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15.02.2008
 

Zwergstaat im Zwielicht

Riesen-Skandal um Fürstenbank - reiche Deutsche bunkerten bis zu vier Milliarden Euro

Von Susanne Amann und Michael Kröger

Es geht um bis zu 4.000.000.000 Euro, 125 Ermittlungsverfahren, mehr als tausend Verdächtige - die alle Kunden der Liechtensteiner LGT-Bank sein sollen. Dass gigantische Mengen Bankdaten in die Hände deutscher Steuerfahnder fielen, ist ein Desaster für das Fürstentum.

Hamburg - Es hätte nie passieren dürfen, es ist der schlimmste anzunehmende Unfall für eine Bank: Kundendaten sind aus dem Bankhaus LGT in Liechtenstein nach außen gelangt - ausgerechnet zu jenen, die sie nie hätten sehen sollen: Steuerfahndern aus Deutschland. "Wir haben die ganze Bank geknackt", so brachte es ein Ermittler in einem Gespräch mit dem "Handelsblatt" auf den Punkt.

Mit der Durchsuchung von den Büro- und Privaträumen von Post-Chef Klaus Zumwinkel begann die wahrscheinlich größte Steuerfahndungswelle, die die Bundesrepublik je gesehen hat: Rund 125 Ermittlungsverfahren sollen ab kommender Woche laufen, die Rede ist von etwa 900 Durchsuchungsbeschlüssen und mehr als tausend Verdächtigen - die nach konservativen Schätzungen insgesamt mindestens 300 Millionen Euro am deutschen Fiskus vorbeigeschleust haben, nach anderen Angaben bis zu vier Milliarden Euro.

Unter den Beschuldigten sollen nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" zwar etliche Prominente sein, "aber nicht solch enorm exponierte Personen" wie Postchef Zumwinkel, wie Oberstaatsanwalt Bienioßek der SZ sagte. "Ein weiterer Vorstand eines Dax-Unternehmens ist nicht darunter." Wie aus Ermittlerkreisen verlautete, handelt es sich bei einigen der Beschuldigten um mittelständische Unternehmer und "regionale Größen".

Das Finanzministerium erklärte bislang nur, es werde gegen "sehr viele" bekannte und weniger bekannte "Leistungsträger" wegen Steuerflucht nach Liechtenstein ermittelt.

Genau dort aber, wo diese "Leistungsträger" bisher verschwiegen ihre Gelder angelegt haben, will man davon nichts wissen. Ein Sprecher des Bankhauses LGT sagte knapp: "Wir kommentieren das im Moment nicht." Das ist wenig erstaunlich, denn Bank und Fürstentum sind für ihre Verschwiegenheit bekannt.

Von außen sieht man Liechtenstein und seinen rund 35.000 Einwohnern nicht an, dass sie - gemessen am Bruttoinlandsprodukt - ein doppelt so hohes Pro-Kopf-Einkommen haben, wie etwa ihre Schweizer Nachbarn. Die Liechtensteiner tragen ihren Reichtum nicht zur Schau. Doch dieses Understatement konnte nicht verhindern, dass das Fürstentum eine zweifelhafte Berühmtheit erlangte: Steuerparadies ist noch der harmloseste Ausdruck für ein diskretes System aus Nummernkonten und Stiftungen, dass dazu geführt hat, dass in dem winzigen Alpenstaat geschätzte 80.000 Briefkastenfirmen geführt werden.

Im Zentrum der Macht steht dabei ein Mann, der gern über den Wettbewerb zwischen "Steueroasen und Steuerwüsten" doziert: Fürst Hans-Adam II, Staatsoberhaupt und unumschränktes Oberhaupt der Fürstenhaus-AG. Zwar hat der 63-Jährige mit einem geschätzten Vermögen von zwei bis fünf Milliarden Euro vor dreieinhalb Jahren die Staatsgeschäfte an seinen Sohn Alois übergeben.

Den Fürstentitel wird dieser aber erst nach dem Tod des Fürsten erben - und vor allem die Überwachung des prosperierenden Privatunternehmens obliegt immer noch dem Senior. Im Zentrum steht der Finanzkonzern LGT Group, der nach eigenen Angaben 99,7 Milliarden Schweizer Franken verwaltet und im ersten Halbjahr 2007 135,6 Millionen Schweizer Franken Gewinn gemacht hat. Chef der Bank ist Prinz Max von und zu Liechtenstein, darüber allerdings steht die Fürst von Liechtenstein-Stiftung.

Das Geschäft ist lukrativ: Das Unternehmen steigerte allein im ersten Halbjahr 2007 seinen Gewinn um knapp 37 Prozent, die Summe des verwalteten Vermögens stieg um mehr als sechs Milliarden Schweizer Franken.

"Ein Großteil der Finanzbranche lebt davon, Gelder von Ausländern entgegen zu nehmen und zu verwalten", sagt Lucius Blattner, ehemaliger Staatsanwalt und Anwalt in der Schweiz. Das geschehe in der Regel über sogenannte Treuhänder oder spezialisierte Anwälte, die für ihre Kunden eine Stiftung gründeten und deren Gelder anlegten. "Sie erbringen eine sehr gute, sehr diskrete und legale Dienstleistung", sagt Blattner.

Und es ist ein Geschäft, das sich lohnt: Tausende, in Einzelfällen sogar Zehntausende Stiftungen werden zum Teil von einem einzigen Vermittler betreut, der dafür vom Kunden zwischen 2000 Euro bis 5000 Euro bekommt.

Außerdem - und das erklärt, warum etwa die LGT so viel Gelder verwaltet - bekommen die Vermittler von den Liechtensteiner Banken großzügige Provisionen: Unter Experten gilt als sicher, dass sie prozentual mit 25 bis 50 Prozent an dem Gewinn beteiligt werden, den die Banken mit den Geldern machen. Bei Millionensummen ist das ein einträgliches Geschäft - für beide Seiten.

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solang ich nicht dei Vermögensverhältnisse/ Steuererklärungen der VIPs seh, kann ich über andere kein Urteil fällen ! mehr...

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