Frankfurt - Dass Privatanleger bei der komplexen Hypothekenkrise nicht mehr durchblicken, ist das eine. Wenn sich aber sogar ein ausgewiesener Fachmann wie Bundesbank-Präsident Axel Weber schlecht informiert fühlt, läuft etwas gehörig schief. Der Zentralbanker hat nun die Finanzbranche zu mehr Offenheit im Umgang mit der Kreditkrise aufgerufen.
In einem Interview mit "Focus Money" sagte Weber, er erwarte, dass die deutschen "Banken die bisherige Salamitaktik bei der Offenbarung ihrer finanziellen Belastungen beenden und eine weitreichende Transparenz herstellen".
Lange Zeit hatte die Mehrheit der deutschen Institute die Folgen der US-Hypothekenkrise für die eigenen Bilanzen als relativ gering bezeichnet. Während US-Firmen wie die Citigroup
und Merrill Lynch
wegen fauler Kredite zweistellige Milliardenbeträge abschreiben mussten, bezifferten hiesige Unternehmen die Risiken lange als überschaubar. Webers kritische Äußerungen sind eine Reaktion auf den Umstand, dass etliche deutsche Banken entgegen früherer Aussagen nun teils massive Wertberichtigungen vornehmen mussten.
Georg Funke, Chef des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate
(HRE), behauptete beispielsweise monatelang, sein Haus sei von der Krise nicht betroffen - um im Januar dann plötzlich ergebniswirksame Abschreibungen in Höhe von 390 Millionen Euro bekannt zu geben.
Ähnlich lief es bei der Westdeutschen Landesbank (WestLB): "Wir sind uns mit unseren Ratingagenturen einig, dass die WestLB über eine so breite Liquiditätsbasis verfügt, dass uns diese Situation nicht in Bedrängnis bringt. Die sogenannten Stress-Tests, die wir regelmäßig durchführen, bestätigen uns dies", sagte Vorstandschef Alexander Stuhlmann im November dem "Handelsblatt".
Zweieinhalb Monate später mussten die WestLB-Eigentümer in einer dramatischen Rettungsaktion zwei Milliarden Euro frisches Kapital zur Verfügung stellen, um dem angeschlagenen Institut aus der Bredouille zu helfen.
Investoren verkauften deshalb am Montag und Dienstag in großem Stil Aktien aller Institute. Auch die Papiere der Großbanken Deutsche Bank
, Commerzbank
und Allianz
(Dresdner Bank) brachen massiv ein. Von ihnen gab es zwar in den vergangenen Tagen keine neuen Nachrichten. Anleger gehen aber offenbar davon aus, dass weitere Abschreibungen drohen.
| Abschreibungen ausgewählter Banken in US-Dollar * | ||
| Citigroup | 24,6 Mrd. | |
| Merrill Lynch | 23,6 Mrd. | |
| UBS | 14,4 Mrd. | |
| Morgan Stanley | 9,4 Mrd. | |
| Bank of America | 5,3 Mrd. | |
| Credit Suisse | 4,7 Mrd. | |
| HSBC | 3,4 Mrd. ** | |
| Deutsche Bank | 3,2 Mrd. ** | |
| JP Morgan Chase | 2,9 Mrd. | |
| Barclays | 2,7 Mrd. ** | |
| Bear Stearns | 2,7 Mrd. | |
| Wachovia | 1,7 Mrd. | |
| Dresdner Bank | 840 Mio. ** | |
| Commerzbank | 425 Mio. | |
| Hypo Real Estate | 584 Mio. | |
| Postbank | 89 Mio. ** | |
* 3. und 4. Quartal 2007
** nur 3. Quartal |
||
War es das? Oder hat in Frankfurt noch jemand Brisantes mitzuteilen? Spätestens am 7. Februar wird Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann bei der Bekanntgabe des Jahresergebnisses für das Geschäftsjahr 2007 dazu Stellung nehmen müssen. Bei der Commerzbank ist die Bilanzpressekonferenz für den 14. Februar angesetzt.
Bundesbank-Chef Weber ist skeptisch, dass die Jahresabschlussberichte der Banken bereits vollständige Klarheit bringen. Die Bilanzierungsregeln ließen Spielraum bei der Bewertung, sagte er. Außerdem haben Fälle wie jener der Hypo Real Estate gezeigt, dass einige Bankenvorstände offenbar schlichtweg keinen genauen Überblick darüber haben, welch gefährliches Material noch in ihrem Portfolio schlummert - und wie viel ihre Kreditderivate wirklich wert sind.
In den USA melden unterdessen weitere Institute Quartalszahlen, und wieder gibt es massive Abschreibungen. Die Bank of America
teilte am Dienstag mit, wegen der Kreditkrise 5,3 Milliarden Dollar abschreiben zu müssen. Auch der US-Bank Wachovia
verhagelten neue Wertberichtigungen das Ergebnis.
hil/Reuters/dpa
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