Wirtschaft



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23.01.2008
 

WestLB

Politiker befürworten Job-Kahlschlag

Die WestLB bekommt Unterstützung für ihre Job-Abbaupläne: Mehrere Politiker stellten sich hinter die Entscheidung. Die Bank erwägt zudem einen Rechtsstreit gegen die Rating-Agentur Fitch - deren desaströse Bewertung "entbehre jeder Grundlage".

Düsseldorf - Jürgen Rüttgers (CDU) hat der gebeutelten WestLB in punkto Job-Abbau den Rücken gestärkt. Die momentane Krise werde Auswirkungen haben - auch im Personalbereich, sagt der nordrhein-westfälische Ministerpräsident.

Ministerpräsident Rüttgers: Auswirkungen im Personalbereich
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DPA

Ministerpräsident Rüttgers: Auswirkungen im Personalbereich

Das Land Nordrhein-Westfalen ist mit einem Anteil von direkt und indirekt rund 38 Prozent größter Einzelaktionär der WestLB. Noch vor wenigen Tagen setzte sich Rüttgers massiv für die Belange der Nokia-Beschäftigten in Bochum ein. An Nokia hält NRW keine Anteile.

Der nordrhein-westfälische Finanzminister Helmut Linssen (CDU) hält einen Job-Abbau bei der WestLB sogar für "unumgänglich". Er dementiert allerdings, dass bereits ein fertiger Plan zum Verzicht auf 2000 Stellen existiere.

Verschiedene Medien hatten am Wochenende berichtet, die WestLB plane einen Job-Kahlschlag, um künftigen Verlusten vorzubeugen. Die Bank war durch Fehlspekulationen und die Auswirkungen der internationalen Finanzkrise tief in die roten Zahlen gerutscht. Für 2007 wies sie nach eigenen Angaben einen Jahresverlust von rund einer Milliarde Euro aus.

WestLB erwägt Klage gegen Fitch

Trotz herber Verluste steht die WestLB nach eigener Ansicht besser da als manche behaupten: Gegen eine Bonitätsbewertung der Rating-Agentur Fitch erwägt das Institut sogar eine Klage. Fitch hatte seine Bewertung für die WestLB gestern auf "F" gesenkt - die schlechteste Note überhaupt. "Wir prüfen rechtliche Schritte", bestätigt WestLB-Chef Alexander Stuhlmann. "Die Analyse entbehrt jeder Grundlage."

Ein WestLB-Sprecher sagte, die WestLB habe keine vertraglichen Beziehungen mehr mit Fitch - die Agentur verfüge gar nicht über genug Informationen, um eine solche Bewertung durchzuführen. Offizielle Rating-Agentur der Bank sei derzeit Moody's, sagt Stuhlmann - und die hätte die Liquidität der WestLB als zufrieden stellend beschrieben.

Ex-Vorstand meldet Unregelmäßigkeiten bei Boxclever-Kredit

Im Untreue-Prozess gegen den ehemaligen WestLB-Chef Jürgen Sengera wies ein ehemaliges Vorstandmitglied auf Unregelmäßigkeiten hin. Die Antragsteller für den umstrittenen Boxclever-Kredit hätten unter anderem bei Bonitätsangaben die übliche Garantie abgelehnt.

"Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich das Geschäft gestoppt", sagte Ex-Vorstand Hans-Henning Offen vor dem Düsseldorfer Landesgericht. "Das stand in der Kreditvorlage nicht drin." Ob Sengera von der fehlenden Garantie gewusst habe, könne er nicht sagen, berichtete der Banker.

Die Staatsanwaltschaft wirft Sengera vor, einen 1,35-Milliarden-Euro-Kredit an den britischen TV-Geräte-Verleiher Boxclever zu leichtfertig bewilligt zu haben. Der Ex-WestLB-Chef habe das Kreditrisiko nicht hinreichend geprüft. Als Boxclever Insolvenz anmeldete, entstand der WestLB ein Schaden von mindestens 427 Millionen Euro. Sengera wies die Vorwürfe zurück.

WestLB könnte weitere Milliardenspritze benötigen

Um die Zukunft der von der weltweiten Kapitalmarktkrise gebeutelten Bank zu sichern, das Land Nordrhein-Westfalen, die Landschafts- und die Sparkassenverbände beschlossen, eine Kapitalspritze von zwei Milliarden Euro zu gewähren. Laut "Financial Times Deutschland" zeichnet sich bereits weiterer Kapitalbedarf ab.

Den nordrhein-westfälischen Sparkassenvorständen sei gestern in Arbeitssitzungen erklärt worden, dass die Bank außerbilanzielle Engagements in Höhe von circa 30 Milliarden Euro habe. Davon seien derzeit nur etwa sieben Prozent wertberichtigt worden. Nach Meinung mehrerer Wirtschaftsprüfer besteht aber ein Berichtigungsbedarf von etwa 15 Prozent.

Die nordrhein-westfälische Regierung und Opposition haben sich in einer Landtagsdebatte lautstark über die Verantwortung für die Krise der WestLB gestritten. Redner von SPD und Grünen warfen der schwarz-gelben Landesregierung vor, ein "Desaster" bei der Bank angerichtet zu haben, für das nun die Steuerzahler einspringen müssten. Ministerpräsident Rüttgers wies die Vorwürfe zurück.

ssu/AP/dpa/ddp/Reuters

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