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Initiative gegen Abzocker Wie ein Schweizer Unternehmer Top-Managern auf den Leib rückt

2. Teil: "Jetzt begreift es auch der Letzte"

Vier Jahre lang war Trybol außerdem Hoflieferant der Fluggesellschaft Swiss: "Eau de Toilette, Hand-Lotion, Lippenbalsam, Feuchtigkeitscreme, Zahnpasta, Zahnbürste", zählt Minder auf. "Aber damit ist es jetzt vorbei, wir sind rausgeflogen", sagt er leise und fast ein wenig traurig. Das Nachfolgeprodukt werbe zwar mit Swiss Science, aber hergestellt werde es in Dublin. "Das ist mir schon nahe gegangen", sagt Minder und streicht dabei seine Krawatte mit den vielen, kleinen Schweizer Kreuzen glatt.

Trybol-Mundwasser: Bei Swiss ausgelistet

Trybol-Mundwasser: Bei Swiss ausgelistet

Ob Zufall oder nicht: Seiner Initiative kommt genau zur rechten Zeit, die aktuellen Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten freuen ihn. "Uns hätte nichts besseres passieren können, als das mit der UBS", sagt er und klatscht triumphierend in die Hände: "Dank den Milliarden-Abschreibern begreift nun auch der Letzte, dass der Lohn und die persönliche Leistung von UBS-Chef Ospel in keinem Verhältnis stehen."

Dabei ist seine Idee keineswegs revolutionär: Die Linken versuchen seit jeher, die Reichen stärker zu besteuern oder ihre Einkommen zu begrenzen. Minder aber ist ein strammer Bürgerlicher. Ein Bewunderer des rechtskonservativen Christoph Blochers gar, der die kürzliche Abwahl des SVP-Bundesrates aus der Regierung "total falsch" fand. Tatsächlich wird Minders Plan zur Einführung einer Aktionärsdemokratie im urschweizerischen Sinne von einem Sammelsurium linker Gruppierungen unterstützt - ein Umfeld, das Minder nicht ganz geheuer ist: "Das ist keine Bewegung von Linken, Grünen, Sozis und Arbeitslosen. Unser Anliegen kapiert man bis weit, weit ins bürgerliche Lager."

Keine einzige Initiative findet sich im Gesetz

Kein Wunder also, dass er sich Unterstützung vom konservativen Bürgertum holt: "Die Generalversammlung soll über die Entschädigung von Verwaltungsräten und Geschäftsleitung bestimmen können", hatte Blocher schon 2003 gesagt - das Zitat wird in allen E-Mails Minders aufgeführt. Für die parallel laufende Revision des Schweizer Aktienrechts war Blocher bis zu seiner Abwahl als Justizminister sogar zuständig. Minder stand dabei jahrelang in regelmäßigem Kontakt mit dem SVP-Mann.

Geholfen hat es allerdings nichts: Ende Dezember wurde die Gesetzesrevision vorgestellt. "Blocher hat nicht ein einziges Element unserer Initiative in den Gesetzestext aufgenommen. Keine einzige unserer 24 Forderungen." Minder hält für einen Moment inne. "Abfindungen? Noch erlaubt! Vergütungen im Voraus? Noch erlaubt! Prämien bei Firmenkäufen und -verkäufen? Alles noch erlaubt!"

Dass Blocher vielleicht gar kein Interesse hat, die von ihm beschworene Aktionärsdemokratie einzuführen? "Unmöglich!" Es ist dieser Widerspruch, den viele SVP-Anhänger nicht wahrhaben wollen, denn die wählerstärkste Partei der Schweiz hat eine patriotische Maske über ihr neoliberales Gesicht gestülpt.

Eines immerhin haben die Initiatoren gleich prüfen lassen: Ob die Umsetzung rechtlich überhaupt möglich ist. Sie ist es - der Initiativtext wurde von mehr als einem Dutzend Experten, Strafrechtsprofessoren und Staatsrechtlern geprüft. "Sie haben an der Umsetzung nicht gezweifelt", heißt es bei Trybol. An welcher Börse das Unternehmen notiert ist, spielt dabei keine Rolle. Allerdings wären nur Firmen mit Sitz in der Schweiz davon betroffen - also Firmen wie UBS Chart zeigen, Novartis Chart zeigen oder Roche Chart zeigen.

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