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Kompromiss bei der Bahn Gewerkschaftsbasis rebelliert gegen Schell

2. Teil: "Der Vertrag hebelt die Konkurrenz unter den Gewerkschaften aus"

Arbeitsrechtler Eduard Picker von der Universität Tübingen versteht die Freude des Konzerns sogar zum Teil. "Der Vertrag ist in einem Punkt sehr nach dem Geschmack der Bahn", sagt er. "Er hebelt die Konkurrenz unter den Gewerkschaften teils aus." Denn weil für ganze Berufsgruppen verhandelt werden soll, sei die Gefahr gebannt, dass Transnet-Lokführer weniger verdienen als die der GDL - so schaukelten sich die Gewerkschaften in ihren Forderungen nicht gegenseitig hoch.

Aber: Der Abschluss ist teuer. 1,6 Milliarden Euro kosteten alle Ergebnisse in den kommenden fünf Jahren, erklärte Suckale. Die letztlich auch unter Vermittlung von Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) erzielten bisherigen Zugeständnisse der Bahn machten Bahnchef Hartmut Mehdorn so wütend, dass er Anfang Januar kurz nach dem Durchbruch bei den Verhandlungen eine Brandrede hielt. Wegen der enormen Kosten müsse ein hartes Sparprogramm aufgelegt werden, polterte der Konzernchef und deutete Preiserhöhungen und Personalabbau an. Nicht zuletzt fürchtet er wohl um die Wirkung der Querelen auf potentielle Investoren für einen Börsengang der Bahn.

"Und dann wurde das Fahrpersonal geopfert"

Hinzu kommt: Inwiefern sich die Bahn-Gewerkschaften künftig vor ihren jeweiligen Lohnverhandlungen absprechen müssen, ist noch immer nicht geklärt. Darüber verhandeln GDL, Transnet und GDBA kommende Woche weiter.

Schell behauptet immer noch, es sei gar keine Absprache bei Löhnen und Arbeitszeiten nötig. Suckale wollte heute dazu erst einmal gar nichts sagen: Sie wolle "nicht vorgreifen" - schloss aber aus, dass die Einigung daran noch scheitern könnte. "Ich bin sicher, dass es zu einer Vereinbarung kommen wird." Bisher hatte der Konzern immer darauf bestanden, die Gewerkschaften müssten sich vor ihren Lohnverhandlungen einig werden, "wie sie den Kuchen verteilen". Sollte die Bahn auch noch in diesem Punkt nachgeben, wäre das ein weiterer Rückschlag.

Schell zumindest ist überzeugt, sich auch in diesem Punkt durchzusetzen. Das wäre schon ein großer Erfolg für die Gewerkschaft, sagen auch Lokführer Fourmont und seine Kollegen an. Aber den Preis dafür finden sie hoch: "Es gab einige Absurditäten bei den Verhandlungen", sagt einer. "Wie etwa das Fahrpersonal als Verhandlungsmasse eingesetzt wurde." Anfangs hatte Schell noch für Lokführer, Schaffner und anderes Fahrpersonal gemeinsam verhandelt, "dann wurde das Fahrpersonal geopfert".

Neuer Tarifstreit ab 2009?

Dann sei auch noch alle Kritik der Basis "abgeblockt worden", beschwert sich der Lokführer. "Das wollen wir uns auch nicht gefallen lassen. Das sind schon Verhältnisse wie bei der Transnet."

Gegen das Verhandlungsergebnis vorgehen wollen die Gewerkschafter dennoch nicht - zumal Gewerkschaftsführer Schell zufolge sowieso keine Urabstimmung für die Durchsetzung nötig ist. Lediglich die große Tarifkommission der Bezirksvorstände müsse zustimmen, erklärt er.

Am Ende bleibt er auf dem Weg zu einem Fernsehinterview aber doch noch bei den unzufriedenen Basismitgliedern stehen. "Jetzt wartet doch erst einmal ab!", beschwichtigt er. Ein bisschen Arbeit müsse ja auch noch für die Zukunft übrig bleiben. Der neue Tarifvertrag gilt gerade mal bis zum 31. Januar 2009.

"Ich prophezeie Ihnen, dann gibt es neuen Ärger", sagt auch Arbeitsrechtler Picker. Denn dann würde die GDL bestimmt versuchen, auch die Verhandlungshoheit für das Fahrpersonal noch an sich zu ziehen.

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