Sonntag, 22. November 2009

Wirtschaft



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14.02.2008
 

Razzia beim Post-Chef

Zumwinkel bleibt im Amt - BND gab Steuerfahndern ersten Hinweis

Die Post stellt sich hinter ihren Chef: Trotz der Steuer-Razzia in Zumwinkels Privathaus hält der Konzern den Vorstand für "voll handlungsfähig". Nach SPIEGEL-Informationen stammte der entscheidende Hinweis in der Affäre vom BND.

Hamburg - Die Vorwürfe sind gewaltig, doch Klaus Zumwinkel bleibt Chef der Deutschen Post. Trotz des Verdachts auf Steuerhinterziehung werde der Manager sein Amt weiter ausüben, teilte der Konzern mit. Der Vorstand sei "vollständig handlungsfähig". Zumwinkel führe mit den Vorstandskollegen "die Geschäfte wie gewohnt fort". Zuvor war Zumwinkel nach einer Vernehmung bei der Staatsanwaltschaft wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Nach Angaben des Konzerns befindet er sich derzeit zu Hause.

Nach Informationen des SPIEGEL existiert die Akte Zumwinkel schon seit geraumer Zeit. Demnach hat sich im vergangenen Jahr ein Informant beim Bundesnachrichtendienst (BND) gemeldet, der Interna über Zumwinkel anbot. Der Geheimdienst leistete Amtshilfe - und vermittelte den Kontaktmann an die Wuppertaler Steuerfahndung. Der entscheidende Hinweis in dem Fall stammt damit vom deutschen Auslandsgeheimdienst. Weitere Hilfe hat der BND anscheinend nicht geleistet.

Der Informant soll Material über Zumwinkels Steuersparmodell bei einem Vaduzer Geldinstitut mitgebracht haben. Daraufhin habe die Oberfinanzdirektion Rheinland schon im August eine Sondergruppe von Prüfern eingesetzt, die sich um den Fall kümmerte. So wurden die Steuerakte von Zumwinkel sowie Berichte von Betriebsprüfern angefordert. In den Akten habe es jedoch keinen Hinweis auf ein Konto in Vaduz oder Einkünfte aus einer Stiftung gegeben. Es soll jeglicher Hinweis auf eine ordnungsgemäße Versteuerung des Liechtensteiner Vermögens, das rund zehn Millionen Euro betrage, gefehlt haben.

Die Staatsanwaltschaft in Bochum ermittelt nun wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung. Zumwinkel soll rund eine Million Euro am Fiskus vorbeigeschleust haben. Da der Manager Angaben zur Sache gemacht habe, sei der Haftbefehl gegen eine Sicherheitsleistung "in namhafter Größe" außer Vollzug gesetzt worden, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Er erklärte außerdem, dass auch gegen andere Beschuldigte ermittelt werde, die bisher nicht mit Namen genannt wurden. Zumwinkel war am späten Vormittag nach einer Steuerrazzia in seinen Privat- und Büroräumen mit der Polizei zur Bochumer Staatsanwaltschaft gefahren.

Konkret wird Zumwinkel Steuerhinterziehung mit Hilfe einer Stiftung im Fürstentum Liechtenstein vorgeworfen. Dieses Steuersparmodell soll der Manager, der sich selbst als Multimillionär bezeichnet, schon seit Mitte der achtziger Jahre praktizieren. Das Vermögen der Stiftung betrug zuletzt mehr als zehn Millionen Euro. Aus umfangreichen Aufzeichnungen eines Liechtensteiner Geldinstituts soll hervorgehen, dass der Post-Chef auch überlegte, sein Vermögen nach Asien oder auf die Cayman-Inseln zu verlagern.

Laut "Financial Times Deutschland" rechnet die Bundesregierung nicht damit, dass der Konzernchef sein Amt weiter ausüben werde. Unter Berufung auf Regierungskreise berichtet das Blatt, es werde wohl auch nicht zum geplanten Wechsel Zumwinkels in den Post-Aufsichtsrat kommen. Nach Informationen des "Handelsblatt" ist die Razzia bei Zumwinkel der Auftakt für eine ganze Serie von Ermittlungen. In den nächsten Tagen würden in ganz Deutschland Razzien anlaufen, berichtet die Zeitung unter Berufung auf Ermittlerkreise. Hunderte Täter seien bereits enttarnt, Namen wurden nicht bekannt.

Das Verfahren hat eine ungekannte Dimension. Noch nie wurde ein Dax-Konzernchef vor laufender Kamera aus seiner Villa abgeführt. Zumwinkel ist der dienstälteste Chef eines Dax-Unternehmens, er leitet die Post seit 18 Jahren.

Gegen einen Familienangehörigen Zumwinkels wird bereits seit Sommer vergangenen Jahres wegen Steuerhinterziehung ermittelt. In diesem Fall soll es um Millionen in Liechtensteiner Stiftungen gehen. Eine anonyme Anzeige hatte dieses Steuerverfahren ausgelöst.

DATEN UND FAKTEN ZUR STEUERHINTERZIEHUNG

Summe

Steuerhinterziehung ist laut der Deutschen Steuergewerkschaft in Deutschland zum Volkssport geworden. Auf 30 Milliarden Euro veranschlagt der Vorsitzende der Deutschen Steuergewerkschaft, Dieter Ondracek, das Volumen der jährlichen Steuerhinterziehung.

Stiftungen in Liechtenstein

Verschleierungen

Bankgeheimnis

Zumwinkel ist einer der einflussreichsten Strippenzieher unter den Dax-Konzernchefs. Er sitzt den Aufsichtsräten der Postbank und der Telekom vor. Er hegt Pläne, die Postbank mit einem anderen Institut, etwa der Deutschen Bank, zu fusionieren und so eine Mega-Bank zu gründen. Mit dem Projekt wollte sich Zumwinkel einen glanzvollen Abgang verschaffen - was jetzt wohl nichts wird.

Erst im vergangenen Dezember war Zumwinkel ins Kreuzfeuer der Kritik geraten, als er unmittelbar nach der Verabschiedung des Post-Mindestlohn-Gesetzes ein umfangreiches Aktienpaket abgestoßen hatte. Der Kurs der Papiere war nach dem Beschluss des Gesetzes deutlich gestiegen. Zumwinkel verdiente an dem Verkauf zwar mehrere Millionen, musste sich aber hinterher für sein Verhalten entschuldigen.

Nicht äußern wollte sich heute die Bundesregierung: Die Angelegenheit sei Sache der Staatsanwaltschaft. "Das haben wir nicht zu kommentieren", sagte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums. Ähnlich äußerte sich ein Vertreter des Finanzministeriums. Der Bund ist nach wie vor größter Einzelaktionär der Post.

wal/Barbara Schmid

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