Wirtschaft



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18.01.2008
 

Finanzkrise

Bush bastelt an Rettungspaket für US-Wirtschaft

Die Angst vor der US-Rezession schweißt zusammen: US-Präsident Bush bastelt gemeinsam mit den Demokraten an einem riesigen Konjunkturprogramm. Notenbankchef Bernanke hatte zuvor gewarnt, die Kreditkrise drohe Hunderte Milliarden Dollar zu kosten.

Washington - Präsident George W. Bush will die USA vor einer Rezession retten - auch wenn es sein Sprecher Tony Fratto anders ausdrückt. "Der Präsident ist der Ansicht, dass wegen der Verlangsamung der Wirtschaft kurzfristig eine Ankurbelung nötig ist", sagte Fratto. Die Details des geplanten Hilfspakets werden heute vorgestellt. Ziel sei es, der Wirtschaft mit zeitlich begrenzten Maßnahmen kurzfristig Impulse zu geben, sagte Fratto. Bush spreche über das Paket auch mit Kongressabgeordneten von der republikanischen Partei und den Demokraten. Thema waren unter anderem Steuererleichterungen und Kredite für Unternehmensinvestitionen.

US-Präsident Bush: Das Wort Rezession kommt ihm nicht über die Lippen
REUTERS

US-Präsident Bush: Das Wort Rezession kommt ihm nicht über die Lippen

Der Umfang des Pakets ist noch nicht bekannt. Es zeichnet sich aber eine Größenordnung von bis zu 125 Milliarden Dollar ab. Damit soll auch die Kaufkraft der Verbraucher gestärkt werden, die unter anderem unter den rasant fallenden Häuserpreisen und hohen Benzinkosten leiden.

Bushs Pläne für eine Ausweitung seiner Steuersenkungen aus den Jahren 2001 und 2003 sollen bei dem Konjunkturpaket allerdings ausgeklammert werden. Dem Präsidenten gehe es um ein kurzfristiges Programm zur Belebung der Wirtschaft, sagte Bushs Sprecher Fratto. Die Steuersenkungen sollten hingegen von Dauer sein.

Die Entscheidung, die Steuersenkungen außen vor zu lassen, dürften die Chancen für eine rasche Einigung zwischen Republikanern und Demokraten erhöhen. Die Demokraten haben bereits prinzipiell ihren Willen zur Zusammenarbeit bekundet. Ohne ihre Zustimmung im Kongress hätte ein Konjunkturpaket keine Chance.

Notenbankchef Ben Bernanke schlug sogar vor, dass Konjunkturprogramm solle ein Volumen von 100 bis 150 Milliarden Dollar haben. Die Abschreibungen aus der US-Hypothekenkrise könnten sich auf mehrere hundert Milliarden Dollar belaufen, sagte Bernanke gestern vor dem US-Kongress, er fügte allerdings hinzu: Die Marke von einer halben Billion werde wohl nicht erreicht.

"Wir sagen keine Rezession voraus, wir sagen verlangsamtes Wachstum voraus", sagte Bernanke außerdem. Er halte "substanzielle Schritte" für nötig, um einer drohenden Rezession in der weltgrößten Volkswirtschaft entgegenzuwirken. Nach der Rede wird eine erneute Korrektur des Leitzinses erwartet. Der Markt rechnet mit einer Absenkung um mindestens 0,5 Prozentpunkte. Seit dem Aufflammen der US- Hypothekenkrise im Sommer 2007 hatte die Notenbank den US-Leitzins um insgesamt einen Prozentpunkt auf gegenwärtig 4,25 Prozent gesenkt.

Eine rasche Umsetzung von Hilfsmaßnahmen durch die Politik wäre hilfreich, damit die Auswirkungen "in den kommenden zwölf Monaten so stark wie möglich" seien, sagte Bernanke außerdem. "Wenn die Konjunkturanreize zu spät kommen, wird das der Wirtschaft nicht helfen." Mögliche Maßnahmen wie etwa Steuersenkungen müssten aber zeitlich befristet sein. Andernfalls drohe eine Ausweitung des strukturellen Haushaltsdefizits.

Merrill Lynch verliert Milliarden - Börse bricht ein

Grund für die Angst vor einer Rezession sind die immer neuen Hiobsbotschaften vor allem aus dem Finanzbereich, die langsam das Ausmaß der Immobilienkrise deutlich machen. So musste die Investmentbank Merrill Lynch Chart zeigen gestern einen Nettoverlust von 8,05 Milliarden Dollar für das Gesamtjahr 2007 eingestehen. Zuvor hatten in dieser Woche schon Branchenprimus Citigroup Chart zeigen sowie JPMorgan teils massive Gewinneinbrüche melden müssen.

Diese Nachrichten und die Debatte über eine drohende Rezession belasteten die US-Börsen gestern schwer. Der Dow Jones Chart zeigen schloss 2,46 Prozent tiefer bei 12.159 Punkten. Im Verlauf hatte er sich zwischen 12.125 und 12.517 Zählern bewegt. Der breiter gefasste S&P-500-Index Chart zeigen gab 2,91 Prozent auf 1333 Punkte ab. Der Index der Technologiebörse Nasdaq Chart zeigen verlor 1,99 Prozent auf 2346 Zähler. In Deutschland hatte der Dax Chart zeigen zuvor nach einer Berg- und Talfahrt 0,8 Prozent niedriger bei 7414 Punkten geschlossen.

In Asien zeigten Bushs Pläne heute schon Wirkung - zumindest in Japan. Der Nikkei Chart zeigen erholte sich um 0,6 Prozent auf 13.861 Punkte. Der breiter gefasste Topix-Index zog 0,8 Prozent auf 1341 Zähler an. Im Handelsverlauf waren beide Marktbarometer mehr als drei Prozent gefallen. Die anderen Aktienmärkte in Asien zeigten sich uneinheitlich. Die Börsen in Südkorea und Taiwan profitierten ebenfalls von dem geplanten US-Konjunkturpaket und verbuchten Aufschläge. Die Aktienmärkte in Singapur, Hongkong, Shanghai und Australien folgten indes den negativen Vorgaben aus den USA.

Konjunkturindex fällt überraschend deutlich

Gleichzeitig fiel der Konjunkturindex der Federal Reserve Bank von Philadelphia im Januar unerwartet deutlich. Das Wirtschaftsbarometer sank auf minus 20,9 Punkte und verzeichnete damit den stärksten monatlichen Rückgang der Industrieaktivitäten in der Region seit Januar 2001, als die Wirtschaft auf dem Höhepunkt der letzten Rezession war. Volkswirte hatten mit einem Anstieg auf minus 1,0 Punkte gerechnet.

Dazu kommt: Der US-Immobilienmarkt rutscht immer tiefer in die Krise. Im Dezember brach die Zahl der Wohnbaubeginne unerwartet um mehr als 14 Prozent ein und fiel auf den tiefsten Stand seit 1991. Die Zahl der Baugenehmigungen fiel um acht Prozent und erreichte damit das tiefste Niveau seit 1993.

ase/dpa-AFX/Reuters/dpa/AP/

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