Mittwoch, 10. Februar 2010

Wirtschaft



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15.02.2008
 

Gigantischer Finanzskandal

Fahnder jagen mehr als tausend Verdächtige - bis zu vier Milliarden Euro Steuern hinterzogen

Es ist ein Steuerskandal von historischen Ausmaßen: Mehr als tausend Verdächtige sollen über Liechtenstein bis zu vier Milliarden Euro am deutschen Fiskus vorbeigeschleust haben - darunter viele Prominente. Rund 125 Ermittlungsverfahren sind geplant, es gibt etwa 900 Durchsuchungsbeschlüsse.

Düsseldorf - So etwas hat die Republik noch nicht gesehen. Hinter der Steuerhinterziehungsaffäre, die gestern mit der Razzia bei Post-Chef Klaus Zumwinkel bekannt wurde, verbirgt sich ein gigantischer Skandal rund um dubiose Transaktionen nach Liechtenstein. Rund 125 Ermittlungsverfahren sollen ab kommender Woche laufen, die Rede ist von etwa 900 Durchsuchungsbeschlüssen und mehr als tausend Verdächtigen, darunter viele Prominente - die nach konservativen Schätzungen insgesamt mindestens 300 Millionen Euro am deutschen Fiskus vorbeigeschleust haben, nach anderen Angaben allerdings bis zu vier Milliarden Euro.

Burg Vaduz in Liechtenstein: Unter den Verdächtigen sind laut Bundesregierung viele "Leistungsträger"
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AP

Burg Vaduz in Liechtenstein: Unter den Verdächtigen sind laut Bundesregierung viele "Leistungsträger"

Das Bundesfinanzministerium teilte heute mit, dass außer Zumwinkel gegen zahlreiche weitere Verdächtige wegen Steuerhinterziehung ermittelt wird. Der Fall des bisherigen Post-Chefs sei kein Einzelfall, sagte Ministeriumssprecher Torsten Albig in Berlin.

Ermittelt werde gegen "sehr viele" bekannte und weniger bekannte "Leistungsträger" wegen Steuerflucht nach Liechtenstein. Er riet Betroffenen zur Selbstanzeige. Dieses Instrument sehe das deutsche Steuerstrafrecht vor. Regierungsinsidern zufolge handelt es sich um eine "vierstellige Zahl".

Vor allem gegen Reiche und Prominente wird ermittelt, die Kunden der Liechtensteiner LGT-Bank gewesen sein sollen. Zu den Verdächtigen gehören laut Finanzministeriumssprecher Albig "Bekannte und Unbekannte".

Er vermöge nicht zu sagen, ob es sich um "vergleichbare Personen wie Zumwinkel" handelt. Aber die Verdienste der Verdächtigen lägen in höheren Einkommensklassen.

Die Liechtensteiner LGT-Bank ist nach Angaben ihrer Internet-Seite eine "Wealth & Asset Management Gruppe des Fürstenhauses von Liechtenstein". Das Finanzinstitut will sich derzeit zu den Vorwürfen nicht äußern. Dem ZDF zufolge wurden für die verdächtigen Geldgeschäfte eine Reihe von Stiftungen gegründet.

Zumwinkel ist nach den Razzien in seinem Haus und im Post-Tower von seinen Ämtern inzwischen zurückgetreten. Er steht nach Angaben der Bochumer Staatsanwaltschaft im Verdacht, mittels Geldanlagen in liechtensteinische Stiftungen Steuern in einer Größenordnung von rund einer Million Euro hinterzogen zu haben. Gegen den 64-Jährigen wurde Haftbefehl erlassen, aber gegen Kaution außer Vollzug gesetzt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) begrüßten den Rücktritt. Wie es nun mit der Post weitergeht, ist noch unklar. Als wahrscheinlicher Nachfolger Zumwinkels, dessen Vertrag eigentlich erst Ende des Jahres ausläuft, gilt Vorstand Frank Appel. Er wurde von Zumwinkel noch selbst aufgebaut.

ase/dpa/ddp/Reuters

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