Seattle - Es ist wirklich keine Liebe auf den ersten Blick. Schon im vergangenen Jahr war Microsoft
mit einer ersten, noch heimlichen Kaufofferte bei Yahoo
abgeblitzt. Auch das neue, öffentliche Gebot im Wert von 45 Milliarden Dollar stößt bei Yahoo auf wenig Begeisterung.
Das Webportal will nun alle denkbaren Alternativen untersuchen - dabei sollten auch die Chancen ausgelotet werden, weiterhin unabhängig zu bleiben, teilte Yahoo am Wochenende auf seiner Internetseite mit. "Ein Abwägungsprozess wie dieser ist ständig im Fluss und kann eine ganze Weile dauern."
Denkbar ist auch, dass Yahoo von anderen Firmen eine Offerte einholen wird. Das Yahoo-Management erklärte, man werde diese Optionen ebenfalls prüfen. Als mögliche Bieter werden unter Analysten Comcast
, Viacom und General Electric
gehandelt.
Der Kabelfernsehanbieter Comcast hatte schon 2003 mit einem feindlichen - und letztlich gescheiterten - Übernahmeangebot für Disney versucht, groß ins Mediengeschäft einzusteigen. Viacom kontrolliert das Filmstudio Paramount und ist unter anderem am Filmlabel Dreamworks und dem Spielehersteller Sega of America beteiligt. Die wichtigste Medientochterfirma des Elektronik-Mischkonzerns GE ist der Fernsehkanal NBC.
Integration und Kultur-Clash als Knackpunkte
Microsoft hat die Messlatte allerdings sehr hoch gelegt. Nur wenige Firmen verfügen über genügend Geld, um die 45-Milliarden-Dollar-Offerte aus Seattle zu toppen. Die Yahoo-Aktien verteuerten sich nach Bekanntwerden des Gebotes am Freitag um knapp 50 Prozent.
An der Wall Street wurde auch vermutet, dass Beteiligungsgesellschaften und die News Corporation
des Multimilliardärs Rupert Murdoch als mögliche Bieter für Yahoo in Frage kommen. News Corp. hatte derlei Spekulationen aber schon am Freitag eine Absage erteilt.
Bei Experten stößt Microsoft mit seinem Vorstoß nicht nur auf Zustimmung. Die Zusammenführung beider Firmen werde sicherlich lange dauern, sagte Toan Tran von Morningstar. Die jüngste Restrukturierung bei Yahoo würde die ohnehin schwierige Eingliederung noch komplizierter zu machen.
Vor allem die unterschiedliche Firmenkultur könnte zu Schwierigkeiten führen. Experten befürchten, dass besonders gute Mitarbeiter zu Google oder anderen Firmen flüchten. Anders als bei vielen Unternehmen, die über Sachgüter oder wertvolle Patente verfügen, sind die Mitarbeiter, ihr Wissen und ihre Motivation das wichtigste Gut bei Yahoo.
itz/Reuters/dpa-AFX
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