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Milliardenangebot Microsoft will Yahoo kaufen - Großangriff auf Google

2. Teil: Übernimmt sich Microsoft mit dem Mega-Angebot?

Verzweifelt versucht Microsoft jetzt das Versäumte gut zu machen. Nach Zahlen des Online-Marktforschers Nielsen hatte der Software-Konzern im Dezember aber trotz aller Bemühungen zur Stärkung seiner Web-Plattformen MSN und Windows Live bei der Internet-Suche in den USA nur einen Marktanteil von zwölf Prozent. Binnen Monatsfrist war das ein Rückgang um 1,8 Prozentpunkte. Yahoos Anteil wurde ebenfalls kleiner, fiel auf 18,8 Prozent - kaum größer aus als der von Microsoft. Spitzenreiter Google konnte den Marktanteil dagegen von 55,5 auf 57,7 Prozent ausbauen - in Europa lag dieser Wert noch deutlich höher.

Der Kauf von Yahoo soll im zweiten Halbjahr abgeschlossen sein. Die Kosteneinsparungen sollen bei mindestens einer Milliarde Dollar liegen, teilte Microsoft mit. Und trotzdem steht die Frage im Raum: Übernimmt sich Microsoft mit dem Mega-Angebot?

"Den Rückstand aufholen"

"Es sieht so aus, als ob Microsoft einen hohen Preis zahlt", sagt Alexander Rummler, Analyst bei der Bayerischen Landesbank. Schon einmal habe Microsoft sehr viel Geld für eine Übernahme hingelegt - bei der Beteiligung an Facebook. "Offensichtlich will Microsoft den Rückstand gegenüber Google aufholen." Bisher konnten weder Microsoft noch Yahoo bei der Internet-Werbung und im Suchmaschinengeschäft zum Branchenführer Google Chart zeigenaufschließen. Sind Microsoft und Yahoo die richtigen Partner?

Experte Rummler ist eher skeptisch. "Bisher war Microsoft bei Internet-Anwendungen nicht besonders erfolgreich." Immerhin böten sich Chancen, wenn Microsoft und Yahoo ihre Internet-Plattformen zusammenlegen. "Zusammen können sie attraktive Inhalte anbieten. Googles Stärke ist dagegen nach wie vor die Suchmaschine."

Die großen Drei: Microsoft, Google und Yahoo im Vergleich
Google Microsoft
und Yahoo
Microsoft Yahoo
Umsatz in Mrd. US-Dollar* 16,59 58,1 51,12 6,97
Gewinn in Mrd. US-Dollar* 4,20 14,73 14,07 0,66
Mitarbeiter 16.800 93.300 79.000 14.300
Suchanfragen weltweit in Mrd. 37,1 10,7 2,2 8,6
Anteil der Suchanfragen weltweit 60,8% 17,5% 3,5% 14,0%
Suchanfragen mobil USA in Mio. 6,3 5,4 1,2 4,2
Anteil Suchanfragen mobil USA 38,3% 32,7% 7,3% 25,4%
E-Mail-Accounts in Mio. 51 518 256 262
* Zahlen für Geschäftsjahr 2007
Stand: Februar 2008, Quelle: Unternehmensinformationen
Gefahr von Ineffizienzen in dem neuen Großkonzern sieht Rummler nicht. Im Gegenteil: Schon bald ließen sich Synergien nutzen. "Da lässt sich einiges sparen." Yahoo hatte ohnehin angekündigt, 1000 Stellen zu streichen - daraus könnten jetzt zusammen mit Microsoft noch mehr werden.

Andere Fachleute sehen den geplanten Deal optimistischer. "Jetzt kommt der Großangriff auf Google", sagt der Analyst einer großen Investmentbank, der nicht genannt werden möchte. "Die Profitabilität von Microsoft und Yahoo wird deutlich steigen."

"Auf Dauer wäre es für Yahoo alleine schwer"

Thomas Liskamm von der Dresdner Bank bewertet das Übernahmevorhaben ebenfalls positiv. "Yahoo-Aktionäre können sich freuen." Dies gelte nicht nur wegen des deutlichen Kurssprungs heute. Auch langfristig verspreche das Zusammengehen mit Microsoft stabiles Wachstum. "Das abgelaufene Jahr war für Yahoo ein harter Kampf", sagt Liskamm. "Auf Dauer wäre es für das Unternehmen schwer, sich alleine zu behaupten."

Aber auch aus Sicht eines Microsoft-Aktionärs hält der Experte das Geschäft für interessant. "Heute ist die Aktie zwar gefallen, langfristig ist der strategische Nutzen aber immens." Microsoft bekomme mit Yahoo einen "hervorragenden Markennamen". Yahoo sei noch immer eine der meistbesuchten Web-Seiten in den USA, das Unternehmen habe eine beträchtliche Mitgliederzahl.

"Die Internet-Plattform von Yahoo und die Multimedia-Angebote von Microsoft können sich gut ergänzen", sagt Liskamm. Technisch ließe sich beides leicht zusammenführen, wodurch Microsoft im Vergleich zum Aufbau eines eigenen Angebots viel Zeit spare.

Nur auf der menschlichen Ebene könnte es Reibungspunkte geben, sagt Liskamm. "Die Kultur ist bei Yahoo offener als bei Microsoft. Da wird es sicher den ein oder anderen Diskussionspunkt geben."

Den Preis, den Microsoft für Yahoo zahlen will, hält Liskamm für "sehr fair". Das Unternehmen wolle den Übernahmeprozess offenbar beschleunigen und lange Verhandlungen vermeiden. "Da zeigt man sich eben großzügig."

Das Geschäft könnte sich für Microsoft trotzdem lohnen - einfach deshalb, weil es dem Konkurrenten Google schadet. "Microsoft wird sich Marktanteile holen", sagt Liskamm. "Für Google wird der Wettbewerb sicher anspruchsvoller. Der ein oder andere Werbekunde könnte an Microsoft/Yahoo! verloren gehen."

Mit Material von AP, dpa, Reuters

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