Wirtschaft



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16.01.2008
 

Öko-Lebensmittel

Bio boomt - und das Ausland verdient

Von Tobias Dorfer

Der Biomarkt wächst und wächst - immer mehr Deutsche kaufen Öko-Lebensmittel. Die Bauern merken davon allerdings wenig. Denn das Geschäft wird immer öfter im Ausland gemacht.

Berlin – Zwei Tage noch, dann treffen sich in Berlin alle, die mit Landwirtschaft Geld verdienen. Auf der Grünen Woche tummeln sich auch die Öko-Bauern. Und die müssten eigentlich mit einem besonders breiten Grinsen durch die Messehallen laufen. Denn heute gab die Zentrale Markt- und Preisberichtsstelle bekannt, dass sich der Umsatz mit Biolebensmittel in Deutschland auf ein Volumen von fünf Milliarden Euro gesteigert habe – ein Plus von 15 Prozent, verglichen mit dem Vorjahr.

Bio-Supermarkt in Rostock: Stärkerer Fokus auf regionale Produkte
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DDP

Bio-Supermarkt in Rostock: Stärkerer Fokus auf regionale Produkte

Grotesk jedoch: Die eigentlichen Profiteure des Biobooms sitzen schon lange nicht mehr in Oberbayern oder im Münsterland. Das große Geschäft wird längst im Ausland gemacht. Die Branche ist Opfer ihres eigenen Erfolges geworden. Weil die Ökoprodukte den Händlern förmlich aus den Händen gerissen werden, herrscht in Deutschland ein Mangel – und Produzenten aus dem Ausland springen ein. Seit auch Discounter wie Lidl und Plus mit Bioware locken, ist der Absatz von Bioprodukten deutlich angestiegen. "Die gestiegene Nachfrage wird vor allem mit ausländischer Ware befriedigt", sagt Gerd Sonnleitner, Präsident des Deutschen Bauernverbandes.

Das sei grundsätzlich auch sinnvoll, meint Felix Prinz zu Löwenstein, der Vorsitzende des Fachverbands Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW). Tropenfrüchte würden in Deutschland nicht wachsen. Daher ginge es nicht anders, als sie aus dem Ausland zu importieren. Geht es jedoch um die Obst- und Gemüsesorten, die auch hierzulande gedeihen, wird Löwenstein unwirsch. Sie zu importieren, sei nicht nur ökologisch unsinnig. "Das ist eine verpasste Chance für den deutschen Markt", klagt der Verbandsvorsitzende.

Auch Thomas Dosch, der Vorsitzende des Herstellerverbands Bioland, kritisiert, die Schere zwischen dem boomendem Biomarkt und dem Mangel an deutschen Produkten öffne sich immer weiter. Noch deutlicher wird der Bauernpräsident selbst: Im Ausland unterlägen die Produkte oft nicht so hohen Standards wie in Deutschland, sagt Gerd Sonnleitner. Und kommt zu dem Schluss: Bio ist nicht gleich Bio.

Um sich von den Discountern abzusetzen hat sich Bioland, der mit 4500 Mitgliedern größte deutsche Herstellerverband, die Stärkung regionaler Anbieter zur Aufgabe gemacht. "Wenn die Kunden den Landwirt oder vielleicht auch nur die Region persönlich kennen, haben sie mehr Vertrauen in die Produkte", sagt Nina Stockebrand, Agrarökonomin an der Universität Göttingen. Das biete neue Chancen für die Positionierung von heimischen Qualitätsprodukten am Markt.

Umstieg auf Bio dauert drei Jahre

Dass regionale Bioprodukte Erfolg haben können, zeigt die Einzelhandelskette Feneberg, die im Allgäu knapp 80 Filialen betreibt. Dort hat man die regionale Biomarke "VonHier" eingeführt. Das Getreide für die Brote kommt ausschließlich von Bauern aus dem Allgäu. "Und das funktioniert unglaublich gut", sagt der BÖLW-Vorsitzende Löwenstein.

Viele Bauern hierzulande scheuen jedoch den Umstieg auf die Ökoproduktion. Denn die Umstellung auf Bio ist nicht nur arbeits- und personalintensiv – ein Biobauer braucht auch viel Geduld. Zwischen der Entscheidung zum Umstieg und dem ersten Verkauf vergehen in der Regel drei Jahre. So lange würde es dauern, bis der Boden frei ist von den Spuren der Düngemittel, erklärt Löwenstein.

Außerdem ist die Umstellung auf Bio-Landwirtschaft für die Bauern auch finanziell nicht mehr so attraktiv. Zum Jahr 2007 kürzten die Bundesländer wegen fehlender EU-Zuschüsse die Fördermittel für den umweltgerechten Anbau um durchschnittlich ein Fünftel. Landwirte, die in Schleswig Holstein auf Ökolandbau umstellen wollen, erhalten heute nur noch 137 Euro pro Jahr und Hektar – halb so viel wie noch vor zwei Jahren. Selbst in Polen bekommen Bauern zwölf Euro mehr. Die Bundesländer müssten die Ökolandwirte in ihrem Wettbewerb mit den ausländischen Anbietern stärker unterstützen, fordert der Bioland-Vorsitzende Dosch. Sein Verband hat die Länder dazu aufgerufen, die Ökoprämien deutlich anzuheben.

Die Förderung der Ökobauern durch die Länder sei nämlich durchaus gerechtfertigt, sagt der BÖLW-Vorsitzende Löwenstein. Die Arbeit der Bio-Landwirte würde die Umwelt und vor allem das Grundwasser schonen. "Und davon profitiert die gesamte Gesellschaft."

Mit dpa

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