Hamburg - Es geht um Kinder, Moral - und viel Geld. Rund 90 Millionen Euro sammelt Unicef in Deutschland jährlich ein. Tausende Menschen spenden in dem Glauben, dass sie damit notleidenden Kindern helfen. Doch kommt das Geld tatsächlich dort an, wo es gebraucht wird?
In der Presse werden schwere Vorwürfe gegen Unicef erhoben. Die Organisation soll hohe Verwaltungskosten haben, sie soll saftige Provisionen an Spendensammler zahlen und sie soll teure Beraterdienste in Anspruch genommen haben.
Am Wochenende dann der Eklat: Heide Simonis, die Vorsitzende von Unicef Deutschland, tritt zurück. Die ehemalige Ministerpräsidentin von Schleswig-Holstein galt als Aufklärerin, die in dem Kinderhilfswerk für mehr Transparenz sorgen wollte. Sie stieß auf heftigen Widerstand. Laut "Frankfurter Rundschau" erhoben bei der vergangenen Vorstandssitzung zahlreiche Funktionäre das Wort gegen Simonis.
Die "Bild"-Zeitung berichtet, mehrere Vorstände hätten Simonis vorgeworfen, die Kölner Staatsanwaltschaft mit Informationen versorgt zu haben, die sich gegen Unicef-Geschäftsführer Dietrich Garlichs richten. Garlichs galt als Simonis' Gegenspieler. Simonis selbst sagt, sie habe den Vorstand sofort informiert, als sie sich an die Staatsanwaltschaft wandte. An der Basis wiederum gibt es Arbeitsgruppen, die sich hinter Simonis gestellt haben - und den Rückzug des Geschäftsführers verlangen.
Für zusätzliche Verwirrung sorgt ein Bericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG. Unicef hatte die externen Kontrolleure im Dezember beauftragt, massive Anschuldigungen zu untersuchen, die gegen die Organisation erhoben wurden.
Mitte Januar stellte KPMG die Ergebnisse dem Unicef-Vorstand vor. Kurze Zeit später gab das Kinderhilfswerk eine Pressemitteilung heraus. Deren Kernaussage: Alle Vorwürfe seien widerlegt, es habe keine Unregelmäßigkeiten gegeben. Eine starke Übertreibung, wie sich heute herausstellt.
Aus der Kurzfassung des KPMG-Berichts geht hervor, dass bei Unicef längst nicht alles in Ordnung ist. Die Prüfer entdeckten in vier von fünf Fällen Verstöße gegen Vergaberichtlinien, immer wieder fehlte unter wichtigen Dokumenten die Unterschrift. Ein KPMG-Mitarbeiter forderte Unicef deshalb auf, die auf der Homepage veröffentlichte Pressemitteilung "sofort aus dem Netz zu nehmen".
Immerhin: Hinweise auf "persönliche Bereicherungen" oder "Vorteilsnahmen der handelnden Personen" hat es laut KPMG nicht gegeben. Den in Rechnung gestellten Beträgen stünden "entsprechende Gegenleistungen" gegenüber, auch sei die Vergabe von Aufträgen betrieblich "nachvollziehbar".
Also alles nur formale Fehler - und sonst alles okay? Die Prüfergebnisse im einzelnen:
Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft will sich offiziell nicht zu dem Bericht äußern. Ein Insider betont allerdings, dass KPMG nur formale Verstöße festgestellt habe. "Ich kann daraus nicht den Schluss ziehen, dass Gelder veruntreut wurden." Allerdings müsse man in Zukunft darauf achten, dass Regeln tatsächlich eingehalten werden - also zum Beispiel Unterschriften nicht fehlen dürfen.
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Auch wenn es ketzerisch klingt: Stützen wir durch unsere "Spenden" nicht auch die Systeme, die das Elend der Menschen verursachen? Unser Überwachungsstaat interessiert sich nicht für die ordnungsgemäße Verwendung der [...] mehr...
Ich kann Emma5000 nur zustimmen. Habe selber eine kleinst-Hilfsorganisation am Laufen. Da kommen so zwischen 200 und 500 EURO Spenden im Jahr rein, den Rest zahle ich aus eigener Tasche. Eine Erstanmeldung beim Deutschen [...] mehr...
Spendenwesen braucht klare Gesetze und keine Schönrederei Die Transparenzinitiative der Unicef mit anderen großer Hilfsorganisationen geht in die falsche Richtung. „Unicef hat Mist gemacht und baut jetzt eine Hysterie auf, um [...] mehr...
Ja, ich kritisiere nicht nur 'hinten herum', sondern bin auch gelegentlich -mit Erfolg- aktiv geworden. Dann wird halt Geld zurückerstattet, dann wird U... für ein paar Jahre für einen geographischen Bereich eines Gebers [...] mehr...
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