Hamburg/Bochum - Nettes Geplänkel, mehr aber auch nicht: Obwohl sich der finnische Handy-Hersteller Nokia gestern bei einem Krisentreffen mit Vertretern der nordrhein-westfälischen Landesregierung und der Bundesregierung kooperativ gezeigt hat, hält der Konzern an der umstrittenen Schließung seines Bochumer Werks fest. Der Vorstand des Konzerns sehe keinen Grund, seine Entscheidung zu revidieren, berichtet die "Bild"-Zeitung heute. Das Blatt zitiert Konzern-Sprecherin Arja Suominen mit den Worten: "Es ist unwahrscheinlich, dass wir zu neuen Erkenntnissen kommen, die uns von unserer Entscheidung abbringen."
Suominen betonte allerdings, die Gespräche mit der Landesregierung seien konstruktiv verlaufen. Nokia werde mit Bund und Land an innovativen Lösungen zur Unterstützung der Region Bochum arbeiten. Nokia hatte vor rund zwei Wochen angekündigt, die Produktion aus Kostengründen zur Jahresmitte aus der Ruhrgebietsstadt abzuziehen. Der größte Teil soll nach Rumänien verlagert werden. In Bochum arbeiten rund 2300 fest angestellte Mitarbeiter und 1000 Leiharbeiter.
Die Entscheidung hatte bei Mitarbeitern und in der Öffentlichkeit für Empörung gesorgt, da das Werk rentabel arbeitet. Heute berichtet die "Rheinische Post" sogar, dass die Kapazität des Werkes mit einer Einmal-Investition von 14,3 Millionen Euro ohne zusätzliche Mitarbeiter verdoppelt werden könnte. Die Zeitung beruft sich dabei auf ein internes Konzeptpapier, an dem die Bochumer Nokia
-Belegschaft schon seit einem Jahr gemeinsam mit dem örtlichen Management gearbeitet haben soll. Damit hätte das Bochumer Werk die Produktivität des neuen Nokia-Werkes in Rumänien erreicht, zu dessen Gunsten Bochum geschlossen werden soll.
Außerdem wird nach Informationen der Zeitung darüber diskutiert, ob in Bochum eine Testlinie aufrecht erhalten werden kann, an der bis zu hundert Nokia-Beschäftigte die Montage neuer Handy-Modelle prüfen sollen. Diese Testlinie soll Gesprächsgegenstand des Arbeitskreises sein, in dem Mitglieder der Landesregierung und das Management des Handy-Herstellers nach Lösungen für die Mitarbeiter des Bochumer Werkes suchen wollen.
Der SPD-Bundesvorsitzende Kurt Beck forderte den finnischen Handhersteller unterdessen auf, das geplante Aus für das Bochumer Werk zu überdenken. "Der Kampf um Nokia in Bochum ist noch lange nicht verloren", sagte Beck gestern Abend auf einem Parteitag der SPD in Bochum-Wattenscheid. Im Hinblick auf gezahlte Subventionen sagte er, Nokias Verhalten sei, wenn nicht unbedingt im juristischen Sinne, so doch politisch "nackter Betrug". Zudem müsse die europäische Subventionspolitik überprüft werden. Bei der Globalisierung dürften Menschen nicht "Versuchskaninchen" sein.
sam/AFP/Reuters/dpa
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