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15.01.2008
 

Wut über Brandrede

Bahngewerkschaften sagen Mehdorn den Kampf an

Von Anne Seith

Fahrgäste und Beschäftigte sind entsetzt: Bahn-Chef Mehdorn hat wegen des GDL-Tarifkompromisses einen Jobabbau und teurere Tickets angekündigt. Die Gewerkschaften wollen kämpfen - Kundenvertreter sprechen von "Abzocke".

Hamburg - Dieter Hommel macht aus seinem Ärger keinen Hehl. "Ich bin empört über diese Äußerung, das haben wir so nicht erwartet", sagt der Chef der Bahngewerkschaft GDBA über die Ankündigungen von Hartmut Mehdorn. "Wenn Herr Mehdorn jetzt die Beschäftigungssicherheit in Frage stellt, werden die Mitarbeiter bereit sein, dafür zu kämpfen."

Bahn-Chef Mehdorn: Hommel kritisiert seinen "scharfen Ton"
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Bahn-Chef Mehdorn: Hommel kritisiert seinen "scharfen Ton"

Der Bahn-Chef hatte nach der Einigung mit der Lokführergewerkschaft GDL in einer Brandrede angekündigt, der Abschluss werde "Konsequenzen" für Preise und Arbeitsplätze bei der Bahn haben - ohne allerdings ins Detail zu gehen. Auch die vertragliche Absicherung der bestehenden Arbeitsplätze, die eigentlich erst 2010 ausläuft, stellte Mehdorn in Frage. Diese Vereinbarung sei schließlich unter der Voraussetzung maßvoller Tarifabschlüsse getroffen worden.

Mehdorn bringe "einen scharfen Ton in die Auseinandersetzung", der vollkommen unangebracht sei, sagte Hommel zu SPIEGEL ONLINE. Auch ein Sprecher der zweiten GDL-Konkurrenzgewerkschaft Transnet erklärte: "Wenn Mehdorn jetzt einen Klimawandel will, werden wir eine Antwort finden."

Beide Organisationen zeigen sich damit überraschend solidarisch mit der Lokführergewerkschaft GDL - dabei hatte Mehdorn die Schuld an der Misere mit ziemlich deutlichen Worten allein auf die Lokführer geschoben. Die GDL habe "beispielhaft" die Methode vorgeführt, dass Minderheiten in einem Unternehmen sich auf Kosten der Gesamtbelegschaft bedienen", sagte der Bahn-Chef. Der Transnet-Sprecher kontert darauf, man werde verhindern, dass Mehdorn einen Keil in die Belegschaft treibe.

Hommel sagt, die Gewerkschaften würden alle gemeinsam gegen diese Attacken vorgehen: "Wir waren vor Weihnachten schon auf einem guten Weg bei der Ausarbeitung eines Kooperationsvertrags mit der GDL." Auch in der Lokführergewerkschaft selbst heißt es, man werde sich einer solchen Vereinbarung nicht verschließen, wenn die Bedingungen stimmen.

Gewerkschaften werfen Mehdorn falsches Spiel vor

Der Abschluss der Lokführer ist für Mehdorn nur ein Anlass für seine gestrige Frustrede, glaubt Hommel: "Schließlich bewegt sich das, was wir als Tarifgemeinschaft mit der Bahn vereinbart haben, im selben Rahmen wie der Abschluss der GDL." Die GDL hat über Lohnerhöhungen und eine Neueinordnung der Lokführer in die Gehaltsstrukturen des Unternehmens Steigerungen von im Schnitt elf Prozent herausgehandelt. Die Tarifgemeinschaft aus Transnet und GDBA hat laut Hommel über die gleichen Mechanismen bis 2010 de facto sogar 14 Prozent für ihre Klientel erreicht.

Selbst wenn diese Abschlüsse die Bahn in den kommenden fünf Jahren rund eine oder sogar zwei Milliarden Euro kosten werden, wie es Bahn-Insider berechnen, "ist das gerechtfertigt", findet Hommel. "Die Mitarbeiter haben bei der Sanierung des Unternehmens jahrelang Vorleistungen erbracht. Eine Gegenleistung für den Beschäftigungssicherungsvertrag war, dass die Personalkosten etwa über flexiblere Arbeitszeiten um fünf Prozent gesenkt wurden." Nun sei das Unternehmen aber profitabel, "und die Mitarbeiter sind jetzt auch mal dran".

Der FDP-Verkehrsexperte Horst Friedrich glaubt ohnehin, dass sich die Kosten des Abschlusses nicht im Milliardenbereich bewegen werden. "Der Tarifabschluss mit der GDL kostet die Bahn zwischen 50 und 65 Millionen Euro pro Jahr. Alle anderen Behauptungen sind Horrorzahlen, die nur dazu dienen, Vorwände für neue Preiserhöhungen zu schaffen", sagt er.

Fahrgastverbände empört

Bahn-Chef Mehdorn dagegen sagte gestern Abend, der Abschluss mit der GDL "geht weit über das wirtschaftlich vertretbare Maß hinaus". Zwar sagte er zu der bevorstehenden Bilanzpressekonferenz im März: "Ich verrate hier sicherlich kein Geheimnis, wenn ich sage, dass 2007 trotz aller Widrigkeiten sehr gut gelaufen ist." 2006 hatte die Bahn einen operativen Gewinn von rund 2,5 Milliarden Euro eingefahren. Aber der Bahn-Chef fügte gestern hinzu, mit den neuen Personalkostenstrukturen werde der Konzern "so nicht mehr im Wettbewerb bestehen können. Unsere Wettbewerber liegen heute schon bis zu 25 Prozent unter unseren Personalkosten".

Dass der Konzern erwägt, die Ticketpreise zu erhöhen, empört auch Fahrgastvertreter. Der Verband ProBahn sieht einen Versuch, erneut mit irreführenden Rechnungen die Kunden "abzuzocken", sagte Sprecher Hartmut Buyken. Die Ankündigung sei nicht nachvollziehbar. Die Mehrkosten durch den Abschluss dürften lediglich im zweistelligen Millionenbereich liegen.

Am kühlsten reagiert jedenfalls die GDL auf den Aufruhr: "Kein Kommentar", heißt es von Seiten der Gewerkschaft lediglich. Die Verhandlungen mit dem Bahn-Vorstand über die Details der jüngsten Tarifeinigung gingen heute offenbar ohne Verzögerung weiter.

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