New York - Das Geld wird in den USA schon wieder billiger: Die US-Notenbank gab bekannt, den Leitzinssatz um weitere 0,5 Prozentpunkte auf nunmehr drei Prozent zu senken. Der Diskontsatz sinkt ebenfalls um einen halben Punkt auf nunmehr 3,5 Prozent. Es ist die zweite Senkung binnen acht Tagen: Erst am Dienstag vergangener Woche hatte die Fed den Leitzinssatz um einen dreiviertel Prozentpunkt auf 3,5 Prozent gedrückt.
An der Wall Street verursachte die Maßnahme Euphorie. Der Dow Jones
Einen herben Dämpfer musste der Dollar hinnehmen. Er fiel zum Euro
um rund einen dreiviertel Cent. Der Leitzins in den USA liegt nun 100 Basispunkte unter dem der Euro-Zone. Dadurch werden Finanzanlagen im Dollar-Raum unattraktiver als in der Euro-Zone.
Nach Angaben der Fed fiel die Entscheidung mit 9:1 Stimmen. Der jüngste Zinsschnitt solle gemeinsam mit dem in der vorigen Woche "im Zeitverlauf maßvolles Wachstum fördern und die Risiken für die Wirtschaft mindern", begründete die Fed ihre Entscheidung. Dennoch gebe es weiter Gefahren für das Wachstum. Derzeit stünden die Finanzmärkte noch "unter beträchtlichem Stress". Die Notenbank erwartet darüber hinaus, dass sich der Preisauftrieb in den nächsten Quartalen abschwächt.
Konjunktur in den USA kühlt sich deutlich ab
Neue Konjunkturdaten offenbaren eine deutliche Abkühlung der US-Wirtschaft. Im vierten Quartal 2007 wuchs das Bruttoinlandsprodukt laut US-Handelsministerium nur noch mit einer hochgerechneten Jahresrate von 0,6 Prozent. Im Vorquartal lag das Wachstum noch bei 4,9 Prozent. Die US-Wirtschaft wuchs den Angaben zufolge 2007 um 2,2 Prozent - so gering wie seit fünf Jahren nicht mehr. Ex-Notenbankchef Greenspan warnte offen vor einer Rezession in den USA.
Der Leitzins ist der fundamentale Zinssatz, zu dem sich die Banken untereinander Geld leihen. Je niedriger der Zinssatz ist, desto leichter können Kredite vergeben werden. Auf diese Weise sollen Unternehmen zu Investitionen angeregt werden - auch an der Börse wirkt ein niedriger Zinssatz stimulierend.
Die neuerliche Zinssenkung beim turnusmäßigen Treffen der Notenbanker unter Vorsitz ihres Präsidenten Ben Bernanke war erwartet worden. Sie könnte nicht die letzte in diesem Jahr gewesen sein: Marktteilnehmer rechnen damit, dass der Leitzins noch viel mehr senken muss, um eine Rezession in den USA abzuwenden. Mehrere Analysten rechnen damit, dass er bis Ende 2008 auf zwei Prozent sinken könnte. Merrill-Lynch-Chefökonom David Rosenberg rechnet sogar damit, dass die Fed auf ein Prozent heruntergehen muss.
Im Gegensatz zur US-Notenbank scheinen die europäischen Währungshüter keine baldige Zinssenkung zu planen. Erst am Wochenende hatte Bundesbank-Präsident Axel Weber, der auch Mitglied im Rat der Europäischen Zentralbank ist, in einem Interview erklärt: "Wir legen unseren Konjunktur- und Inflationsausblick für den Euro-Raum unseren geldpolitischen Beschlüssen zugrunde. Dieser Ausblick ist gegenwärtig ein anderer als in den USA." Die EZB hält ihren Schlüsselzins seit gut einem halben Jahr bei 4 Prozent.
ssu/AFP/AP/dpa/ddp/Reuters
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