Von Michael Soukup, Zürich
Glencore und Xstrata stehen aktuell vor allem wegen ihres Engagements in Kolumbien in der Kritik. Laut kolumbianischen Gewerkschaften betrieben die Bergbaukonzerne dort eine Politik der Vertreibung - Glencore bezeichnet diese Berichte als unwahr.
Als ein Beispiel wird das Umland von Carbones del Cerrejón genannt. Dort befindet sich eine der wichtigsten Kohletagbauminen der Welt, größer als der Bodensee. Bis 2002 gehörte sie mehrheitlich einem Ableger des US-Ölgiganten ExxonMobil, dann stockte Glencore seinen Anteil auf. Kurz zuvor wurde das Dorf Tabaco geräumt - 1000 Polizisten und Soldaten vertrieben die noch 110 verbliebenen Familien. Nach Angaben von Menschenrechtlern wurden Häuser mit Bulldozern platt gewalzt.
Glencore weist jede Verantwortung von sich. Als Minderheitsaktionär habe man "keine Kontrolle über das Exxon-Management" gehabt. Vor zwei Jahren verkaufte Glencore seinen Anteil an der Mine an Xstrata. Auf Druck der Öffentlichkeit erklärte sich Xstrata im August zusammen mit den übrigen Eignern bereit, eine unabhängige Untersuchung einzuleiten.
Der kolumbianische Gewerkschafter Sergio Becerra Moreno erhebt noch weiter gehende Vorwürfe. In der Umgebung der Glencore-Mine La Jagua seien Bewohner bedroht und ermordet worden, sagte er SPIEGEL ONLINE. Glencore dementierte auf Nachfrage entschieden, direkt oder indirekt involviert gewesen zu sein. Die Gewerkschaften in Kolumbien starteten alle zwei Jahre eine Kampagne gegen den Konzern, heißt es - denn immer im Frühling würden die Gehälter neu verhandelt. Der Konzern empfing den kolumbianischen Gewerkschafter Ende Januar in Zug, um die Vorwürfe zu besprechen.
Die Beweislage ist schwierig. "Es gab Attentate, Morde und gar Massaker im Umkreis der Minen", sagt Stephan Suhner von der Menschenrechtsorganisation Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien. "Dass Glencore daraus einen Nutzen zog, ist denkbar. Es gibt einige Zeugenaussagen, aber beweisen kann man es nicht."
Fest steht: Glencore macht sich Sorgen um sein Image - und investiert in ungewohnte Öffentlichkeitsarbeit. Mitte Februar engagierte der Konzern hoch bezahlte Imageberater aus London – zu deren Ex-Kunden gehörte schon der Skandalkonzern Enron.
Innerhalb von 24 Stunden organisierte man für SPIEGEL ONLINE über 100 Seiten "Beweismaterial" über Glencores Wohltaten in Kolumbien: Fotos von sanierten Spitälern und Schulen, Berichte aus Lokalzeitungen und Dankesbriefe von Behörden. Die Investitionen in solche Projekte beliefen sich nach Firmenangaben in den vergangenen Jahren auf 1,4 Millionen Dollar.
Menschenrechtler Suhner ist unbeeindruckt von der Summe. Er sagt: "Das entspricht dem Gegenwert der Kohleproduktion von zwei, drei Tagen."
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