt". Über den Manteltarifvertrag werde sich die GDL natürlich mit Transnet und der GDBA verständigen. "Ich habe zudem immer gesagt, dass - vorausgesetzt, wir erzielen einen vernünftigen Abschluss - wir vor der nächsten Tarifrunde 2009 durchaus mit den anderen Gewerkschaften klären können, ob wir gemeinsame Forderungen stellen. Sollte es aber zu keiner Einigung kommen, ist jeder in seiner Entscheidung frei."

IW hält weitere Zersplitterung für möglich

Kritik an dem Kurs der GDL hatte es gestern von Seiten des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) gegeben. DGB-Chef Sommer kritisierte, dass mit dem eigenen Tarifvertrag der GDL die Tarifeinheit untergraben werde. Diese Befürchtung verstärkt jetzt das Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln (IW), das die Gründung weiterer Spartengewerkschaften angesichts des Erfolgs der GDL für möglich hält. "Es kann durchaus sein, dass sich in Zukunft auch Krankenschwestern, Arzthelferinnen oder Feuerwehrleute in einer Einzelgewerkschaft organisieren, um ihre Forderungen durchzusetzen", sagte IW-Tarifexperte Hagen Lesch der "Thüringer Allgemeinen".

Allerdings bestünde derzeit noch keine Gefahr für die Grundstruktur der deutschen Tariflandschaft, Splittergewerkschaften blieben eher die Ausnahme. "Anders als im Verkehrs- oder Gesundheitswesen sind in den meisten Bereichen der Privatwirtschaft die Machtpotentiale der Arbeitnehmer nicht so groß und ist die Bezahlstruktur nicht transparent", sagte Lesch. "Während sich die Lokführer in einem Konzern konzentrieren und eine Verhandlungsmacht bilden, wird es kaum möglich sein, alle Omnibusfahrer gleichzeitig zum Streik zu bewegen".

Allerdings sieht Lesch direkte Wirkungen der hohen Tarifforderungen und -abschlüsse von Spartengewerkschaften auf die Positionen der großen Organisationen. "Wenn der Marburger Bund für die Ärzte zweistellig abschließt, weckt das bei Ver.di Begehrlichkeiten", sagte Lesch.

sam/AP/Dow Jones

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