Halle - Der von der SPD angestrebte Mindestlohn würde breite Schichten der Arbeitnehmer erfassen: Laut einer Studie des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) verdienten 2006 fast 20 Prozent der Angestellten in Ostdeutschland weniger als 7,50 Euro die Stunde. In Westdeutschland sei es jeder Zwölfte gewesen, teilte das IWH mit.
Das Institut beruft sich auf eine Auszählung des sozio-ökonomischen Panels. Im Jahr 2000 hätten sich in Ostdeutschland 25 Prozent und in Westdeutschland 9 Prozent der Beschäftigten in dieser Gruppe befunden. Ein Mindestlohn von 7,50 Euro entspräche bei einer 40-Stunden-Woche rund 1300 Euro brutto monatlich.
Völlig unklar ist nach Ansicht des IWH, wie ein Mindestlohn wirken würde. Experten vermuten, dass vor allem im Niedriglohnsektor massiv Jobs verloren gehen könnten. Betroffen seien vor allem Arbeitsplätze, die nicht durch die Produktivität der Mitarbeiter gedeckt seien, vermuten die Forscher vom IWH. Die Unternehmen könnten einfach die unbezahlten Überstunden erhöhen - wodurch ein Teil der Beschäftigten überflüssig würde.
Offen sei auch, wie sich ein Mindestlohn auf die Arbeitskosten der Unternehmen auswirken würde. Sollten die Unternehmen in der Folge die Preise ihrer Produkte erhöhen, bedeute dies einen sinkenden Reallohn. Auch das wäre hochgradig unsozial. "Das Ziel existenzsichernder Löhne würde so nicht erreicht", schreibt das IWH.
Gegen den Mindestlohn in der Postbranche hagelte es heute bereits harte Kritik: Bernhard Heitzer, der Präsident des Bundeskartellamts, nennt ihn einen "ordnungspolitischen Sündenfall". Eine Lohnuntergrenze würde den Wettbewerb gefährden und "die Marktmacht der Deutschen Post AG zementieren" .
ssu/dpa/ddp
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