Mittwoch, 10. Februar 2010

Wirtschaft



Kampf der Internet-Giganten

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11.02.2008
 

Übernahmekampf mit Microsoft

Yahoo will noch ein paar Milliarden rausschlagen

Von Marc Pitzke, New York

Yahoo hat das Übernahmeangebot von Microsoft abgelehnt. Doch gute Alternativen hat Yahoo-Gründer Yang nicht - alles läuft auf einen Milliarden-Poker um einen höheren Kaufpreis hinaus. Und auf einen Kampf um die legendäre Unternehmenskultur.

New York - Das hat Jerry Yang gerade noch gefehlt. Nicht nur, dass sich der 39-jährige Gründer und Vorstandschef des Online-Riesen Yahoo dieser Tage mit dem unerwünschten Milliarden-Übernahmeangebot von Microsoft herumschlagen muss. Nun hat er auch noch einen lästigen Zivilprozess am Hals. Eine Gruppe meuternder Yahoo-Aktionäre hat ihn wegen Verletzung seiner Treuepflicht verklagt.

Unternehmenschefs Yang, Ballmer: Übernahme mit allen Mitteln
[M] Getty Images ; DPA

Unternehmenschefs Yang, Ballmer: Übernahme mit allen Mitteln

Die Klage beim Kammergericht in Santa Clara, quasi dem Hausgericht für Silicon-Valley-Streitigkeiten, enthüllt nicht nur die pikanten Hintergründe von Microsofts Attacke, die am Montag mit der brüsken Ablehnung des Angebots durch Yahoo eskaliert ist. Sie offenbart zugleich die Risiken, die auf Yang und seine Unternehmensspitze lauern.

Thema des Prozesses: Microsoft hatte schon vor mehr als einem Jahr diskret die Fühler nach Yahoo ausgestreckt. Und sich - wie jetzt - eine Abfuhr eingehandelt. Damals habe Yahoo die Offerte mit dem Argument abgelehnt, es sei "nicht die richtige Zeit" für solche Schritte, sagte Microsoft-Chef Steve Ballmer. Seither allerdings ist der Yahoo-Kurs nur weiter abgestürzt - weshalb sich die missmutigen Aktionäre nun hintergangen fühlen. Yang habe "versäumt, mit Microsoft zu verhandeln oder seine Angebote guten Glaubens zu berücksichtigen", heißt es in der Klage (die übrigens am selben Tag eingereicht wurde, an dem Microsoft sein jüngstes Angebot publik machte). Mit der Ablehnung hätten die Yahoo-Chefs Eigennutz über das Wohl der Anteilseigner gesetzt, um ihre lukrativen Posten zu wahren.

Verhandlungen durchs Hintertürchen

Der Prozess zeigt, dass Jerry Yang in der Klemme steckt. Sollte Microsoft sein aktuelles Angebot nach der neuen, scharfen Absage zurückziehen, würde Yahoos Kurs sicher erneut einkrachen - und das wiederum eine Flut weiterer Aktionärsklagen auslösen.

Mit anderen Worten: Ein Deal ist letztlich unvermeidlich. Yang spekuliert offenbar ganz bewusst auf ein höheres Angebot. Ein riskantes Spiel.

"Das Angebot ist nicht im besten Interesse von Yahoo und unseren Aktionären", schrieb Yang in einem Brief an Microsoft. Zugleich öffnete er das Hintertürchen für Verhandlungen: Yahoo werde "alle seine strategischen Optionen im Kontext des schnelllebigen Industrieumfelds bewerten. Wir fühlen uns weiter verpflichtet, Initiativen zu verfolgen, die den Wert für alle Anteilseigner maximieren".

Yahoo testet also, wie hoch Microsoft zu gehen bereit ist - über die 44,6 Milliarden Dollar hinaus, die es gerade bietet (31 Dollar pro Aktie, rund 3,5 Prozent über dem heutigen Tageskurs). Insider berichten, Yahoo versuche, 40 Dollar pro Aktie herauszuschinden. Das wären fünf Dollar pro Aktie beziehungsweise insgesamt 13 Milliarden Dollar mehr, als Microsoft sich intern als Obergrenze gesetzt haben soll.

Microsoft ist durchaus in der Lage, draufzuschlagen. Fragt sich, ob es willens ist - auch mit Blick auf die eigenen Aktionäre. In der Nacht reagierte der Konzern bereits auf die Absage: Es sei "bedauerlich", dass Yahoo das Angebot abgelehnt habe, teilte Microsoft mit. Trotzdem behalte man sich "alle notwendigen Schritte" vor, um sicherzustellen, dass die Aktionäre von Yahoo  von dem Übernahmeangebot profitieren könnten.

Kaum verhüllte Drohungen

Ob der Softwaregigant zur Not einen Kredit aufnehmen oder sich sogar einen Partner suchen würde, um diese Mammut-Fusion finanziell zu schaffen - das wurde Microsofts Strategiechef Yusuf Mehdi in einem Interview mit dem Werbeblatt "Advertising Age" gefragt. "Zweifellos", antwortete er. "Wir sind sehr auf diese Kombination fixiert. Wir haben eine ganze Reihe von Plänen und Vorbereitungen parat, um dies in die Tat umsetzen. Und wir würden das gerne auf kooperative Weise mit Yahoo machen."

Da war sie wieder, die kaum verhüllte Drohung: lieber kooperativ, ansonsten auch konfrontativ.

Der höflich-bestimmte Antrag von Microsoft könnte gut in eine Übernahmeschlacht ausarten. Das hatte Konzernchef Ballmer schon in einem ersten Brief angedeutet: "Microsoft behält sich das Recht vor, alle notwendigen Schritte zu verfolgen."

Werbetafeln in New York: Zartes Werben oder harter Kampf?
DPA

Werbetafeln in New York: Zartes Werben oder harter Kampf?

Yahoo provoziert derlei Schritte mit seinem neuen Nein geradezu. Aber wie würden sie aussehen?

Denkbar wäre zum Beispiel ein "proxy fight", ein feindlicher Kampf um Aktionärsstimmen, um die Yahoo-Spitze zu stützen. Theoretisch hätte Microsoft bis zum 13. März Zeit für den Versuch, auf diese Weise eigene Direktoren für das Unternehmen zu benennen und so die jetzige Führung zu entmachten.

Der Nachteil: Damit könnte der Softwarekonzern wichtige Yahoo-Mitarbeiter vergraulen. Weshalb die sanftere Variante wahrscheinlicher ist: gezielter Druck auf das Management über die Aktionäre - oder direkte Angebote an diese.

Alles oder nichts

Fünf Wall-Street-Firmen würden dabei eine entscheidende Rolle spielen: Goldman Sachs, Vanguard, Capital Research & Management, Barclays und State Street. Sie halten an Microsoft wie Yahoo massiv Anteile: Sie kontrollieren 1,5 Millarden Microsoft-Aktien (mehr als Ballmer und Gründer Bill Gates) und fast 290 Millionen Yahoo-Aktien. Schon berichtete die "New York Post", Microsoft habe begonnen, sie zu umwerben.

Microsoft-Finanzchef Chris Liddell, der diesen ersten feindlichen Übernahmeversuch in der Geschichte seines Konzerns persönlich eingefädelt hat, will auch drastische Methoden nicht ausschließen - zum Beispiel Yahoo vor die Alternative "alles oder nichts" zu stellen oder eine klare Deadline zu setzen. "Du musst bereit sein, den Antrag zurückzuziehen", sagte er der "New York Times" heute. Die Zeitung verband das mit dem hübschen Hinweis, Liddell sei Rugby-Spieler und Hobby-Triathlet.

Zugleich versucht es Microsoft mit Charme. So umschmeichelt es vor allem Yang, den Jung-Milliardär, der Yahoo vor 13 Jahren gemeinsam mit David Filo gegründet hatte. "Wir haben enormen Respekt davor, was Yahoo erreicht hat", sagte Ballmer in einem Interview mit dem "Wall Street Journal". Aus Ballmers Umfeld verlautete, er sei bedacht darauf, die Yahoo-Stars nicht zu vergrätzen und sie so bei einer Übernahme zu verlieren.

Denn für Yahoo geht es hier nicht zuletzt um die gebliebte legendäre Unternehmenskultur. "Yahoos" denken nicht nur in Zahlen, sondern mehr noch in Status und Symbolik ihrer Arbeit.

"Sie werden die Farm nicht verschenken"

Viele Alternativen haben sie freilich nicht. Die zwei Alternativen, die in den Silicon-Valley-Blogs diskutiert werden, sind bestenfalls problematisch: eine Allianz mit Google oder ein Bündnis mit Time Warners AOL-Klotz.

Yahoo-Google würde sicher kaum über die Hürden der Kartellwächter kommen - das wäre wie die Ehe zweier Cousins, amüsierte sich ein Beobachter. Und die AOL-Variante, von der Londoner "Times" ohne Quellenangabe ins Gespräch gebracht, widerspricht gesundem Menschenverstand. AOL ist dauermarode und sowieso gerade im Begriff, vom Mutterhaus abgespalten zu werden.

Bliebe die Möglichkeit, zumindest das Yahoo-Anzeigengeschäft mit Google zu koppeln - eine Idee, die die Yahoo-Chefs am Freitag bei einer Schaltkonferenz ernsthaft diskutiert haben sollen. Doch selbst das würde wohl Probleme mit den Aufsichtsbehörden verursachen.

"Eine ganze Reihe anderer Leute, die Bieter hätten sein können, haben auf ihre Weise gesagt, dass sie sich nicht beteiligen werden", sagte Microsoft-Manager Mehdi - und beschrieb damit das Dilemma von Yahoo. Ohne Alternativen hat das Unternehmen Microsofts Angriff wenig entgegenzusetzen außer cleverem PR- und Verhandlungsgeschick, um wenigstens noch einen höheren Preis herauszuholen.

Wie hoch, wird sich zeigen. Daniel Hanson, Portfolio-Manager bei der Finanzfirma BlackRock, die selbst Microsoft-Anteile hält, drückte es so aus: "Sie werden Disziplin haben. Sie werden die Farm nicht verschenken."

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