Von Stefan Schultz
Hamburg - Würde Klaus Zumwinkel, 64, selbst als Briefträger arbeiten, dürften die meisten Deutschen ihm diese Rolle wohl abkaufen. Sanft und bodenständig, fast onkelhaft wirkt der Deutsche-Post-Chef. Die Öffentlichkeit kennt ihn als Mann der leisen Töne, als angenehmen Gegenentwurf zu den Basta-Bossen und Testosteron-Titanen, die sich sonst noch Manager nennen. "Ich bin eigentlich immer gleich temperiert", hat Zumwinkel über sich selbst gesagt.
Noch-Post-Chef Zumwinkel (nach Razzia am Donnerstagmorgen):
Es gibt nur einen anderen Dax-Chef, der ähnlich lange im Geschäft ist wie Zumwinkel: TUI-Boss Michael Frenzel, der 1994 sein Amt antrat. Zumwinkel und Frenzel sind Deutschlands Dax-Dinosaurier. Wie Frenzel gehört Zumwinkel bei Analysten zu den unbeliebtesten Dax-Managern.
Zumwinkels Abgang war lange und umsichtig vorbereitet - und könnte nun angesichts der Steuerermittlungen sehr viel unsanfter ablaufen als geplant. Sein Vertrag läuft eigentlich Ende 2008 aus. Da er im Dezember 65 Jahre alt wird, sei ein Wechsel "unausweichlich", streuten Post-Kreise vor kurzem. Vorstand Frank Appel wurde systematisch zum Nachfolger aufgebaut, seine Kompetenzen sind kontinuierlich gewachsen.
An der Börse tauchten nach der Razzia auch prompt Gerüchte auf, Zumwinkel sei insgeheim schon zurückgetreten, Appel habe übernommen. Von der Post kam ein rasches Dementi: "Der gesamte Vorstand inklusive seines Vorsitzenden Dr. Zumwinkel ist vollständig handlungsfähig und führt seine Geschäfte wie gewohnt fort."
Minimale Mimik signalisiert Zustimmung und Unmut
Bei der Post gebietet die gelbe Eminenz über ein global arbeitendes Heer. Über 500.000 Menschen arbeiten inzwischen für den Weltkonzern. Sie verwalten die Bankkonten von Millionen Deutschen, tragen Briefe in Japan aus oder beliefern britische Krankenhäuser mit Arzneien und Gummihandschuhen. Zumwinkels Mitarbeiter sind daran gewöhnt, bei ihrem Chef auf leise Regungen zu achten, da er nur durch minimale Veränderungen seines Gesichtsausdrucks Zustimmung und Unmut äußert.
Das "manager magazin" charakterisiert Zumwinkels Mimik so: "Nur die Mundwinkel arbeiten rege. Sie weisen nach oben, wenn es etwas zu loben gibt. Nach unten, wenn ein Projekt zur Unzeit vorgeschlagen wird. Angespannt nach hinten, wenn ein Vorstandskollege einen Etatposten um 16 Millionen Euro überzieht."
Zumwinkel ist exzellent vernetzt: Zu prominenten Managern und Politikern pflegt er engen Kontakt. Im erlauchten Kreis steigt er mit Deutschlands Spitzenkräften und unter Reinhold Messners Führung auf Berge, zuweilen im Himalaja.
Von der Schneckenpost zum Weltkonzern
Post-Chef ist Zumwinkel inzwischen im neunzehnten Jahr, der Konzern ist sein Gesamtkunstwerk, er hat ihn von Anfang an mit aufgebaut. Vor Zumwinkel gab es nur den Post-Minister. Im Juli 1989, wenige Monate vor dem Mauerfall, übernimmt Zumwinkel die Post. Sie ist damals eine Behörde, mehr grau als gelb, mit umständlichen Arbeitsabläufen und viel zu vielen Angestellten.
Zumwinkel beginnt schnell mit dem Umbau: Von 1990 bis 1998 sinkt die Zahl der Post-Mitarbeiter von 380.000 auf eine Viertelmillion, die Zahl der Postfilialen halbiert sich bis 2002 auf gut 12.700. Anfang der Neunziger macht Zumwinkel die Schneckenpost schnell, indem er die Briefsortierung weitgehend automatisiert. Ab 1998 werden Postämter zu Service-Stationen, in denen auch Bankgeschäfte getätigt und Schreibwaren gekauft werden. Ab 1997 startet der Ausbau der ehemaligen Behörde zum Weltkonzern. Zum neuen Millennium tauft Zumwinkel den Konzern in "Deutsche Post World Net AG" um. 2000 ist auch das Jahr, in dem die Post an die Börse geht, angepriesen von einem prominenten Moderator, der bis dahin im Fernsehen meist Gummibärchen lobte.
Mit der Jahrtausendwende bekommt die Deutsche Post World Net AG aber auch ernste Probleme. Die EU verdonnert den Konzern zu zwei Kartellstrafen in Rekordhöhe; die Bonner Regulierungsbehörde fordert Zumwinkel dazu auf, zum Januar 2003 das Briefporto zu senken. Zumwinkel legt sich mit der Regierung an, er sagt, er finde diese Forderung "nicht nachvollziehbar". Er droht, Tausende Arbeitsplätze zu streichen und weitere Post-Filialen zu schließen. Die Post-Aktie rauscht in den Keller, verliert fast die Hälfte ihres Werts.
Dicker Kratzer im Reformer-Image
2003 wählte das "manager magazin" Zumwinkel noch zum "Manager des Jahres" - in den letzten Jahren aber kriselte es in Zumwinkels Weltkonzern an vielen Ecken. Vor allem das US-Geschäft, von Zumwinkel forciert, hat sich zu einem wahren Desaster entwickelt. Die Zustellung von Eilsendungen innerhalb der USA kostete den Konzern bislang geschätzte sieben Milliarden Euro, der Gewinn der Post-AG ist durch die Verluste aus Übersee stark eingebrochen. Zumwinkels Image als Reformer, der Wirtschaftsgeschichte schrieb, hat seitdem einen dicken Kratzer.
Auch das Image des netten Managers war schon vor den Razzien angeknackst - spätestens seit dem Jahresende 2007. Kurz nachdem die Regierung den Post-Mindestlohn beschloss, den viele für eine Zementierung des Post-Monopols halten, wurde bekannt, dass Zumwinkel aus Aktienverkäufen 4,73 Millionen Euro erlöst hat. Kritiker warfen dem Post-Chef vor, er habe sich bewusst bereichert, den Schub, den die Aktie nach Bekanntgabe des Mindestlohns erhielt, ausgenutzt. Zumwinkel bestreitet das, räumte aber ein, er habe sich ungeschickt verhalten.
In den letzten Monaten hat der Post-Boss das Großreinemachen begonnen, viel hat sich im Konzern bewegt. Über den Verkauf der Postbank darf wieder nachgedacht werden, über die Abtrennung des defizitären US-Geschäfts ebenso - sofern sich keine bessere Lösung findet. Es scheint, als hätte Zumwinkel versucht, sein Lebenswerk zu kitten, ehe er es an einen Nachfolger übergibt. Es ist eine Aufgabe, die er wohl nicht mehr zu Ende führen kann.
An der Börse jedenfalls wären wohl nur wenige betrübt über ein schnelles Ende der Ära Zumwinkel. Die Aktie des Konzerns schloss den Tag der Steuerrazzien mit einem Plus von 2,77 Prozent - besser als jeder andere Wert im Dax.
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Sie werden reihenweise auf den rechten Weg geführt. Wer heute noch glaubt er kann sich der Kontrolle entziehen, der ist schlecht informiert. Man kann sich auch dafür entscheiden, die Zinsen dem Fluchtland zur Verfügung zu [...] mehr...
Was heißt bekämpfen? Was heißt Steuerflüchtling? Wir Menschen sind ebend so gestrickt, dass jeder - natürlich nur für sich selbst - das beste Ergebnis herausholen möchte. Steuerflüchtlinge sind auch die Leute, die sich - in [...] mehr...
Was ist für Sie "erfolgsbestrafend"? Das der Steuersatz mit steigendem Einkommen steigt oder dass er es zulässt, dass man mit höherem Einkommen bessere Steuervermeidungsstrategien finden kann? Ansonsten muss man [...] mehr...
....muß seine erfolgsbestrafende Steuerpolitik schnellstens ändern. Soll sich ein Beispiel an Österreich und der Schweiz nehmen! Er brauch sich über die Abwanderungen der Bestverdiener wie z.B. die Herren Würth, oder Vettel, [...] mehr...
solang ich nicht dei Vermögensverhältnisse/ Steuererklärungen der VIPs seh, kann ich über andere kein Urteil fällen ! mehr...
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