Wirtschaft



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16.01.2008
 

Börsen-Kursrutsch

Wirtschaftsweise erwarten Verschärfung der Krise

Die US-Kreditkrise sorgt für ein Börsenbeben: Banken müssen Milliarden abschreiben, weltweit rutschen Finanztitel ins Minus. Der Nikkei schloss heute auf dem niedrigsten Wert seit 26 Monaten. Wirtschaftsexperten warnen: Es wird noch schlimmer kommen.

Berlin - Die Wirtschaftsweisen Peter Bofinger und Wolfgang Franz rechnen mit einer weiteren Verschärfung der internationalen Finanzmarktkrise. "Den Höhepunkt der Finanzkrise erwarte ich erst für Mitte des Jahres", sagte Bofinger der "Berliner Zeitung". Die jüngsten Abschreibungen und Belastungen seien für ihn nicht überraschend. "Die Zinsanpassungen für die Käufer von US-Immobilien kommen jetzt erst so richtig zum Tragen, und das erhöht ständig den Druck auf die Immobilienmärkte", sagte Bofinger. Sein Kollege im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Franz, sagte: "Ich fürchte, dass wir bei der Finanzmarktkrise noch nicht über den Berg sind."

Passant vor dem Chart in Tokio: Vor allem Finanzwerte erlitten herbe Verluste
DPA

Passant vor dem Chart in Tokio: Vor allem Finanzwerte erlitten herbe Verluste

In diesen Wochen würden in den USA die Zinsanpassungen bei den Hypothekenkrediten nach oben erfolgen. Das werde einige Schuldner in Schwierigkeiten bringen, so dass die Ausfallwahrscheinlichkeiten dieser Kredite und damit der Abschreibungsbedarf bei den Banken auch hierzulande steigen werde.

Die Furcht vor einer Rezession in den USA hat die Aktienkurse der Börsen auf Talfahrt geschickt. Der japanische Nikkei Chart zeigen der 225 führenden Werte schloss heute um 3,4 Prozent niedriger auf 13.505 Punkten - das ist der niedrigste Wert sei 26 Monaten. Vor allem Finanzwerte gehörten nach den schwachen Zahlen der größten US-Bank Citigroup zu den Verlierern. Die größte US-Bank hatte gestern wegen neuer Abschreibungen von mehr als 18 Milliarden Dollar im Zuge der US-Hypothekenkrise für das Schlussquartal 2007 den ersten Verlust seit ihrer Fusion aus Citicorp und Travellers Group 1998 vermeldet. Das Geldinstitut und die Investmentbank Merrill Lynch Chart zeigen verschaffen sich zudem dringend nötige Kapitalspritzen von zusammen über 21 Milliarden Dollar.

Heute verbilligten sich die Aktien der zweitgrößten japanischen Bank Mizuho Financial daraufhin um knapp neun Prozent. Zudem litten Exportwerte unter einem Anstieg des Yen, der zum Dollar zeitweise auf den höchsten Stand seit zweieinhalb Jahren kletterte. Die Papiere des Autobauers Toyota Chart zeigen verloren 4 Prozent, die des Elektronikkonzerns Sony Chart zeigen 6,7 Prozent. Auch der Dollar geriet unter Druck und fiel mit 106,59 Yen zur japanischen Währung zeitweise auf den tiefsten Stand seit über zwei Jahren.

An den US-Börsen hatten viele Aktien schon gestern heftige Tagesverluste verzeichnet. Der Dow Jones Chart zeigen gab um 2,17 Prozent auf 12.501,11 Punkte nach. Der S&P 500 Chart zeigen fiel um 2,49 Prozent auf 1380,95 Punkte. Der Nasdaq Chart zeigen verlor 2,45 Prozent auf 2417,59 Punkte. Die drei Indizes notierten so schwach wie seit mindestens einem Dreivierteljahr nicht. Alle 30 Dow-Jones-Titel lagen im Minus.

Auch in den USA sorgten besonders Finanztitel für die Verluste. Die Papiere der Citigroup waren schwächster Dow-Jones-Wert - sie fielen mit minus 7,3 Prozent auf 26,94 Dollar. Merrill Lynch sank um 5,3 Prozent auf 53,01 Dollar.

Schlechte Nachrichten kamen gestern auch aus Deutschland: Die Hypo Real Estate Chart zeigen räumte ein, nun doch auch von der Krise betroffen zu sein und schockierte mit ihrem Eingeständnis die Anleger am deutschen Aktienmarkt. Der Immobilienfinanzierer berichtete über Abschreibungen auf ein US-Wertpapierportfolio in Höhe von 390 Millionen Euro, die das Vorsteuerergebnis um rund ein Viertel zurückgehen ließen, und sorgte damit für einen Absturz der Aktien. Zeitweise brach der Kurs des Dax Chart zeigen-Werts um gut 31 Prozent auf 23 Euro ein. Vorstandschef Georg Funke sprach von einem "Einmaleffekt aufgrund einer Marktkatastrophe".

ase/phw/dpa/Reuters

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