Hongkong/ Peking - Zittern in China: Die schlechten Geschäfte im Subprime-Sektor könnten den gesamten Jahresgewinn der Bank of China (BOC) aufzehren und sie sogar in die roten Zahlen bringen, berichtet die "South China Morning Post" unter Berufung auf Bankenkreise. Wie hoch die Abschreibungen sein werden, die das Geldinstitut nun im vierten Quartal vornehmen muss, ist aber noch nicht bekannt. Ein Sprecher der Bank wollte den Bericht nicht kommentieren. Die BOC hatte ihr Subprime-Portfolio im September auf 7,95 Milliarden Dollar von 9,65 Milliarden Dollar im August abgebaut.
Der "China Business News" zufolge haben mehrere Regierungsstellen die Auswirkungen der Krise auf die Banken untersucht. "Der Schluss, den sie gezogen haben, ist nicht sehr erfreulich", hieß es ohne Angaben von Quellen. Der Präsident des sechstgrößten chinesischen Geldinstituts Merchants Bank, Ma Weihua, sprach heute von zwei Faktoren, die den Gewinn in dem Sektor treffen dürften: Die Hypothekenkrise in den USA und die Maßnahmen der Regierung in Peking, um die Wirtschaft abzukühlen. "Wir müssen das sehr realistisch sehen", sagte Ma der Nachrichtenagentur Reuters. "Wir stehen in diesem Jahr vor vielen Herausforderungen, die nicht nur aus der Heimat, sondern auch aus der Ferne kommen."
In Asien rutschen die Börsen wegen der Sorgen um eine mögliche US-Rezession immer tiefer ins Minus. In Tokio fiel der Nikkei
um 3,86 Prozent auf 13.325,94 Punkte. In Hongkong ging der Hang Seng
im Handelsverlauf um 3,5 Prozent auf 24.323,44 Punkte zurück. In Shanghai gab der Index um 5,1 Prozent auf 4914,44 Zähler nach. Auch an den Börsen in Südkorea, Australien, Singapur, Taiwan und den Philippinen dominierten die Minuszeichen. Die Investoren befürchten, dass eine Rezession in den USA die Gewinne der Exporteure schmälern könnte. Allerdings würden größere Auswirkungen nicht erwartet, da ein großer Teil des Handels und der Investitionen in der Region blieben, erklärten Analysten. Das mache Asien weniger als früher von der US-Wirtschaft abhängig.
Das Konjunkturprogramm, das US-Präsident George W. Bush am Freitag angekündigt hatte, beeindruckte die Anleger allerdings kaum. Bush versprach Steuernachlässe für private Haushalte und Unternehmen in Höhe von etwa einem Prozent des Bruttosozialprodukts, also rund 145 Milliarden Dollar.
Schon in den USA hatten die Anleger mit Enttäuschung auf die Details des Konjunkturprogramms reagiert: Der Dow-Jones-Index
war mit einem Minus von 0,49 Prozent aus dem Handel gegangen. Der breiter gefasste S&P-500 verlor 0,6 Prozent; der Technologieindex Nasdaq
büßte 0,29 Prozent ein.
Auch in Europa hält die Rezessionsangst weiter an: Die Vorgaben aus Asien könnten deutlich Druck auf den Deutschen Aktienindex (Dax)
ausüben. Die Agentur Finspreads taxierte den Dax am Morgen mit 7273 Zählern um 0,56 Prozent unter dem Freitagsschluss. Händlern zufolge ist die aktuelle Entwicklung sehr schwer einzuschätzen - zumal die US-Börsen wegen eines Feiertages geschlossen bleiben.
ase/ssu/AP/dpa-AFX/Reuters
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