San Francisco - Noch hat Finanzchef Chris Liddell offenbar nicht ganz genau nachgerechnet - zumindest drückte er sich ziemlich vage bei der Frage aus, wie Microsoft
die anvisierte 45-Milliarden-Dollar-Übernahme von Yahoo
denn stemmen will. "Wenn Sie sich den Baranteil anschauen, das werden mehr als 20 Milliarden Dollar sein", erklärte er. "Wir könnten das meiste davon durch unsere Barreserven bezahlen, aber es ist wahrscheinlich, dass wir uns tatsächlich zum ersten Mal etwas leihen." Microsoft will die Yahoo-Aktionäre je zur Hälfte in bar und zur Hälfte mit eigenen Aktien bezahlen.
Eine genaue Prognose, wie sich die Übernahme auf das Ergebnis von Microsoft auswirkt, wollte Liddell ebenfalls nicht geben. "Das hängt davon ab, wie schnell wir die Übernahme stemmen können." In einigen Monaten werde es eine genauere Prognose geben, sagte der Finanzchef.
Noch dazu werden immer mehr Zweifel laut, ob es gelingt, die unterschiedlichen Unternehmenskulturen von Yahoo und Microsoft zu integrieren. Experten vermuten, dass eine ganze Reihe Talente von Yahoo zu Google oder anderen Konkurrenten abwandern könnte. "Wenn Sie eine Intelligenzbestie von Ingenieur in der Suchsparte oder einer anderen Abteilung von Yahoo sind, wollen Sie dann wirklich von der Microsoft-Kultur vereinnahmt werden, wo das Internet vielleicht nicht so viel zählt?", fragt etwa Bob Peck von Bear Stearns. "Der Zusammenprall der Kulturen wird eines der großen Probleme sein." Und Toan Tran von Morningstar sagt zu der Integration: "Das wird auf jeden Fall ein langer Prozess."
Trotzdem erklärte Microsoft-Chef Steve Ballmer heute nochmals, er sehe keine Alternative zum Kauf von Yahoo. Mit dem Deal will er Erzkonkurrent Google auf dem lukrativen Online-Werbemarkt endlich die Stirn bieten, wo Google bisher noch die unangefochtene Nummer eins ist. "Wir brauchen die gemeinsame Forschungs- und Entwicklungskapazität, um mit dem Marktführer mitzuhalten", sagte Ballmer auf einer Analystenkonferenz. Durch den Zusammenschluss entstünde eine starke Nummer zwei bei der Internet-Suche.
Das Angebot für Yahoo bezeichnete Ballmer als "großzügig". Die Offerte lag rund 60 Prozent über dem Schlusskurs vom Donnerstag. Eigentlich könnte man meinen, das Angebot käme genau zur rechten Zeit: Die Yahoo-Aktie hatte in den vergangenen Monaten an Wert verloren, war das Internet-Urgestein doch immer weiter gegenüber Google ins Hintertreffen geraten. Konzernchef und Firmenmitgründer Jerry Yang musste jüngst sogar den Abbau von 1000 der 14.300 Arbeitsplätze verkünden. Nach der Offerte von Microsoft gewann das Papier zwischenzeitlich mehr als 60 Prozent an Wert.
Trotzdem gibt man sich bei Yahoo zögerlich - nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters wird die Microsoft Offerte intern als zu gering angesehen. So ist der Deal noch keinesfalls sicher. Zumal Google-Chef Eric Schmidt Yang offenbar
telefonisch seine Hilfe angeboten hat. Das berichtete das "Wall Street Journal" unter Berufung auf Insider. Eine Gegenofferte zu dem Microsoft
-Angebot von rund 45 Milliarden Dollar habe Schmidt zwar nicht angedeutet, möglicherweise aber die Unterstützung für einen anderen Bieter sowie eine Partnerschaft mit Yahoo bei der lukrativen Werbung im Internet, zitierte das Blatt nicht näher genannte Insider.
Was das Angebot von Google-Chef Schmidt konkret bedeutet, ist noch unklar. Bislang seien noch keine Gegenangebote zur Microsoft-Offerte bei Yahoo eingegangen, hieß es bei Yahoo. Der Verwaltungsrat habe auch noch keine Entscheidung über die Microsoft-Offerte getroffen, hieß es in dem Bericht weiter. Das Unternehmen hatte am Wochenende erklärt, man werde alle strategischen Optionen prüfen.
Über die Art einer mögliche Zusammenarbeit von Yahoo und Google
wird unter Experten heftig spekuliert. So könnte Yahoo seine eigene Internet-Suche kostengünstig auslagern und über die Google-Suche laufen lassen. Auch Gegengebote anderer Interessenten gelten als möglich. Denkbar seien private Investoren oder Medienkonzerne wie die News Corp.
des Multimilliardärs
Rupert Murdoch, hieß es in US-Medien. Allerdings wird eine solche Gegenofferte angesichts der Höhe des Microsoft-Angebots als nur schwer finanzierbar angesehen.
Wie sehr die Microsoft-Offerte für Yahoo Erzkonkurrent Google aufgeschreckt hat, zeigt eine Online-Veröffentlichung von Google-Topjurist David Drummond. "Microsofts feindliches Übernahmeangebot wirft beunruhigende Fragen auf", schrieb er. Es handele sich nicht nur um eine finanzielle Transaktion die Grundsätze des Internets seien in Gefahr. Offenheit und Innovation, schrieb Drummond. Er warnte davor, Microsoft könne eine Monopolstellung anstreben.
ase/AP/dpa-AFX/Reuters
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